Feuz besiegte alle - auch Vorbild Miller

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Wer mit sportlichen Ambitionen im Schweizer Emmental aufwächst, möchte normalerweise Eishockey-Crack bei den SCL Tigers in Langnau werden.

Beat Feuz ging aber einen anderen Weg und ist nun der erste Weltklasse-Skifahrer der Region. Mit dem Sieg am Freitag im Gröden-Super-G setzte der 24-Jährige seinen sensationellen Erfolgslauf in den Speed-Disziplinen fort.

Vor der Abfahrt am Samstag (12.15 Uhr) ist Feuz Zweiter im Gesamt- und Super-G-Weltcup sowie Leader in der Abfahrts-Wertung.

Eltern verzichteten auf Anreise

Für das Rennen am Freitag hatte Feuz trotz der starken Leistungen in der jüngeren Vergangenheit niemand auf der Rechnung.

Nicht einmal seine Eltern, bei denen Beat auf einem Bauernhof im 1.000-Einwohner-Ort Schangnau aufgewachsen ist, sind nach Südtirol gereist.

"Sie haben gesagt, dass sie nicht kommen, weil ich hier schwach sein werde", erzählte Feuz. Die Abfahrts-Trainings am Mittwoch und Donnerstag, in denen Feuz 36. und 40. war, hatten diesen Trend bestätigt.

"Renntyp" gibt sich selbst Rätsel auf

"Ich bin ein Renntyp. Aber warum es heute so gut funktioniert hat, ist mir wirklich ein Rätsel. Eigentlich war ich nur auf Schadensbegrenzung aus und wollte in die Top 15", meinte Feuz.

Dass zahlreiche Topleute vor ihm viel Zeit verloren haben, hat den Mann mit der Startnummer 26 deshalb auch nicht weiter verunsichert.

"Niemand wusste, wie sich das Rennen entwickelt. Ich habe nur gehört, dass die Läufer vor mir alle Rückstand hatten. Die Trainer haben mir aber gesagt, dass es super geht. Deshalb habe ich voll attackiert."

Bode-Fan vor dem Fernseher

Nach seinem zweiten Weltcup-Sieg nach der Abfahrt in Kvitfjell 2011 outete sich Feuz als Fan von Bode Miller. Dass ausgerechnet der US-Amerikaner hinter ihm auf Rang zwei landete, machte die Siegerehrung für Feuz perfekt.

"Früher habe ich die Rennen im Fernsehen angesehen, da war ich immer Bode-Fan, weil sein Fahrstil so aufregend ist. Dass ich jetzt ein Rennen vor ihm gewinne, ist natürlich unglaublich."

Verletzungen pflastern den Weg

2007 sammelte Feuz bei der Junioren-WM in Österreich gleich dreimal Gold und einmal Bronze ein.

Danach begann allerdings eine Serie von Verletzungen: Im Sommer 2007 Kreuzbandriss im linken Knie, im November 2008 Meniskusschaden und im November 2010 neuerlich eine Knieblessur.

Teamleader Janka

Dennoch gibt Feuz heuer im Schweizer Team aktuell klar den Ton an, Carlo Janka (am Freitag nur 39.) ist für ihn aber weiterhin ganz klar der Teamleader.

"Carlo ist der Superstar in unserem Team, er hat schließlich schon alles gewonnen. Auch wenn es derzeit nicht so gut für ihn läuft, Carlo hat noch viele gute Jahre vor sich", sagte der begeisterte Poker-Spieler, der eine Reise nach Las Vegas plant.

Sein Gröden-Preisgeld von 22.000 Euro will Feuz aber nicht im Paradies der Glücksspieler verzocken. "Dafür habe ich sicher bessere Verwendung."

Karriere statt Scheune

Das wird auch seine Eltern freuen, die einst auf ihrem Bauernhof auf den Bau einer neuen Scheune verzichtet und lieber insgesamt rund 250.000 Franken (204.098 Euro) in die Karriere des Sohnes gesteckt haben.

Für die Abfahrt in Gröden traute sich Feuz keine Prognose abzugeben. "Für den Super-G hat es auch nicht gut ausgeschaut und jetzt stehe ich als Sieger da. Auch am Samstag ist wieder alles möglich. Ich habe einen fast schon unheimlichen Lauf."

Als Favoriten bezeichnete Feuz aber Hans Olsson, Aksel Lund Svindal und Didier Cuche.

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