Der Held von Vancouver will zurückschlagen

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Bernhard Gruber weiß, wie man sich für Olympia in Form bringt.

Der Salzburger war vor vier Jahren der große Held, als er nicht nur Team-Gold, sondern auch Einzel-Bronze mit nach Hause nehmen durfte.

Nun, vier Jahre später, wollte er erneut zuschlagen.

Der Formaufbau war so getimt, dass er in Sotschi seine maximale Leistungsfähigkeit abrufen kann.

Im ersten Einzelbewerb von der Normalschanze aber die große Enttäuschung: Gruber, für den es schon die ganze Saison über nicht lief, wurde aus der Mannschaft genommen, er war zum Zuschauen verdammt.

Selbst aus dem Rennen genommen

Der 31-Jährige war natürlich enttäuscht, nahm die Entscheidung aber sportlich auf. "Ich war darauf gefasst, weil die Trainingsresultate das so ergeben haben", erklärt er im Gespräch mit LAOLA1. Er habe sich selbst aus dem Rennen genommen.

Die Nachdenkpause hat er genutzt, denn Gruber schlug im Training auf der Großschanze zurück und wusste – endlich wieder – zu überzeugen.

Einen Durchgang konnte er mit 140,5 Metern für sich entscheiden, auch in den weiteren war er stets im Spitzenfeld zu finden.

Beste Erinnerungen an die Großschanze

„Das Tückische an den Schanzen ist, nicht explosiv wegspringen zu dürfen, weil dabei jegliche Energie verpufft“, weiß er, was er zu tun hat.

Hinzu kommen beste Erinnerungen an das vergangene Jahr, als auf der Großschanze die Olympia-Generalprobe über die Bühne ging und der Hobby-Musiker triumphierte.

„Es ist schön, wenn man sich zurückerinnert, heuer ist allerdings alles ganz anders und die Karten werden neu gemischt. Ich gehe aber mit einem guten Gefühl an die Sache heran.“

"Die Österreicher können eh nichts"

Dieses gute Gefühl benötigt er auch in der Loipe. Auf der Schanze kann man Edelmetall eigentlich nur verlieren, auf den Langlauf-Skiern gilt es schließlich, sie in trockene Tücher zu bringen.

Dort schlagen sich die heimischen Kombinierer zwar wacker, gehören aber nicht zu den Allerschnellsten. Das ist auch der ausländischen Konkurrenz nicht verborgen geblieben. „Bieles (Christoph Bieler, Anm.) hat gemeint, es bleibt keiner hinter ihm, alle versuchen ihn zu überholen. So nach dem Motto 'überlauft die Österreicher, die können eh nicht richtig laufen'. Wir müssen schauen, dass wir uns vorne positionieren“, gibt er die Marschrichtung vor.

Die Ellbogentechnik sei dabei ein kleiner Faktor, Cleverness der andere. „Man muss im richtigen Moment ein Schlupfloch finden und den anderen blöd stehen lassen. Zum Beispiel, in dem man in einer Kurve innen reinschneidet und den anderen ausbremst. Es sind viele kleine Mosaiksteinchen, die sich irgendwann summieren.“

Die Strecke habe zudem einige Tücken, was den Österreichern, die allesamt gute Skifahrer sind, entgegenkommt. Gruber will nicht klein beigeben, sondern zurückschlagen.

Die Körpersprache ist wichtig

„Die Körpersprache ist wichtig. Man muss zeigen: 'Freundchen, ich bin jetzt da und ich bleibe auch da, wurscht, was du hinter mir machst.'“

In der Theorie klingt das alles vielversprechend, doch in der Praxis stellt sich zumeist heraus, dass das nicht so einfach umsetzbar ist. „Du musst es riskieren“, stellt Gruber klar.

„Wenn es dich dann körperlich zerfetzt, hast du wenigstens alles versucht.“

Sein Gefühl sei gut, wenngleich er sich „heuer schon öfters geirrt“ hat. Diesmal ist das aber anders, hofft er. Denn der Routinier glaubt, die Ursache für den bislang verkorksten Winter gefunden zu haben.

Mit vollem Risiko zur Medaille?

Vor Saisonbeginn war er in Bombenform, doch „beim Weltcup bin ich dagestanden und war plötzlich echt schlecht“, so Gruber. „Ich war sehr eifrig (im Training) und habe noch einen draufgesetzt. Das war wohl zu viel. Mein Körper hat mir gesagt: 'Runter vom Gas!'“

Inzwischen steigt er wieder auf selbiges und will an die Leistungen aus Vancouver anknüpfen. Die Sicherheit ist durch starke Trainingsleistungen zurückgekehrt, jetzt fehlt nur noch das Erfolgserlebnis im Wettkampf.

Am Dienstag hat Gruber die große Chance, es einmal mehr allen zu zeigen. „Ich werde volles Risiko nehmen. Dann ist auch einiges für mich möglich.“


Aus Sotschi berichtet Christoph Nister

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