"Im eigenen Lager wird sehr scharf geschossen"

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LAOLA1: Woran denkst du während eines Rennens?

Prommegger: Bei einem Kopf-an-Kopf-Duell bekommt man ja mit, wo der Gegner ist und denkt dann darüber nach, ob man hinter oder vor dem Gegner ist und wie die Chancen stehen. Aber ich versuche, sehr fokussiert zu bleiben. Speziell in den Sekunden vor dem Start, da gehe ich in mich hinein und versuche, alle Energien aufs Rennen zu lenken.

LAOLA1: Hast du ein bestimmtes Startritual?

Prommegger: Ja, das hat fast jeder. Aber ich kann natürlich nicht verraten, was es genau ist.

LAOLA1: Was sagst du dazu, dass die Spiele in Sotschi stattfinden?

Prommegger: Schwierig, ich muss ehrlich sagen, meiner Familie und meiner Freundin habe ich abgeraten, herzukommen. Ich möchte hier Rennen bestreiten und alles andere versuche ich, so gut es geht, auszublenden. Ich glaube, dass da viel Politik im Spiel ist und der Sport nicht unbedingt im Vordergrund steht. Das liegt aber nicht an uns, das auszudiskutieren. Wir müssen uns damit abfinden, dass die Spiele hier sind und dennoch unser Bestes geben.

LAOLA1: Als Sportler kann man nicht bestimmen, wo die Spiele stattfinden. Aber eine Meinung kann man dazu haben…

Prommegger: Ich würde sicher lieber woanders fahren. Wenn man Vancouver 2010 erlebt hat, da hat die ganze Stadt mitgefeiert. Das war einfach eine gute Atmosphäre.

LAOLA1: Du hast Familie und Freunden abgeraten, zu kommen. Hast du selbst auch Angst um deine Sicherheit?

Prommegger: Nein, das habe ich nicht. Das Olympische Dort ist so gut geschützt, da passiert wahrscheinlich wenig. Aber rundherum ist ja schon einiges passiert. Deshalb bleibe ich lieber im Olympischen Dorf, absolviere meine Bewerbe und fahre wieder weg.

LAOLA1: Du hast es schon zweimal miterlebt, wie ist es so im Olympischen Dorf?

Prommegger: Super. Turin war schon schön, aber Vancouver war der Wahnsinn, ich war total fasziniert. Da war das Olympische Dorf direkt in der Stadt, das war einzigartig. Alle Sportler sind zusammen, das ist schön, da hat man ein gutes Gefühl. Aber es konzentriert sich auch jeder auf seine Bewerbe.

LAOLA1: Was macht für dich den Olympischen Geist aus?

Prommegger: Die Atmosphäre, das ganze Drumherum. Man merkt wirklich, dass es etwas Besonderes ist und nur alle vier Jahre stattfindet. Das Medienecho ist riesig, was gerade im Snowboard nicht immer der Fall ist. Als Sportler sollte man es als ganz normalen Bewerb ansehen, durch das ganze Drumherum merkt man aber, dass das schon aufgebauscht wird.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner

Zweimal gewann Parallel-Boarder Andreas Prommegger bereits den Gesamtweltcup.

Im letzten Jahr konnte der Salzburger zudem die Olympia-Generalprobe in Sotschi für sich entscheiden.

Mit Ausnahme seines zweiten Platzes im Parallel-Slalom in Bad Gastein lief es für ihn heuer nicht wie gewünscht. Hinzu kommt, dass der 33-Jährige bei Großereignissen bislang immer leer ausging.

Vor seinem ersten Olympischen Bewerb in Sotschi, dem Parallel-Riesen-Slalom am Mittwoch (Qualifikation ab 6:40 Uhr MEZ, Achtelfinale ab 10 Uhr) erzählt "Andi" Prommegger im Gespräch mit LAOLA1, warum es dennoch bei seinem dritten und letzten Anlauf bei den Olympischen Spielen mit einer Medaille klappen könnte.

Dazu wirft er für uns einen Blick auf die Konkurrenz.

LAOLA1: Wer hat die besten Chancen auf eine Medaille?

Andreas Prommegger: Es ist generell schon im Weltcup schwierig, Namen zu nennen. Aber bei Olympia ist es noch einmal was anderes. Einige haben sehr viel Druck, andere kommen ohne Druck und haben nichts zu verlieren. Zum Rechnen ist aber mit den üblichen Verdächtigen. Mein Teamkollege, Benjamin Karl, ist immer da, wenn es um Großereignisse geht. Egal, wie es im Vorfeld für ihn lief. Lukas Mathies ist in einer sehr guten Form und hat den Gesamtweltcup gewonnen. Im eigenen Lager wird also sehr scharf geschossen. Aber auch die Italiener - Roland Fischnaller und Aaron March, die in den letzten Jahren immer mit vorne dabei waren - sowie einige Schweizer, darf man nicht vergessen. Es gibt eine breite Masse an Spitzenfahrern, da ist es sehr schwer, einige herauszunehmen.

LAOLA1: Welche Ziele hast du selbst?

Prommegger: Bei mir ist das ganz klar. Ich war schon zweimal bei Olympia dabei. In Vancouver bin ich mit Quali-Bestzeit in der ersten Runde ausgeschieden, das war sehr bitter. Aber ich habe daraus gelernt und ich freue mich auf die Spiele, es werden meine letzten sein. Das Ziel ist es, mit Edelmetall nach Hause zu kommen. Im Weltcup durfte ich schon sehr viel erreichen und bei Großereignissen hat es bislang noch nicht funktioniert. Ich bin froh, dass wir heuer zwei Bewerbe und somit zwei Chancen auf Edelmetall haben. Das macht es um einiges leichter.

LAOLA1: Würdest du dich als jemanden bezeichnen, der in extremen Drucksituationen auch extrem gute Leistungen bringt oder macht dich das eher nervös?

Prommegger: Das ist schwer zu sagen, weil ich bei Großereignissen noch kein Edelmetall gemacht habe. Ich bin nie schlecht gewesen, hatte immer Platzierungen von vier bis zehn, aber das ist bei solchen Ereignissen leider nichts wert. Den Weltcup konnte ich in den letzten zwei Jahren für mich entscheiden, da muss man natürlich mit Druck umgehen können. Speziell bei uns hat man wenig Rennen, das heißt, dass der Gesamtweltcup bis zum letzten Rennen offen ist, wie es auch heuer wieder war. Da habe ich doch oft gezeigt, dass ich mit Druck umgehen kann. Aber bei Großereignissen hat oft auch das nötige Quäntchen Glück gefehlt.

LAOLA1: Würdest Du dir denn grundsätzlich mehr Rennen im Weltcup wünschen?

Prommegger: Natürlich, wir sind Profis, wir würden gerne Rennen fahren. Wenn man so wie heuer nur sechs bis acht Weltcup-Rennen hat, ist man einfach zu wenig ausgelastet.

LAOLA1: Wie zufrieden bist du mit deiner Form? Was läuft noch nicht so?

Prommegger: Die Form passt. Speziell heuer haben wir oft das Format „Singe Run“ im Weltcup ausprobiert. Das ist natürlich schwierig, da musst du Hundertprozent riskieren, als Routinier kannst du nicht auf den Rücklauf vertrauen, wenn du mal hinten bist. Das hat mir ein wenig zu schaffen gemacht, da bin ich teilweise mit Hundertsteln ausgeschieden. Einmal bin ich in die Startklappe gefahren und das, wenn man nur fünf Rennen hat. Dann sieht natürlich der Gesamtweltcup nicht gut aus. Aber im Training und bei den Rennen, die ich fahre, passt es von der Form her. Deshalb traue ich mir auch einiges zu. Das große Ziel ist heuer Olympia und der Weltcup lief nur so mit.

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