ÖSV-Staffel nervlich am Ende: "Man krepiert fast"

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Sie strahlten übers ganze Gesicht.

Österreichs Biathlon-Helden Christoph Sumann, Daniel Mesotitsch, Simon Eder und Dominik Landertinger eroberten in der Staffel Bronze und sorgten damit für ein großartiges Ende der Biathlon-Bewerbe im Rahmen der Olympischen Spiele in Sotschi.

Die Erleichterung war dem Quartett hinterher deutlich anzuspüren, wurde das Rennen doch zum echten Nerven-Drama.

"Das Österreicher-Haus müssen sie nicht mehr abbauen, das wird von uns abgerissen", kündigte Mesotitsch daher vollmundig an, nachdem er sich seine zweite Olympia-Medaille (nach Staffel-Silber in Vancouver) um den Hals hängen durfte.

LAOLA1 rollt die packende Staffel noch einmal auf und liefert gleich eine Analyse der Athleten zu ihrem persönlichen Rennen mit.

STARTLÄUFER

Routinier Christoph Sumann (38) gelang ein starker Start, der Steirer hielt sich am Schießstand schadlos und musste nur liegend einmal nachladen. Läuferisch war die Schlussrunde in der Vergangenheit immer wieder seine Achillesferse, diesmal allerdings hielt er voll dagegen und verlor im Vergleich zu den siegreichen Russen lediglich 7,2 Sekunden.

Name Nation Liegend Stehend Gesamt Zeit Rang
Alexey Volkov RUS 0+1 0+1 0+2 17:19,5 3
Erik Lesser GER 0+0 0+0 0+0 17:13,7 2<span style=\'color: #ff0000;\'>
Christoph Sumann AUT 0+1 0+0 0+1 17:26,7 5
Tarjei Boe NOR 0+0 0+0 0+0 17:03,4 1

Das sagt Christoph Sumann: "Ich bin einfach gegangen. Ich konnte mir Landi nicht mehr anschauen. Ich war fertig, alle vier Jahre dieser Stress. Der Tag war einer der schlimmsten. Ich bin stolz und dankbar, dass ich mitlaufen durfte. Es war das Rennen des Jahres, auf das ich alles gesetzt habe. Dank meiner Kollegen hat es gereicht. Man hat gesehen, wie knapp es hergeht, es kann auch ein vierter, fünfter Platz passieren. Zum Schweden hatten ich ja noch gemeint, dass ich, wenn wir Gold machen, morgen die Karriere beende. Das bleibt euch erspart."

 

2. LÄUFER

Daniel Mesotitsch hatte die schwierige Aufgabe, alleine laufen zu müssen. Diese meisterte er zunächst mit Bravour und hielt den Abstand konstant bei unter 30 Sekunden. Liegend leistete er sich zwei Fehlschüsse, dafür startete er stehend eine einwandfreie Serie. Der Rückstand auf die Spitze (zu diesem Zeitpunkt) Norwegen betrug bei der Übergabe auf Simon Eder 27,1 Sekunden.

Name Nation Liegend Stehend Gesamt Zeit Rang
Evgeny Ustyugov RUS 0+1 0+2 0+3 18:15,9 8
Daniel Böhm GER 0+0 0+1 0+1 18:17,4 9
<span style=\'color: #ff0000;\'>Daniel Mesotitsch AUT 0+2 0+0 0+2 18:11,4 5
Johannes T. Boe NOR 0+1 0+0 0+1 18:07,6 4

Das sagt Daniel Mesotitsch: "Die Ausgangsposition war nicht die beste mit dem Loch, das Sumi mir hinterlassen hat. Das bringt dich dann gleich unter Druck und du musst ordentlich angasen. Ich denke aber, dass es bis auf einen Schuss im Liegendschießen fast perfekt war. Ich habe das stehend und auf der Schlussrunde wieder gutgemacht. Dazu muss einmal gesagt werden, dass das Serviceteam eine sensationelle Arbeit geleistet hat. Die Ski waren perfekt." Zur Nervosität: "Man krepiert fast. Es ist zach, du bist nervös und du hast einen Krapfen im Magen, den es dir zusammenzieht. Das ist einfach nur Hardcore."

 

3. LÄUFER

Simon Eder lieferte individuell gesehen die beste Einzelleistung ab, er wurde Dritter auf seiner Runde. Der Salzburger war liegend "on fire", patzte aber stehend mit zwei Nachladern. Dafür präsentierte er sich läuferisch in absoluter Top-Verfassung. Gegenüber Ole Einar Björndalen machte er auf der Schlussrunde 18 Sekunden wett.

Name Nation Liegend Stehend Gesamt Zeit Rang
Dmitry Malyshko RUS 0+0 0+1 0+1 18:04,8 4
Arnd Peiffer GER 0+0 0+0 0+0 17:54,5 1
<span style=\'color: #ff0000;\'>Simon Eder AUT 0+0 0+2 0+2 18:04,1 3
Ole Einar Björndalen NOR 0+0 0+0 0+0 18:12,6 5

Das sagt Simon Eder: "Ich habe mich gestern schon brutal gut gefühlt und gehofft, dass ich es im Schießen hinkriege. Dann hat Ole so einen Nuller runtergeklopft. Ich wollte nachziehen, bin aber nicht so in die Serie reingekommen. Dann kann es schwierig werden und ich musste alles abrufen. Zum Glück hat es gepasst. Auf der Schlussrunde habe ich den ganzen Körper gespürt. Die Waden waren übersäuert, ich habe mich gerade noch in die Abfahrt reingerettet. Ich wusste, dass ich Zeit auf den jede Sekunde gutmachen muss, damit Landi hinkommt. Das ist aufgegangen."

 

SCHLUSSLÄUFER

Dominik Landertinger ging mit 18,6 Sekunden Rückstand ins Rennen und kämpfte sich mit einem Nachlader liegend an die Spitze heran. Der Krimi steuerte auf seinen Höhepunkt zu, die Top 4 kamen allesamt geschlossen zum letzten Schießen. Während Russland und Deutschland fehlerfrei blieben, musste "Landi" erneut einmal nachladen. Den Norweger Emil Hegle Svendsen traf es deutlich schlimmer, der Doppel-Olympiasieger von Sotschi musste in die Strafrunde. Auf den letzten 2,5 Kilometern hatte Landertinger, ansonsten für seine exzellente Schlussrunde bekannt, nichts mehr zuzusetzen. Der Tiroler brachte jedoch Bronze souverän nach Hause und sorgte dafür, dass Österreichs Biathleten mit einem Strahlen im Gesicht aus Russland abreisen.

Name Nation Liegend Stehend Gesamt Zeit Rang
Anton Shipulin RUS 0+2 0+0 0+2 18:35,7 1
Simon Schempp GER 0+1 0+0 0+1 18:53,8 3
<span style=\'color: #ff0000;\'>Dominik Landertinger AUT 0+1 0+1 0+2 19:03,5 4
Emil Hegle Svendsen NOR 0+1 1+3 1+4 19:46,7 12

Das sagt Dominik Landertinger: "Der erste Anstieg auf der Schlussrunde ging noch, danach war es brutal. Ich bin einfach eingegangen. Die Zeit hier ist einfach schon zu lang. Ich habe nicht mehr die Beine wie zu Beginn der Olympischen Spiele. Die letzten Meter war ich froh, dass niemand hinter mir war. Wahnsinn, für mich ist es ein Traum, mit der Mannschaft die Medaille zu holen."

Fazit: Österreichs Staffel war die ausgeglichenste im kompletten Feld. Alle Athleten blieb in ihrer jeweiligen Gruppe in den Top 5. Es gab keinen Ausreißer nach oben, aber auch nicht nach unten. Die vier Loipenjäger lieferten läuferisch eine exzellente Performance ab, am Schießstand waren es am Ende zwei, drei Nachlader zu viel für ganz vorne.

Festzuhalten bleibt, dass Landertinger, Eder und Co. mächtig Werbung für sich und den Biathlon-Sport machten und das österreichische Team in sämtlichen Wettkämpfen eine starke Leistung zeigte.


Aus Sotschi berichtet Christoph Nister

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