Im Hundertstel-Krimi bricht der Bann

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Die erste Abfahrt von Chamonix war nichts für schwache Nerven, endete für den ÖSV aber erfreulich.

Klaus Kröll triumphierte in einem wahren Hundertstelkrimi - die ersten fünf waren nur durch 8/100 getrennt - beim Kandahar-Rennen im Mont-Blanc-Massiv mit dem kleinstmöglichen Vorsprung vor dem US-Amerikaner Bode Miller (+0,01 Sek.).

Erster ÖSV-Speedsieg

Titelverteidiger Didier Cuche (0,04) aus der Schweiz, der zuletzt die "Sprints" in Kitzbühel und Garmisch für sich entschieden hatte, wurde unmittelbar vor dem Tiroler Romed Baumann und dem kanadischen Weltmeister Erik Guay (beide ex aequo 4./je 0,08) Dritter.

Für Österreichs Ski-Herren war es der erste Speed-Erfolg in dieser Saison und der erste in der schnellsten Alpin-Disziplin seit dem 12. März des Vorjahres, als der Salzburger Michael Walchhofer die zweite Abfahrt in Kvitfjell gewonnen hatte.

"Ich habe so geschwitzt"

"Das war ein brutal knappes Rennen. Ich habe so geschwitzt im Ziel beim Warten, weil ich oben so schlecht gefahren bin. Die Genugtuung ist aber jetzt umso größer", betonte Kröll nach dem insgesamt vierten Weltcup-Sieg seiner Karriere, dem dritten in der Abfahrt nach Kvitfjell 2009 und Wengen im Vorjahr.

Beim Abschwingen hatte der "Bulle aus Öblarn" nicht damit gerechnet, dass er am Ende ganz oben auf dem Podest stehen würde.

Sieg trotz Fehlers

"Der obere Teil war nicht fehlerfrei, da habe ich vor der Panoramakurve einen Schlag getroffen und bin dadurch weit von der Ideallinie weggekommen. Ich spüre jetzt deswegen auch das Kreuz, da ist mir was eingeschossen", erklärte Kröll, warum er eigentlich nicht mehr mit dem Sieg gerechnet hatte.

"Ich habe aber tolle Ski gehabt, und den unteren Teil bin ich auch perfekt gefahren. Dank an meinen Servicemann Michi Haas, der einen brutal guten Job macht. Meine Ski sind auch heute wieder brutal gelaufen."

 

Miller fehlten im Ziel nach 3.215 Metern umgerechnet exakt 26 Zentimeter auf Kröll. "Das ist nicht mein Hang hier", meinte der Ex-Weltmeister und Super-Kombinations-Olympiasieger.

"Vor allem oben habe ich viel Risiko genommen, um Zeit herauszuholen, weil ich gewusst habe, dass ich unten verlieren werde." Sein Vorsprung im oberen Teil auf Kröll betrug bereits 0,51 Sekunden.

Miller verliert im Gleitteil

"Da habe ich eigentlich schon gedacht, dass es mit dem Sieg wieder nichts wird", sagte Kröll, der zuvor in diesem Winter schon dreimal - in Beaver Creek, Bormio und Kitzbühel - Abfahrtsdritter gewesen war.

Doch in der Folge büßte Miller, wie von ihm schon vor dem Start befürchtet, im unteren Teil, der schwere Gleiter wie das 95-kg-Kraftpaket Kröll bevorzugt, konstant ein und war deshalb am Ende mit nur einer Hundertstel Rückstand Zweiter.

Cuche behauptet Weltcupführung

Cuche, dem auch nur umgerechnet 1,04 Meter auf Kröll fehlten, vergab dagegen seinen dritten Abfahrtssieg en suite im technischen Teil.

"Oben war es keine perfekte Fahrt, und auch in der Mitte bin ich einmal nicht präzise genug gefahren, um viel Tempo ins Flache mitzunehmen", erklärte der Führende im Spezial-Weltcup und freute sich bereits auf die Revanche am Samstag.

"Das Gute ist, dass man hier schon 24 Stunden später wieder angreifen und es besser machen kann."

Baumann vergibt Sieg

Das war auch die Zielsetzung von Baumann.

"Denn heute wäre auf jeden Fall der Sieg drinnen gewesen. Aber auch mich hat es oben in der Panorama-Kurve rausgetragen, da war ich kurz im Tiefschnee und damit der Sieg weg", wusste der Tiroler, wo er die entscheidenden Hundertstel bzw. 2,07 Meter auf seinen ÖSV-Teamkollegen verloren hatte.

"Man darf hier einfach keinen Fehler machen, weil man sofort die nötigen km/h verliert. Und weil es hier runter auf jede Hundertstel ankommt, verzichtet man trotz minus 16 Grad am Start auch auf den Gesichtsschutz."

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