SPLITTER: Medaille via Mülltonne

Aufmacherbild
 

SPLITTER: Von Mülltonnen und Butterwochen

Aufmacherbild
 

Snowboarderin Julia Dujmovits hat - und so etwas passiere ihr öfters, meinte sie - ihren Reisepass zu Hause vergessen, aber rasch am Flughafen einen neuen ausgestellt bekommen. Die Burgenländerin reiste abseits ihrer Trainingseinheiten auf Schnee perfekt vorbereitet zu den Spielen: "Es war voll schön daheim. Ich bin im Bikini auf dem Balkon in der Hängematte gelegen, das war eine perfekte Vorbereitung."


   * * *

Einmal mehr wartet das olympische Skispringen mit Topreichweiten auf: Das Teamspringen von der Großschanze mit Silber für die ÖSV-Adler sahen am Montag bis zu 1,593 Millionen Wintersportfans, im Schnitt waren 1,304 Millionen via ORF eins live dabei. Der Marktanteil lag bei 47 Prozent.

   * * *

Gleich nach der Schlusszeremonie am kommenden Montag beginnt die russische Butterwoche Masleniza. Traditionell werden dann sieben Tage lang Bliny gegessen - hauchdünne Palatschinken, die besonders gut mit Kaviar und Schmand schmecken und überall an Straßenständen und in Lokalen in Russland angeboten werden. Höhepunkt der Butterwoche ist das Verbrennen einer Strohpuppe auf öffentlichen Plätzen, um den Winter zu verabschieden.

   * * *

Bei den Finnen sorgt eine Sportpsychologin mit einer außergewöhnlichen Maßnahme für den Zusammenhalt unter den Olympiateilnehmern. In jedem der drei Athletendörfer sind die finnischen Athleten dazu angehalten, einen Schal in den Nationalfarben Blau und Weiss zu stricken. Dass dies nicht nur Frauensache ist, beweist Eishockeyspieler Sami Lepistö mit einem Bild auf Twitter, das ihn bei seinem "neuen Hobby" zeigt. Nach den Winterspielen sollen die drei Teile zu einem Ganzen zusammengefügt werden, das der Delegation für die Sommerspiele 2016 in Rio überreicht wird.

   * * *

Yohan Goutt Goncalves ist 19 Jahre alt, Skifahrer und kommt von der asiatischen Pazifikinsel Osttimor. Dort herrscht tropisches Klima, Schnee gibt es keinen. Mit der Teilnahme an FIS-Rennen in der Türkei und Serbien erfüllte Goutt jedoch die Kriterien, um im olympischen Slalom am Samstag an den Start gehen zu dürfen. Ein Wort für "Skifahren" existiert in seiner Muttersprache übrigens nicht.

   * * *


Der kurzfristige Russland-Trip der Eltern von Thomas Diethart und seiner Freundin Anna zu den Großschanzen-Bewerben hat sich doch noch ausgezahlt. Im Einzel hatten sie noch das Aus im ersten Durchgang miterleben müssen, nun Silber im Team. "Es freut mich total, dass sie es noch geschafft haben und herfliegen haben können", sagte Diethart, der seine Eltern wie alle anderen Besucher auch auf der großen Leinwand sah. Die Eltern wurden von einer Stadionsprecherin noch vor der Entscheidung befragt.

   * * *

Bis in die frühen Morgenstunden feierten sowohl die österreichischen als auch die deutschen Skispringer im Österreich-Haus ihr Team-Silber bzw. -Gold. Nach einem kürzeren Besuch der Deutschen in deren Haus kehrten Andreas Wank, der seinen 25. Geburtstag feierte, ins Austria-Tirol-Haus ein. Geteilt hat der deutsche Cheftrainer Werner Schuster zuvor eine Goldmedaille aus Schokolade: Er ließ seinem Konkurrenten, ÖSV-Chefcoach Alexander Pointner, ein Stück vom "Gold" übrig.

Ungenaues Zeitstoppen dürfte im Eishockey bald der Vergangenheit angehören. Bei den olympischen Bewerben in Sotschi feiert eine innovative Technologie ihr Debüt, die automatisch den Klang der Schiedsrichterpfiffe erkennt. Die Zeit wird innerhalb einer Zehntelsekunde gestoppt - das ist mindestens eine halbe Sekunde schneller als handgestoppt. Zusätzlich sind alle Spiel-Offiziellen während einer Partie mit einem drahtlosen Mikrofon ausgerüstet, um sich mit dem Punktezähler auf der Zeitnehmerbank austauschen zu können.

   * * *

Brachte das die entscheidenden Hundertstel für die Silbermedaille? Die Schweizer Bobfahrer Beat Hefti und Alex Baumann setzten vor ihrem zweiten Platz auf eine ungewöhnliche Methode, um nach Trainings besser regenerieren zu können. Sie nahmen ein Eisbad, das frische Beine garantieren sollte. Weil ihnen keine bequeme Wanne zur Verfügung stand, füllten die Athleten auf ihrem Balkon eine Mülltonne mit Wasser und Eis. In der verharrten sich dann jeweils bis zu zehn Minuten.

   * * *

Ein Jahr lang wechselten sie kein Wort, jetzt gewannen sie gemeinsam Gold im Zweierbob. "Jeder Streit hat eine begrenzte Haltbarkeitsdauer", sagte Anschieber Alexej Wojewoda, der in Sotschi einen echten Heimsieg feierte. Seine gewaltigen Körperkräfte führt er auf seine Kindheit und Jugend zwischen Schwarzmeerküste und Bergen des Kaukasus zurück: "Ich bin immer mit den anderen Kindern auf Bäume geklettert. Ich war der Schnellste, dadurch bin ich so stark geworden", sagte Wojewoda, der nach wie vor in seiner Heimat lebt und trainiert.

   * * *

Das deutsche Olympia-Team hatte sich 30 Medaillen zum Ziel gesetzt. Das Wunschziel können die Deutschen bereits fünf Tage vor dem Ende der Winterspiele in Sotschi ad acta legen, auch wenn Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, noch keinen Abgesang anstimmen wollte: "Schauen wir einfach mal, was in den kommenden Tagen noch geht. Die Bilanz ziehen wir später - auch kritisch. Mit acht Goldmedaillen stehen wir ja an der Spitze des Medaillenspiegels."

   * * *

Eine 17-jährige Krebspatientin designte Spences Helm (Quelle: Twitter)

Skirennläufer Brad Spence wird den Olympia-Slalom mit einem besonderen Helm bestreiten. Den Kopfschutz des Kanadiers ziert eine Zeichnung einer jungen Krebspatientin, die der 29-Jährige während eines Krankenhaus-Aufenthalts in Calgary kennengelernt hatte. "Hier ist eine schwarze Leinwand - mach was draus", habe er der 17-Jährigen gesagt. "Als sie mir den Helm zurückgab, war ich sprachlos", verriet Spence. Die Ornamente auf dem Helm sind vor allem in Gold, Silber und Bronze gehalten.

   * * *

Nach dem 4:0 der Russen gegen Norwegen im Eishockey-Turnier tauchte auf dem Scoreboard ein berühmter Name auf: Viktor Tichonow. Der Enkel der gleichnamigen Sbornaja-Trainerlegende kam in der vierten Partie am Dienstag erstmals zum Einsatz und ließ sich einen Assist gutschreiben. Der Sohn des im Sommer bei einem Unfall ums Leben gekommenen Wassili Tichonow wuchs in Nordamerika auf und besitzt neben der russischen auch die US-Staatsbürgerschaft. In der KHL ist der 25-jährige Stürmer seit drei Saisonen bei SKA St. Petersburg engagiert.

   * * *

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen