Dürr ist "brutal gefährlich"

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Dürr bei Konkurrenz als "brutal gefährlich" bekannt

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Der Name Johannes Dürr als Medaillenkandidat im Skating-Marathon über 50 km am Sonntag fällt im Olympischen Dorf dieser Tage nicht nur im österreichischen Lager häufig.

Auch die großen Langlaufnationen haben den Niederösterreicher laut seinem Trainer Gerald Heigl mittlerweile ganz oben auf der Rechnung.

"Eine Medaille kann man nicht erwarten, aber die Chance mit einem Supertag ist da. Das hat er gezeigt, und das wissen auch die anderen Nationen", betonte Heigl im Gespräch mit der APA.

Stolz auf Dürr

Auch die Schweden und Norwegen halten große Stücke auf Dürr. "Sie wissen, er ist brutal gefährlich. Das wird man auch im Rennen merken, dass sich ein paar an den Dürr halten", sagte der österreichische Herrencheftrainer mit hörbarem Stolz.

Freilich müssen für die ersehnte Medaille viele Faktoren zusammenkommen, aber man sei glücklicherweise in der Lage, zum Favoritenkreis zu gehören. Davon habe man in der jüngeren Vergangenheit - die von den Nachwirkungen der Turiner Dopingaffäre geprägt war - nur träumen können, so Heigl.

In die Mitfavoritenrolle hat sich Dürr nicht nur mit seinem achten Platz im Skiathlon zum Olympia-Auftakt gedrängt. Auch seine starken Weltcupauftritte in den vergangenen beiden Jahren und vor allem bei der diesjährigen Tour de Ski (zwei Etappensiege, Gesamtrang drei) sind natürlich nicht unbemerkt geblieben. "Er hat es schon öfters bewiesen, dass er es kann. Wenn er super, super Haxen hat, dann kann er so laufen wie heuer von Cortina nach Toblach (Anm.: Klare Etappenbestzeit über 35 km Skating)."

Achtung auf "alle mit den weißen Anzügen"

Um sich ideal für seinen zweiten Einsatz auf der sehr selektiven Olympiastrecke von Krasnaja Poljana gerüstet zu sein, ist Dürr unmittelbar nach dem ersten Rennen für zehn Tage zum Training nach Österreich zurückgekehrt.

Der Trainingsblock in Obertilliach auf identischer Höhe sei absolut die richtige Entscheidung gewesen und perfekt verlaufen, berichtete Heigl. Auf den Olympialoipen wäre einfach kein geeignetes Training möglich gewesen. Und auch die nötige Ruhe hätte Dürr nicht gehabt.

Als Hauptkonkurrenten hat Heigl am am Schlusstag der Winterspiele vor allem die bisher so starken Schweden im Blick. "Alle mit den weißen Anzüge, sage ich immer. Die Schweden sind brutal stark, aber es gibt so viele Gute, es sind 20 Mann, die um die Medaillen kämpfen", erläuterte Österreichs Cheftrainer. Viel werde auch davon abhängen, wie die Topstars Marcus Hellner (SWE), Dario Cologna (SUI) und Petter Northug (NOR) ihre vielen Renneinsätze verkraftet haben.

"Ausnahemerscheinung"

Dass Dürr mittlerweile zum Favoritenkreis gehört, grenzt für Heigl angesichts seiner Vorgeschichte an ein Wunder. Die Karriere des mit Frau und King in Südtirol lebenden Göstlingers stand nämlich mehrfach auf der Kippe, weil ihn langwierige gesundheitliche Probleme (u.a. Pfeiffersches Drüsenfieber) ganze drei Saisonen gekostet haben.

"Er ist eine Ausnahmeerscheinung, das haben wir immer schon gewusst, aber er hat lange zu kämpfen gehabt", erzählte sein langjähriger Trainer.

Mehrere Male sei man in dieser schweren Zeit kurz davorgestanden alles hinzuschmeißen, glücklicherweise habe man sich aber gemeinsam zum Weitermachen entschieden. "Das ist auch Schicksal. Jetzt kann man sagen, er macht in den nächsten zehn Jahren sicher eine Medaille. Aber dafür muss alles passen, vielleicht ja schon am Sonntag."

Kein Risiko

Nicht allzu sehr zu denken gibt Heigl, dass Dürr in seinen bisherigen zwei 50-km-Rennen schlecht abgeschnitten hat.

Bei der WM 2011 sei er noch nicht in der aktuellen Verfassung gewesen und im Weltcup im Vorjahr in Oslo habe man sich wegen eines Ernährungsexperiments im Vorfeld selbst aller Chancen beraubt.

Diesmal gehe man bezüglich der Ernährung kein Risiko ein und höre "auf den Hausverstand".

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