"Habe meine Medaille schon!"

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"Bin kein Teamleader, nur Erziehungsberechtigter"

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Nach dem verpatzten WM-Auftakt für Österreich - Andrea Fischbacher wurde im Super-G der Damen als beste ÖSV-Läuferin 9. - müssen es jetzt die Speed-Herren am Mittwoch (LIVE ab 11 Uhr) richten.
 
Die besten Chancen, "Mr. Super-G" Aksel Svindal zu biegen, geben die Buchmacher Hannes Reichelt.
 
So richtig annehmen möchte der Salzburger die Rolle des Mitfavoriten im Gespräch mit LAOLA1 nicht, wenngleich die zweitschnellste aller Disziplinen nach wie vor seine liebste ist.
 
Im Interview verrät der 32-Jährige, welche Bedingungen er bevorzugt, wie er für die zu erwartende Materialschlacht aufgerüstet hat und was er "last minute" an seiner Technik verändert hat.
 

LAOLA1: Der Wetterbericht für die Nacht vor dem Super-G liest sich folgendermaßen: Regen, dann Schnee und am Ende wird es kalt und die Piste hart wird. Ein Fall für Hannes Reichelt?
 
Hannes Reichelt: Ich hoffe schon, dass es beim Rennen härter ist als die letzten Tage. Ich habe zwar im Training wichtige Erfahrungen mit dem Material gesammelt, aber der Salomon funktioniert einfach am besten, wenn es kalt und hart ist. Da sind wir richtig schnell, aber wir sind auch dabei wenn es weicher sein sollte.
 
LAOLA1: Der Super-G ist für Sie die erste von insgesamt drei Medaillenchancen. Wo rechnen Sie sich persönlich die besten Chancen aus?
 
Reichelt: Die Ergebnisse sagen Abfahrt. Aber die Erfahrung zeigt, dass ich auf den Super-G immer bauen konnte. Leider hatte ich in den letzten Rennen immer einen Bock. Aber wenn ich den nicht schieße, bin ich dabei. Das ist gut zu wissen. Und der Super-G ist nach wie vor meine Lieblingsdisziplin.
 
LAOLA1: Dass Sie schnell sind, haben Sie mit Rang drei in Beaver Creek bewiesen?
 

Reichelt: Das Stockerl war wichtig für die weitere Saison, denn es hat mich aus dem Loch gerissen. In Lake Louise habe ich eine auf den Deckel bekommen, dann ist es auch in der Abfahrt in Beaver Creek nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Deshalb ist es gut, wenn man mehr Disziplinen fährt, weil da hast du meistens eine dabei, die dich wieder auf Kurs bringt.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie mit dem Kurs, den Sie aktuell fahren?

Reichelt: Es geht auf und ab. Am konstantesten bin ich in der Abfahrt, in den anderen Disziplinen ist es eine Berg- und Talfahrt. Aber ich hoffe, dass ich gerade wieder den Berg hinaufgehe.

LAOLA1: Als Österreicher mit den größten Medaillenchancen im Super-G?

Reichelt: Ich sehe uns alle vier als Mitfavoriten. Jeder von uns kann um die Medaillen mitfahren, sonst wären wir gar nicht dabei. Svindal ist der große Favorit, der kann in dieser Saison im Super-G tun und lassen was er will. Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt. In unserem Team muss man den Matthias (Mayer; Anm.) auf der Rechnung haben.

LAOLA1: So richtig annehmen wollen Sie die Favoritenrolle also nicht?

Reichelt: Man muss sich in jedem Rennen neu beweisen. Das gilt für mich und für alle anderen auch. Wenn ich einen vernünftigen, normalen Lauf runterbringe, ohne einen Bock zu schießen, ist sicher ein Top-Resultat möglich. Aber da runter gibt es genügend Möglichkeiten, um Böcke zu schießen.

LAOLA1: Sehen Sie sich denn wenigstens in der Rolle des Teamleaders?

Reichelt (lacht): Nein, die lasse ich dem Krölli. Aber weil der im Super-G nicht fährt, mache ich halt den Erziehungsberechtigten. Das hat jedoch nur mit dem Alter zu tun. Ich bin ja schon lange im Geschäft, was auch irgendwie eine Auszeichnung ist. Das zeigt, dass ich auch irgendwas richtig gemacht habe.

LAOLA1: Fast alles richtig gemacht haben Sie auch bei der Ski-WM 2011 in Garmisch mit Silber im Super-G. Was bedeutet diese Medaille für Schladming?

Reichelt: Dass die Silberne schon bei mir daheim hängt, dieser Part also erledigt ist, macht mich extrem glücklich. Ich habe meine Medaille schon, muss dem nicht mehr hinterher laufen. Weil so viele Chancen habe ich ja auch nicht mehr.

LAOLA1: Die einen lieben den Super-G, die anderen hassen ihn. Wie stehen Sie zu dieser Disziplin?

Reichelt: Wenn man zurückblickt, waren die Super-G-Rennen eigentlich immer spannend. Du hast eineinhalb Stunden Zeit, um den Kurs zu besichtigen. In Kombination mit einer vernünftigen, schwierigen Kurssetzung und dem Speed einer Abfahrt wird es richtig interessant.

LAOLA1: Wie hat sich die Material-Reform auf den Super-G ausgewirkt?

Reichelt: Nicht so stark wie im Riesentorlauf, da ist es brutal schwierig. Im Super-G ist es anders, nicht unbedingt schwieriger. Ich bin aber in den letzten Trainings draufgekommen, dass ich noch nicht die hundertprozentige Abstimmung gefunden habe. Aber nicht nur vom Material, sondern auch bei mir selbst. Ich bin falsch gefahren, aber ich habe zuletzt einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht.

LAOLA1: Sie sind also für eine Materialschlacht im Super-G gerüstet?

Reichelt: Wenn die Verhältnisse so sein sollten wie in den letzten Tagen, wird das Material unglaublich wichtig sein. Da hast du gleich eine Sekunde picken, wenn du nur ein bisschen von der Ideallinie abkommst. Der Servicemann ist voll gefordert, muss das umsetzen, was ich spüre. Weil wenn der Ski rennt, ist das die halbe Medaille.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

 

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