"Klar möchte ich Olympiasiegerin werden"

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Die Loipen sind eröffnet!

Ab 19. November ziehen die Langläufer wieder ihre Spuren in den Schnee. Zum Auftakt bestreiten Damen und Herren im norwegischen Sjusjoen jeweils einen Distanz- bzw. Staffel-Bewerb.

In einer Saison ohne Höhepunkte, wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele, lässt es Salomon-Athletin Evi Sachenbacher-Stehle ruhiger angehen.

"Wann und wie viele Weltcuprennen ich bestreiten werde, steht derzeit nicht fest und dies werde ich – abhängig vom jeweiligen Leistungs- und Trainingsstand – kurzfristig und in enger Abstimmung mit dem Bundestrainer (Jochen Behle/Anm.) entscheiden", schreibt die bald 31-jährige gebürtige Traunsteinerin auf ihrer Homepage.

Im Interview spricht Evi Sachenbacher-Stehle über den Grund ihrer Saisonplanung, positive und negative Highlights ihrer Karriere, Doping und ihre Pläne nach der aktiven Karriere.

Frage: Evi, du hast bei Olympia zwei Mal Gold und drei Mal Silber gewonnen, bist Weltmeisterin und vierfache Vize-Weltmeisterin gewesen. Hast du noch Ziele?

Evi Sachenbacher-Stehle: Ja, die nächsten Olympischen Spiele sind mein großes Ziel. 2014 in Sochi möchte ich dabei sein, darauf zielt mein Training ab.

Frage: Du willst dort Oympiasiegerin werden. Sollte man sich so große Ziele setzen oder kann das auch blockieren?

Sachenbacher-Stehle: Auf jeden Fall sollte man sich große Ziele setzen! Wenn man das nicht macht, kann man sie auch nicht erreichen. Man muss dazu den Mut haben. Klar möchte ich Olympiasiegerin werden, wer möchte das nicht? Ich habe schon einiges erreicht und es ist jetzt kein Ziel, das nicht möglich wäre.

Frage: Was wünschst du dir für Olympia?

Sachenbacher-Stehle: Optimal vorbereitet zu den Olympischen Spielen zu fahren, gesundheitlich fit zu sein. Der Rest muss natürlich auch passen, damit eine Medaille dabei rausschauen kann.

Frage: Du bist eine klassische Ausdauersportlerin. Wie schaut bei dir das Training aus?

Sachenbacher-Stehle: Man muss schauen, dass man neue Reize setzen und ins Training einbauen kann. Ich mache das jetzt schon einige Jahre, da ist der Spielraum, etwas anders zu machen, nicht mehr so groß. Ich habe am Anfang vom Jahr länger Pause gemacht. Das heißt, man macht, zu was man Lust hat: Geht ein bisschen schwimmen, radfahren, aber ohne Plan. Die Pause hat mein Körper nach über zehn Jahren im Weltcup gebraucht

Frage: Wo liegen in der schneefreien Zeit die Schwerpunkte?

Sachenbacher-Stehle: Ich habe jetzt mehr koordinative Sachen gemacht, die werden oft vernachlässigt, und auch mit Yoga angefangen. Vom Frühling bis in den Sommer wird viel Rad gefahren, später dann mehr mit den Skirollern. Trail Running steht eigentlich das ganze Jahr auf dem Programm, auch im Winter.

Frage: Du hast so viele emotionale Momente in deiner Karriere gehabt, was sind deine Highlights?

Sachenbacher-Stehle: Das erste Highlight war sicher die erste Medaille bei Olympia - die silberne im Sprint (2002 Salt Lake City/Anm.). Ich war noch so jung und einfach froh, bei Olympia dabei zu sein. Das war ein riesen Erlebnis und ein Rennen laufen zu können. Die Medaille war Wahnsinn, das hat alle Erwartungen übertroffen. Zwei Tage später haben wir Gold in der Staffel geholt. Diese Momente sind unbeschreiblich, die bleiben einem. Dann natürlich Vancouver 2010, wo wir im Team-Sprint die Gold-Medaille geholt haben. Wir haben zwar mit einer Medaille spekuliert, aber nie gedacht, dass es Gold sein könnte.

Ein weiteres Highlight war die WM in Val die Fiemme 2003. Da ist einfach alles aufgegangen. Da war die Saison super und die WM dann auch. Mein schlechtestes Ergebnis war ein sechster Platz. Besser kann man sich das eigentlich nicht vorstellen. Das nächste war die WM 2007 in Sapporo. Da war es genau anders als in Val di Fiemme. Die Saison ist überhaupt nicht gelaufen. Bei der WM-Vorbereitung habe ich nur Pause gemacht und bin herumspaziert und habe mich massieren lassen, weil ich einfach nicht damit gerechnet habe, dass ich starten werde. Dann ist die WM gekommen und ich habe zwei Medaillen (jeweils Silber in Team-Sprint und Staffel/Anm.) geholt.

Frage: Gibt es auch negative Highlights?

Sachenbacher-Stehle: Das waren sicher die Olympischen Spiele in Turin 2006, wo ich nicht starten durfte. Mein Hämoglobinwert war ein bisschen über dem Grenzwert (FIS verhängte fünf Tage dauernde Schutzsperre/Anm.). Ich bin immer nahe an dieser Grenze dran. Turin liegt ziemlich hoch und wir haben viel in Höhenlage trainieren müssen, dadurch steigt der Hämoglobinwert. Ich durfte dann den ersten Wettkampf (15-km-Jagdrennen/Anm.), auf den ich mich vorbereitet habe, nicht laufen. Das war ziemlich hart.

Frage: Immer wieder werden auch im Langlauf Sportler des Dopings überführt. Was denkt man da? Schließlich ist man über Jahre gemeinsam im Weltcup unterwegs und vielleicht befreundet.

Sachenbacher-Stehle: Man ist enttäuscht. Für mich ist es unverständlich, warum man das machen muss. Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbar, dass ich fremde Mittel nehme, um mir einen Vorteil gegenüber den anderen zu verschaffen. Ich betreibe den Sport, weil er mir Spaß macht. Super gut zu sein, ist nicht das Wichtigste. Ich muss mich wohl fühlen und Spaß haben und nicht um jeden Preis, z.B. indem ich meine Gesundheit gefährde, Erfolge erreichen. Es ist für mich schwer nachzuvollziehen und es enttäuscht mich dann auch, wenn wieder welche überführt werden. Auf der anderen Seite bin ich froh, wenn wieder welche erwischt werden, weil das zeigt, dass der Anti-Doping-Kampf funktioniert.

Frage: Du hattest in der Vergangenheit immer wieder Meinungsverschiedenheiten mit Bundestrainer Jochen Behle. Die Zusammenarbeit scheint in letzter Zeit aber besser geworden zu sein.

Sachenbacher-Stehle: Im Moment ist es wirklich gut. Wir verstehen uns gut und haben Kontakt, das war nicht immer so. Er erkundigt sich auch, wie es mir geht, das war vorher auch nicht der Fall. Schauen wir, wie lange das so bleibt, aber im Moment bin ich recht positiv gestimmt.

Frage: Hast du schon Pläne für die Zeit nach deiner aktiven Karriere?

Sachenbacher-Stehle: Nach der Karriere steht für mich die Familienplanung im Vordergrund. Daheim bleiben und um die Kinder kümmern.

Frage: Viele deiner Kollegen arbeiten als Co-Kommentatoren oder Experten bei diversen Medien. Wäre das eine Option für dich?

Sachenbacher-Stehle: Weiß ich nicht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, weil für mich die Familie im Vordergrund steht. Wenn andere Sachen reinpassen, dann ja, aber sonst nicht.

 

Martina Gugglberger

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