Es "maiert" im Eiskanal von Krasnaja Poljana

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Im österreichischen Bob- und Skeletonsport dreht sich nicht nur in Sotschi viel um die Familie Maier.

Manfred Maier fungiert als Bob-Nationaltrainer, seine Söhne Benjamin (19) und Raphael (21) rasen als mitunter jüngste Teilnehmer durch die Olympiabahn.

Kurz vor den Spielen fuhren Benjamin (Zweierbob) und Raphael (Skeleton) bei der Junioren-WM jeweils zu Bronze und unterstrichen damit ihr Talent.

Stolzer Papa

Bei Olympia sind die Youngsters aber nur Außenseiter. Trainervater Manfred Maier ist hörbar stolz, dass es seine Sprösslinge zu Olympia geschafft haben.

"Es kommt ja nicht von ungefähr, Benjamin ist seit zehn Jahren im Eiskanal. Er hat mit acht, neun Jahren mit Skeleton angefangen und ist dann zum Bob umgestiegen. Ich habe auf der ganzen Welt Ausnahmegenehmigungen gebraucht, damit ich meine zwei Buben mitnehmen konnte."

Weil auch sein dritter Sohn, der 14-jährige Samuel, Skeleton fährt, gibt es unter dem Dach des karenzierten Polizeibeamten, der in der Ära von Ingo Appelt und Peter Kienast lange Jahre Bobpilot war, zwangsläufig zumeist nur ein Gesprächsthema. Lediglich Tochter Florentina (18) tanze aus der Reihe. "Sie macht keinen Sport, sie ist ein bisschen geschädigt, sie kann es gar nicht mehr hören, wenn wir am Mittagstisch über den Sport diskutieren."

 

Aber auch die Söhne lehnen sich schon mal auf. "Wir haben oft genug die Situation, dass wir nicht ganz einer Meinung sind. Aber das Diskutieren braucht er und das brauche ich auch. Im Großen und Ganzen passt es ganz gut", meinte Bobpilot Benjamin, der am Sonntag mit Anschieber Matthias Sammer als krasser Außenseiter in sein erstes Olympia-Abenteuer startet, gegenüber der APA.

Der Trainervater stimmt zu und merkt an, dass er es mit Skeletonfahrer Raphael etwas leichter habe, "weil wir schon länger zusammenarbeiten und er Einzelsportler ist". Benjamin gebe ihm hingegen als Sprachrohr der Bobgruppe ab und zu kontra. Damit kann der Senior aber leben. "Wir haben gute Diskussionen". Manchmal bleibe jedoch nur noch die Möglichkeit zu sagen, "das hast du jetzt so zu machen und aus".

Nicht unumstritten

Bobpilot Benjamin ist vor den Olympischen Jugendspielen 2012 aus dem Skeleton in den Bob umgestiegen und holte bei der Premiere in Innsbruck Silber.

In seiner ersten Weltcupsaison habe er sich auch aufgrund seines Alters schon den Respekt der Arrivierten verdient, so der Vater, der hofft, "dass es weiter so steil bergauf geht".

Dass die Nominierung seines Sohnes samt Anschiebern vor allem im Viererbob nicht unumstritten war, kann er nicht ganz nachvollziehen. Es habe in der Qualifikationsphase Kommunikationsprobleme mit dem ÖOC gegeben. Nach der Erbringung aller Normen ist er aber überzeugt, "dass es sich die junge Truppe auf alle Fälle verdient hat".

Auf eigene Kosten

Das Trainerdasein in Österreich sei nicht immer leicht, erläuterte Maier, vor allem die Finanzierung der Randsportart ist problematisch. "Das ist zermürbend und auch für uns Trainer ganz schwierig", so Maier. Die Athleten müssen sich zum Teil sogar die bis zu 8.000 Euro teuren Kufen selber kaufen. Die in Sotschi ebenfalls antretende Christina Hengster habe sich sogar ihren kompletten Zweierbob um 35.000 Euro auf eigene Kosten angeschafft.

Freilich habe sich auf dem Materialsektor mit dem Kompetenzzentrum in Innsbruck vieles gebessert, bekräftigte Maier. Dennoch werde der Bobsport in Österreich nach wie vor von Amateuren getragen. Und Nachwuchs auf den Anschieberpositionen sei Mangelware.

"Es nicht nur sehr schwierig, Leute zu finden, die athletisch gut sind, sondern auch solche, die es sich leisten können, im Winter 14 Wochen unterwegs zu sein. Wir sind keine Profis, wir sind normale Arbeiter und Studenten."

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