Kriechbaums Erfolgsrezept: "Mit Herz und Hirn fahren!"

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„Bei Großereignissen ist es immer ein Auf und Ab. Zum Glück waren wir hier in Sotschi meistens oben.“

Bis auf die Abfahrt, in der Nicole Hosp als beste Österreicherin 7. wurde.

Aber auch in der schnellsten Disziplin lag Edelmetall am Silbertablett – bis Anna Fenninger zum Einkehrschwung ansetzte.

„Für sie wäre das Stockerl möglich gewesen. Den anderen ist die Abfahrt leider nicht so gelegen.“

Eine Minute Hocke und 40 Sekunden Kurven, „das ist nicht unser Fall“.

Mit Herz und Hirn fahren

Ansonsten gab es in jedem Bewerb zumindest eine Medaille. Zwei Mal, nämlich im Super-G und im Slalom, sogar zwei.

Rechnen, sagt Jürgen Kriechbaum, sei seine Sache nicht.

„Ich rechne eigentlich nur ganz selten“, lacht der Damen-Cheftrainer, „aber damit hätte ich nicht gerechnet.“

Die Zahlen zur Rechnung, deren Ergebnis so nicht zu erwarten war, lesen sich eindrucksvoll: Einmal Gold, drei Mal Silber, zwei Mal Bronze.

Die ÖSV-Damen haben bei den Olympischen Spielen in Sotschi voll abgeräumt.

Sechs Medaillen für ÖSV-Damen

Sehr zur Freude des Nachfolgers von Herbert Mandl, der im Gespräch mit LAOLA1 von einem Ohr zum anderen grinst.

Kriechbaum, der in seiner Zeit als Speed-Trainer aus Andrea Fischbacher eine Olympiasiegerin gemacht und Elisabeth Görgl zu zwei WM-Goldenen geführt hat, hatte nie Zweifel an „meinen Mädels“.

„Ich habe immer gesagt, dass wir in jedem Rennen um die Medaillen kämpfen werden.“ Sein Erfolgsrezept: „Mit Herz und Hirn fahren – dann ist alles möglich!“

„Frauenversteher“ baut Zettel auf

Vor dem Slalom führte der Oberösterreicher, dem der Ruf vorauseilt ein „Frauenversteher“ zu sein, ein langes Gespräch mit Kathrin Zettel, die nach dem Tod ihrer Großmutter und einem enttäuschenden Riesentorlauf noch am Boden zerstört war.

Wie sooft fand Kriechbaum die richtigen Worte. Zettel carvte zu ihrer ersten Olympia-Medaille.

„Ich bin richtig glücklich, dass sie nach all den Ereignissen noch einmal die Kraft gefunden hat.“

Vaterfreuden am Pistenrand

Aber auch für den 47-Jährigen, der vor seiner Rückkehr zum Damen-Team im Skigymnasium Stams mit dem Nachwuchs gearbeitet hat, waren die Olympischen Spiele ein Wechselbad der Gefühle.

Nicht nur sportlich, denn Ehefrau Sabrina brachte in Innsbruck Töchterchen Ida zur Welt.

Die ersten Bilder bekam Kriechbaum am Pistenrand. Sein zweiter Anruf galt dem Reisebüro.

Statt am Sonntag mit dem ÖSV-Charter nach Hause zu fliegen, buchte er auf Samstag um, um „schnurstracks in die Kettenbrücke (Sanatorium; Anm.)“ zu kommen.

Familie geht vor

Die Überlegung vorzeitig aus Sotschi abzureisen gab es nur kurz. „Wir haben eigentlich ausgemacht, dass sie nicht während der Olympischen Spiele auf die Welt kommt. Aber so etwas kann man nicht planen.“

Ein französischer Trainer, der während der Damen-Abfahrt Vater wurde, bestärkte Kriechbaum aber darin, zu bleiben.

„Ich habe gemerkt, dass es meiner Frau und der Kleinen gutgeht und daheim alles super organisiert ist.“

Deshalb gingen der Job und seine Mädels diesmal vor. Diesmal, weil der Familienmensch Jürgen Kriechbaum auch in der Stunde seines größten Erfolgs Prioritäten setzt: „Meine Heimat ist die Familie und nicht der ÖSV!“

 

Stephan Schwabl

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