Kröll: Kugel als Bestätigung für die ganze harte Arbeit

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Der 14. März ist ab sofort ein Feiertag im Hause Kröll.

Für Sohnemann Tim ist es der Geburtstag, für Papa Klaus ab sofort der „schönste Tag meiner Ski-Karriere“.

Während der Filius von seinen Eltern ein Rennrad bekommt, hat sich der Rennfahrer mit der kleinen Kristallkugel für die Abfahrt selbst das schönste Geschenk gemacht.

„Damit geht ein Traum in Erfüllung“, jubelt der Steirer nach seinem Triumph vor heimischer Kulisse.

Bei LAOLA1 spricht der „Bulle aus Öblarn“ über seinen Schlüssel zum Erfolg, das Auf und Ab der Gefühle im Zielraum und er schreibt seinen Kritikern der letzten Jahre etwas ins Stammbuch.

LAOLA1: Klaus, wie fühlt es sich an, den Abfahrts-Weltcup zu gewinnen?

Klaus Kröll: Es ist etwas ganz Besonderes, dieses Ziel zu erreichen. Noch dazu hier auf meiner Heimstrecke, vor meinen Fans und Freunden. Das Glücksgefühl ist riesig, die Kugel eine Bestätigung für die ganze harte Arbeit der letzten Jahre. Ich bin jetzt auch schon elf Jahre im Weltcup dabei, es war nicht immer leicht. Aber ich habe immer gewusst, dass einmal alles zurückkommt. Das ist eine große Genugtuung.

LAOLA1: Weil du deine Erfolge nicht immer am Silbertablett serviert bekommen hast?

Kröll: Es gab immer wieder Rückschläge, aber ich habe das Ziel nie aus den Augen verloren. Speziell in den letzten vier Jahren habe ich gesehen, dass es möglich ist und dafür alle Register gezogen, mich Skifahrerisch und auch in den anderen Bereichen weiterentwickelt. Und in diesem Winter habe ich gezeigt, dass ich überall schnell sein kann und auch mit wechselnden Bedingungen keine Probleme habe.

LAOLA1: Ein schöner Satz für die Stammbücher deiner Kritiker?

Kröll: Natürlich kriegt man die Kritik mit, wenn die Ergebnisse einmal nicht so passen. Aber man lernt, dass das dazu gehört und Teil des Geschäfts ist. Ich gebe da nicht viel drauf, was andere von meinen Leistungen halten, weil ich es selbst am besten einschätzen kann. Ich habe immer gewusst, dass es möglich ist!

LAOLA1: Wie groß war der Druck vor dem Rennen?

Kröll: Es ist mir besser gegangen als erwartet. Ich habe gut geschlafen, war auch beim Besichtigen total ruhig. Vor dem Start bin ich mit anderen Liften gefahren, um länger unterwegs zu sein. Ich war dann auch in einer anderen Hütte, wo weniger Leute waren. So habe ich den Stress und den Druck gut ausblenden und mich nur aufs Skifahren konzentrieren können.

LAOLA1:
Und dann schwingst du im Ziel ab und bist 6., was ist dir da durch den Kopf gegangen?

Kröll: Erst habe ich mich gar nicht ausgekannt, genau wie der Stadionsprecher. Dann wollte ich mich schon im Schnee eingraben, weil ich gedacht habe, dass Cuche Zweiter und die Kugel weg ist. Das hat sich zwar schnell geklärt, aber die letzten vier Läufer sind mir wie eine Ewigkeit vorgekommen. Nach Jansrud konnte ich überhaupt nicht glauben, dass es vorbei ist.

LAOLA1:
Jetzt hat Österreich wieder einen Disziplinen-Sieger in der Abfahrt?

Kröll: Skifahren hat einen enormen Stellenwert in Österreich. Ich hoffe, dass sich viele Leute mit mir gefreut haben. Die Kugel ist aber auch ein Dankeschön für meine treuen Fans, die mich zu jeder Abfahrt begleiten.

LAOLA1: Du betonst immer wieder, wie wichtig Freundin Silvia und Sohn Tim sind. Welchen Anteil hat die Familie an diesem Erfolg?

Kröll: Einen sehr großen. Auch wenn man das nicht immer so mitkriegt. Aber wenn ich nach den Übersee-Rennen oder anstrengenden Trainings heim komme, kann ich abschalten und das Skifahren vergessen. Das ist wichtig, denn es gibt auch noch andere Sachen im Leben.

LAOLA1: Was war aus deiner Sicht der Schlüssel zum Kristall-Erfolg?

Kröll: An der Spitze geht es sehr eng zu, da müssen viele Faktoren passen. Aber der Hauptgrund war sicher die Konstanz. Die anderen haben vielleicht mehr Siege und Stockerlplätze als ich, aber ich war immer vorne dabei. Im Motorsport sagt man: An schlechten Tagen gewinnt man die Meisterschaft. Das war mit meinen achten Plätzen sicher der Fall, ich habe weniger oft ausgelassen.

LAOLA1: Schaut man sich deine Ergebnisse und die deiner Markenkollegen Feuz, Reichelt, Baumann oder Pinturault an, dann muss auch das Material sehr gut funktioniert haben?

Kröll: Materialtechnisch hatten wir es perfekt im Griff. Wir haben eigentlich immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Egal ob beim Ski oder bei den Schuhen.

LAOLA1: Der Abfahrts-Weltcup ist abgehakt, was sind die nächsten Ziele des Klaus Kröll?

Kröll: Die Kugel war nur ein großes Ziel, aber ich habe auch noch andere. Und das nächste ist im Februar 2013, die Weltmeisterschaft vor der Haustür wird das Highlight. Und darauf bereite ich mich ab Mai wieder vor. Und in Sachen Druck war das Finale schon die perfekte Vorbereitung auf die WM.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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