Reichelt feiert 1. Abfahrtssieg

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Reichelt bricht beim Bormio-Krimi den Bann

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Erhoben Hauptes dürfen Österreichs alpine Speedherren in das neue Jahr rutschen.

Ex aequo mit dem Südtiroler Dominik Paris gewann der 32-jährige Salzburger Hannes Reichelt am Samstag die Weltcup-Abfahrt in Bormio und sorgte für den ersten Erfolg des rot-weiß-roten Speedteams im WM-Winter.

Es war der erste Abfahrtserfolg seit 3. März 2012 in Kvitfjell, als Klaus Kröll gewann.

Engstes Rennen der Geschichte

Reichelt und Paris waren Gewinner eines historischen Rennens, denn nie zuvor wurde ein Männer-Bewerb mit solch knappen Abständen entschieden.

Im Hundertstelkrimi auf der 3.270 m langen und anspruchsvollen Stelvio hatte der Drittplatzierte, der im Gesamtweltcup und der Spezialwertung führenden Norweger Aksel Lund Svindal, nur 1/100 Sekunden Rückstand, dem Steirer Kröll als Vierten fehlten nur 2/100 auf das Gewinnerduo.

"Wie der Depp vom Tag"

Was ihm zu folgender Meldung veranlasste: "Da fühlt man sich ein bisserl wie der Depp vom Tag."

Nicht nur bei ORF-Ko-Kommentator Hans Knauß kamen angesichts des knappen Resultats Erinnerungen auf. Den WM-Super-G 1999 in Beaver Creek hatte Hermann Maier ex aequo mit dem Norweger Lasse Kjus gewonnen, nur 1/100 dahinter wurde Knauß Dritter.

Bei den Damen gab es noch ein engeres Rennen: Im Super-G von Hafjell 2006 gab es drei zeitgleiche Siegerin, die Vierte lag nur eine Hundertstel zurück.

Reichelt mit Befreiungsschlag

Für Reichelt war es nach den Plätzen 18 in Lake Louise, 24 in Beaver Creek und 38 in Gröden der Befreiungsschlag auf Abfahrtslatten.

"Traumhaft! Ich wäre nach den Ergebnissen der vergangenen Rennen schon mit den Top Ten zufrieden gewesen", sagte Reichelt, für den es der sechste Erfolg im Weltcup war, der erste jedoch in der Abfahrt.

"Im Moment war es so, dass ich mich beim Abschwingen auf eine Sekunde oder mehr Rückstand auf der Anzeigentafel vorbereite, aber heute war das nicht der Fall. Das war echt schön."

"Es war ein Höllenritt"

Er habe vor Weihnachten sehr gut trainiert und im Bormio-Training am Freitag erstmals wieder das Gefühl gehabt, dass er wieder Gas geben könne.

"Ich habe viel Material getüftelt. Und ich bin besser Ski gefahren als in den vergangenen Wochen. Der erste Abfahrtssieg hat eine Riesenbedeutung, es taugt mir, dass ich eine so gute Leistung gezeigt habe. Es war heute ein Höllenritt. Ich habe alles probiert", meinte er nach seinem Ritt über die Stelvio, die von den Rennläufern auch "Bestie" genannt wird.

Paris-Premiere bei Heimrennen

Reichelt hatte nichts dagegen, sich den Erfolg mit einem Südtiroler zu teilen, kommt doch auch seine Freundin aus Südtirol. Der 32-jährige Paris aus Lana jubelte über den ersten Weltcupsieg seiner Karriere.

"Es ist natürlich schön, dass das daheim passiert. Ich bin froh, dass es so aufgegangen ist. Im Training bin ich besser gefahren, aber heute habe ich mehr riskiert. Am Ende ist mir aber ziemlich die Kraft ausgegangen", gestand er.

Svindal zufrieden

Ein fairer Dritter war Svindal, der wegen einer Erkältung das Abschlusstraining ausgelassen hatte.

"Das passt schon. Auch wenn es nur eine Hundertstel-Sekunde ist, ich war Drittschnellster. Ich bin zufrieden damit. Ich war nicht ganz fit und froh, als ich im Ziel war, denn ich war mit der Kraft am Ende."

"Extrem bitter"

Nur gequält lächelte Kröll, der so knapp am Sieg und Podest vorbeischrammte: "Dass es auf einer so schwierigen Abfahrt so extrem eng hergeht, ist natürlich extrem bitter. Ein vierter Platz ist aber gut, ich habe auch zwei Fehler gemacht."

Kröll lag im oberen Teil eine knappe halbe Sekunde zurück, startete aber eine Aufholjagd: "Das hat doch einiges an Kraft gekostet, ich habe nicht den Schmalz gehabt."

"Lebenszeichen" von Baumann

Da ihm die Trainingsbestzeiten in Bormio bisher nie Glück gebracht haben, werde er beim nächsten Mal in den Zeitläufen langsamer fahren, nahm er sich vor.

"Es ist eine technisch extrem anspruchsvolle Strecke. Ich habe gezeigt, dass ich sehr gut Ski fahre. Ich muss das Positive aus dem Rennen ziehen", blickte er nach vorne.

Zufriedensein durfte auch Romed Baumann als Achter. Glück hatte Joachim Puchner, er kam bei einem Sturz mit Abschürfungen an Kinn und Lippe sowie Prellungen davon.

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