Aufmacherbild

Reichelt: Landet Teilzeit-Pilot den großen Coup?

Weißt du noch, wer hinter Marcel Hirscher zweitbester Österreicher im Gesamt-Weltcup war?

Vielleicht Benjamin Raich, der konstanteste aller Schwigersöhne?

Wie wäre es mit Romed Baumann, dem Retter der rot-weiß-roten Allrounder-Ehre?

Oder Klaus Kröll, die schnellste „Bowling-Kugel“ zwischen Kitzbühel und Wengen?

Nein. Nein. Und noch einmal Nein. Die richtige Antwort lautet: Hannes Reichelt.

Präsident setzt auf Reichelt

Drei Mal Zweiter, vier Mal Dritter und insgesamt 18 Mal in den Top-Ten macht in Summe 1.024 Punkte und Rang fünf.

Nur mit einem Sieg wollte es für den Salzburger, der in seiner Karriere bereits fünf Weltcup-Rennen gewinnen konnte, im vergangenen Winter nicht klappen.

Dennoch ist Reichelt für ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel eines der heißesten Eisen für den Kampf um die große Kristallkugel in dieser Saison.

„Ich habe ihn gemeinsam mit Marcel und Benni ganz oben auf der Rechnung“, erklärte der höchste Ski-Funktionär des Landes vor kurzem im Gespräch mit LAOLA1.

"Lassen wir Kirche im Dorf"

Was sagt der vom Chef in den höchsten Tönen gelobte 32-Jährige dazu?

„Es ehrt mich, wenn der Präsident das findet, aber ich muss mich im Gegensatz zu den anderen beiden erst beweisen – und vor allem Rennen gewinnen.“

Wenn dann auch noch „ein großer Haufen Glück“ („Der Marcel hat es in der letzten Saison gehabt!“) auf seiner Seite ist, dann kann man weitersehen.

„Aber bis dahin lassen wir einmal die Kirche im Dorf.“

Vorfreude auf ersten Vergleich

Die Form, erzählt ein gut gelaunter Hannes Reichelt beim Interview mit LAOLA1, sollte – rechtzeitig zum Saisonauftakt am Sonntag in Sölden – passen.

„Bei den Zeitläufen habe ich mich mit den anderen gematcht, jetzt bin ich gespannt, wie wir international liegen“, freut sich der Radstädter auf die erste Standortbestimmung im Riesentorlauf.

Den Eingriff beim Material – länger und schmäler – findet Reichelt „gravierend, aber der Hirscher jammert auch über den Ski und ist trotzdem schnell.“

Fans werden keinen Unterschied sehen

Der Salzburger sieht die Kurssetzer jetzt noch mehr gefordert.

„Sie können jetzt keine Jägerzäune mehr stecken“, lacht er, „die Läufe müssen flüssiger werden, damit es halbwegs gut ausschaut.“

Dann, glaubt Reichelt, wird es auch weiterhin nach Riesentorlauf ausschauen und der Fan daheim vor dem Fernseher kaum einen Unterschied sehen.

"Keine Panik, wenn es nicht klappt"

Sollte es in Sölden, wo er als bestes Ergebnis einen 15. Platz in der Statistik stehen hat, nicht auf Anhieb mit dem Spitzenergebnis klappen, wäre es kein Beinbruch.

„Sicher wäre es schön, wenn ich gleich vorne dabei wäre. Aber ich werde nicht panisch, wenn es nicht klappt. Im Vorjahr bin ich 20. geworden und im nächsten Rennen war ich am Stockerl“, so der ausgewiesene Spezialist für amerikanischen Schnee, der sich schon darauf freut, sich in Übersee den Feinschliff für einen langen WM-Winter zu holen.

"Überflieger" mit Bodenhaftung

Einziger Wermutstropfen: Der Hobby-Pilot konnte im Sommer nicht die erhofften Flugstunden sammeln und wird deshalb bei der Dienstreise über den großen Teich (noch) nicht im Cockpit Platz nehmen.

Bis es soweit ist, dass er Rennhelm gegen Pilotenmütze tauscht, wird es noch ein bisschen dauern.

„Dann werden die Burschen keine Kollegen mehr sein. Aber mein Ziel ist es schon, dass ich sie einmal mitnehmen, wenn wir in Europa zu einem Rennen fliegen.“

 

Stephan Schwabl

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»