"Den Rest muss man hinterfragen"

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"Sie müssen anfangen, mehr zu attackieren"

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Erstes Rennen, erster Sieg – besser geht es nicht.

Falsch gedacht. Obwohl Andreas Puelacher in Sölden bei seinem ersten Rennen als ÖSV-Herren-Cheftrainer Marcel Hirschers Sieg bejubeln durfte, ist für den Tiroler nicht alles eitel Wonne.

„Natürlich bin ich glücklich. Aber man muss auch objektiv und kritisch bleiben. Marcel war sehr gut, vor allem der zweite Durchgang war ein Wahnsinn. Benni war ausgezeichnet, damit habe ich eine Riesenfreude. Aber den Rest muss man hinterfragen“, so das Fazit des 50-Jährigen.

Schörghofer, Mathis und Nösig in der Kritik

Und das tat er dann auch. „In diesem Fall spreche ich von Philipp (Schörghofer/Anm.), Marcel Mathis und Christoph Nösig“, nennt der Nachfolger von Mathias Berthold Namen. Wobei Letzterer sich im zweiten Durchgang noch vom 29. Auf den 19. Rang vorschieben konnte: „Bei Christoph war es im zweiten Lauf ein bisschen besser.“

In der Tat sieht das mannschaftliche ÖSV-Ergebnis alles andere als rosig aus. Ausgenommen von Hirscher und Raich machten lediglich Christoph Nösig (19.) und Philipp Schörghofer (25.) Punkte.

„Das kommt für mich schon überraschend. Wir wussten, dass sie nicht ganz vorne hineinfahren – die Rede ist hier vom Podest. Aber dass der Schuss so nach hinten losgeht, hätte ich mir nicht gedacht“, zeigt sich Puelacher gegenüber LAOLA1 erstaunt ob der schwachen Leistungen des Trios.

Schörghofer, der in Sölden bereits auf dem Podest stand, schob den großen Rückstand von über drei Sekunden im ersten Durchgang auf einen Fehler im unteren Teil. „Ich denke, das hat jeder gesehen. Wenn man fast anschieben muss, verliert man eben viel Zeit.“

„Schön runterfahren ist zu wenig“

Im zweiten Lauf beging er keinen Patzer, fiel aber dennoch drei weitere Ränge zurück.

 „Philipp ist einfach nur schön runtergefahren. Mit schön runterfahren kriegst du eine und hast einfach keine Chance mehr“, gibt Puelacher zu bedenken.

Er vermisse bei Schörghofer und Co. den Mut, den es für Top-Leistungen braucht. „Sie müssen anfangen, mehr zu attackieren und mehr Risiko zu nehmen.“

Lob für Benni Raich

Oldie Benni Raich, der als Vierter sein erstes Sölden-Podest um nur eine Hundertstel verpasste, bekam vom Cheftrainer ein Sonderlob.

„Er hat mir schon, als wir heuer angefangen haben zu trainieren, sehr gut gefallen. Vor allem seine Lockerheit und seine Motivation. Seine ganze Unbekümmertheit, die er zur Zeit hat“, so der langjährige Coach der Riesentorlauf-Kombi-Gruppe.

Und das sei für den 36-Jährigen erst der Anfang. „Wahnsinn, was er geboten hat. Ich bin mir sicher, Benni kann heuer noch viel leisten.“

Das können auch Schörghofer, Mathis und Co. Wenn das in Zukunft gelingt und neben Hirscher und Raich auch die restlichen Fahrer überzeugen, wäre auch Puelacher zufrieden.

Denn besser würde es dann wirklich nicht gehen.

 

Matthias Nemetz

„Dann können sie mitfahren, davon bin ich überzeugt. Technisch fahren sie gut, aber wir brauchen das Risiko“, weiß er um das Können seiner Schützlinge Bescheid.

Schützende Hand über Youngsters

Dass die „jungen Wilden“ auch das Zeug für die vorderen Plätze haben, stehe außer Frage. Der 21-jährige Roland Leitinger verpasste das Finale als 33. nur hauchdünn. Der um ein Jahr ältere Manuel Feller, der im Training mit starken Leistungen aufzeigte, verpatzte sein Rennen und wurde 55.

„Die Jungen, wie ein Manuel Feller oder Roland Leitinger, haben Risiko genommen. Sie haben im ersten Lauf aber zu viele Fehler gemacht“, nimmt Puelacher das Duo aus der Schusslinie.

Das Ergebnis bei seiner Premiere kommt für ihn nicht überraschend. „Es sind die besten Riesentorlauf-Fahrer am Podest. Ligety hatte den Riesenfehler, sonst wäre er auch noch dabei. Wenn man riskiert, kann so etwas passieren und bei ihm ist es passiert.“

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