"Bin nicht Loser der Nation!"

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Hirscher: Blech ist abgehakt, Blick geht nach vorne

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Hirscher: Alle von Startnummer 1 bis 30.

LAOLA1: Sind es auch deshalb so viele, weil Olympische Spiele eigene Gesetze haben?

Hirscher: Es ist hier sicher eine ganz eigene Geschichte. Vor allem die Bedingungen sind sehr speziell. Sogar ich mit meinen 80 Kilo sinke in dem Schnee ein. Bei uns schaut es in den Skigebieten im Mai so aus. Aber ich konnte bei der letzten Trainingsfahrt ein gutes Feeling aufbauen.

LAOLA1: Wie groß ist nun die Vorfreude auf den Slalom, der auf einem deutlich steileren Hang ausgetragen wird?

Hirscher: Ich freue mich riesig. Das Gelände ist sehr anspruchsvoll. Am Start geht’s steil weg und gleich dahin. Da ist es schwer, gut in den Rhythmus zu kommen. Und dann lässt es von der Steilheit eigentlich nie aus, es lädt immer zum Hasardieren ein. Dadurch ist es ein ständiges Spiel aus Gas und Bremse.

LAOLA1: Das Flutlicht soll bei weitem nicht so hell leuchten wie jenes in Schladming. Was bedeutet das?

Hirscher: Was man so hört, soll es nicht gut sein. Aber ich habe es noch nie gesehen und lasse mich überraschen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es vor allem im ersten Durchgang, wenn die Nacht noch nicht da ist und das Licht nicht greift, die Verhältnisse zach sein werden.

LAOLA1: Demnach wirst du dir den Damen-Slalom ganz genau anschauen, um Erfahrungswerte zu sammeln.

Hirscher: Den hätte ich so oder so geschaut, allerdings nicht vor Ort sondern im Internet. Um zu sehen, was die Piste macht und wie das Flutlicht ist. Aber wir werden uns auch Feedback von den Serviceleuten holen, welche Abstimmung die Mädels gefahren sind. Kante, Neigungsgrad, Schuheinstellung - diese Erfahrungen können sehr wertvoll sein.

LAOLA1: Was muss im Slalom passieren, damit diese Olympischen Spiele für dich ein Erfolg sind?

Hirscher: Eine Medaille. Gold wäre abartig geil. Aber davon möchte ich jetzt nicht sprechen. Reden wir einfach mal von den Plätzen eins, zwei, drei.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

Ein bisschen, sagt Marcel Hirscher, habe es schon gedauert, bis der Ärger über Blech im Riesentorlauf verflogen war.

Dabei geholfen hat Dreierlei. Ein g'scheites Essen im Austria House Tirol. Das positive Feedback der Fans auf seiner Facebook-Seite. Und die Analyse mit seinem Betreuerteam.

„Es war ja nicht das erste Mal, dass ich Vierter werde“, nahm es der 24-Jährige am Tag danach schon bedeutend lockerer.

„Ich kann mit der Niederlage sehr gut umgehen.“ Deshalb ist der Blick des Salzburgers auch schon nach vorne gerichtet.

Auf Samstag, den Tag des Slaloms. Wobei er mit einem Auge auch schon aufs Damen-Rennen blickt.

Was er dort sehen möchte und warum er vor From-Hero-to-Zero keine Angst hat, verrät er im LAOLA1-Interview.
 

LAOLA1: Marcel, wie sieht deine Gefühlswelt 28 Stunden nach Blech im Riesentorlauf aus?

Marcel Hirscher: Der gestrige Tag war spannend und sicher nicht der feinste. Aber mit ein bisschen Abstand und einer Nacht kann ich dem Ganzen sogar etwas Positives abgewinnen.

LAOLA1: Nämlich?

Hirscher: Meine Ängste, dass ich der Loser der Nation bin, haben sich nicht bestätigt. Das zeigt auch, was die Erfolge der Vergangenheit gemacht haben. Nämlich dass es auch den Menschen Marcel gibt, der auch verlieren kann.

LAOLA1: Auf deiner Facebook-Seite war das Feedback überwältigend, du hast stellvertretend für die vielen Nachrichten einen Brief gepostet. Wie viel Kraft gibt dir das?

Hirscher: Sehr viel. Wenn 50 Prozent schreiben würden: „Marcel, du bist nur Olympia-Tourist!“, wäre das richtig hart. Ich habe auch schon gesehen, wie es anders sein kann. Zum Beispiel in der Comeback-Saison vom Benni (Raich; Anm.). Da ist richtig oft hingehaut worden. Oder bei meinem Autounfall. Heute Hero, morgen kompletter Depp.

LAOLA1: Hast du Angst davor, dass du bei den Spielen eventuell komplett leer ausgehen könntest?

Hirscher: Nein, nein, nein. Das traue ich mich jetzt sagen, dass es nicht so sein wird. Und das ist ein gutes Gefühl.

LAOLA1: Wie lange hat es gedauert, bis du so positiv hast nach vorne und also auf den Slalom schauen können?

Hirscher: Wir haben schon darüber gesprochen. Natürlich war das ganze Team sehr enttäuscht. Aber Fakt ist: Unter die ersten Vier hat sich einer hinein geschummelt. Steve (Missillier; Anm.) ist gewaltig gefahren. Sonst wären die besten Drei des Winters ganz oben gestanden und wir hätten heute alle Kopfweh.

LAOLA1: Wie viel Kopfweh bereitet dir Olympia-Debütant Henrik Kristoffersen?

Hirscher: Ich habe ihn sicher ganz oben auf der Rechnung. Er hatte eine irrsinnige Freude mit dem zehnten Platz im Riesentorlauf, wo er ja nicht so erfolgsverwöhnt ist. Die Steilheit wird ihm liegen, wen nicht sogar am besten von uns allen. Aber es gibt nicht nur ihn. Der Favoritenkreis ist brutal groß.

LAOLA1: Bedeutet?

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