Ernüchternd. Hunyady sieht das jedoch nicht zu eng. Das Wissen und das Gefühl über den Olympia-Sieg könne ihr ja so oder so niemand mehr nehmen.

Das Luftschloss von Baden

Abseits der Medaillen gab es jedoch eine zweite Sache, die für sie nach Lillehammer nicht nach Wunsch verlief. Denn der damals in Baden beheimateten Spitzensportlerin wurde von Bürgermeister August Breininger nach Gold medial vollmundig eine Eigentums-Wohnung versprochen worden.

Ein Luftschloss wie sich wenig später herausstellen sollte.

Der Stadtvater hatte den Mund tatsächlich zu voll genommen. „Er beteuerte zwar, dass er mir eine Wohnung zukommen lassen wollte, bei einer Sitzung aber überstimmt wurde“, sieht Hunyady die Angelegenheit heute recht gelassen. „Zurückblickend kann man niemand wirklich die Schuld geben. Es war halt eine politische Sache – und die Politik spielt halt eine sehr gewichtige Rolle im österreichischen Sport.“

Einen Job im Sport

Beim Gedanken an Baden packt sie aber dann doch die Sehnsucht. „Ich habe Heimweh. Heimweh nach Österreich“, gesteht die aktuell in der Schweiz lebende, sechsfache Olympia-Teilnehmerin. In Baar arbeitet Hunyady am Empfang der Zahnarzt-Praxis ihres Bruders. Obwohl sie mit ihrer Familie glücklich ist – und ganz nebenbei bemerkt nur einen Kilometer entfernt von Kimi Räikkönen wohnt („Kürzlich habe ich ihn und seine neue Freundin in einem Restaurant getroffen.“) – blickt Hunyady wehmütig zurück nach Österreich.

„Bei mir war es auch nicht so, dass man sagen könnte, ich sei das Ergebnis einer guten Team-Arbeit oder Verbands-Strukturen gewesen. Das war ich!“, spielt sie auf die vielen Entbehrungen ihrer aktiven Zeit an.

Ihr Trainingstag begann in der Regel bereits um sechs Uhr morgens. „Da bin ich mit dem Auto zum Obi in Baden gefahren. Mit dem Besen aus meinem Kofferraum habe ich den Parkplatz gekehrt, um dann mit den Rollschuhen meine Runden drehen zu können.“ Rollschuhlaufen war im Sommer unerlässlich und da es im Raum Wien keine Rollschuhbahn zum Trainieren gab, mussten eben diverse Parkplätze herhalten.

Nach einem Frühstück folgte eine Krafteinheit und am Nachmittag eine 60 bis 70 Kilometer lange Rad-Schleife rund um Baden herum. „Am Abend noch Sauna  oder eine Massage und dann ins Bett –und das Tag für Tag. Was ein Wochenende ist, weiß ich erst, seitdem ich Mutter bin.“

Ein Programm, das sie außerdem zumeist alleine abspulte. Eine Einzelkämpferin eben, deren Erfolg nicht vom Verband oder anderen Umständen abhing.

Eine Eigenschaft, die Hunyady auch bei Veronika Windisch ortet. Mit der Short-Trackerin, die für die anstehenden Olympischen Spiele qualifiziert ist, hatte sie selbst noch trainiert. „Wenn man bedenkt, dass sie mehr oder weniger alleine trainiert und immer viel Gegenwind vom Verband hat, hat sie sehr viel aus ihren Möglichkeiten gemacht. Doch der psychische Druck, der auf sie ausgeübt wird, ist nicht spurlos an ihr vorübergegangen.“

Jahr Distanz Platz
2002 1.500m 12
2002 3.000m 9
2002 500m 26
1998 1.500m 4
1998 3.000m 5
1998 500m -
1998 5.000m 8
1994 1.000m 7
1994 1.500m 1
1994 3.000m 2
1994 5.000m 12
1992 1.000m 10
1992 1.500m 7
1992 3.000m 3
1992 5.000m 15
1988 1.000m 16
1988 3.000m 14
1988 500m 19
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