Falun 2015: Schwedenbomben & Blindgänger

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Die 50. Nordische Ski-WM ist seit Sonntag Geschichte.

Zeit, um darauf zurückzublicken.

In den vergangenen zwei Wochen tat sich allerhand Kurioses, wir berichteten von einem "Skandal", österreichischen Medaillen, internationalen Überfliegern und natürlich auch von unerwarteten Niederlagen.

All das lassen wir noch einmal Revue passieren. Schwedenbomben und Blindgänger aus Falun:

TOPS

History was made

Kein Klaus Sulzenbacher, kein Felix Gottwald, kein Mario Stecher - Bernhard Gruber schrieb Geschichte und krönte sich als erster Österreicher zum Einzel-Weltmeister in der Nordischen Kombination. Der 32-jährige Salzburger über seinen Gold-Coup: "Das ist eine echte Ehre, dass ich diese Medaille für Österreich holen konnte und durfte. Das macht mich irrsinnig stolz."

Die Schöne und das Biest

Therese Johaug und "enfant terrible" Petter Northug drückten der WM ihren Stempel auf. Beide sorgten für insgesamt sieben Goldmedaillen (Johaug drei, Northug vier) für die überragenden Norweger, die zum neunten Mal in Folge den Medaillenspiegel gewannen. Damit stahl Johaug sogar Marit Björgen, die sich - wie Northug bei den Männern - zur neuen Rekordweltmeisterin krönte, die Show. Erfolgreichster Kombinierer wurde Johannes Rydzek, bei den Springern räumte neben den beiden Deutschen Severin Freund und Carina Vogt auch Wikinger Rune Velta groß ab.

Aus Liebe zum Sport

Hut ab vor dem koreanischen Skisprung-Team. Cheftrainer Wolfgang Hartmann verriet, dass er und sein Team keinen müden Cent vom Verband bekommen. Seou Choi und Co. beweisen dennoch Jahr für Jahr ihre Liebe zum Sport. Ohne realistische Chance, aber mit jeder Menge Herzblut verbringen sie acht Monate im Jahr in Europa, um sich von den Schanzen dieser Welt zu stürzen.

Jubel bei den Stars and Stripes

Das gab es noch nie: Zwei Medaillen für die Vereinigten Staaten in einem Langlauf-Rennen. Jessica Diggins und Caitlin Gregg nutzten über 10 Kilometer klassisch die plötzlich wechselnden Bedingungen und damit die Gunst der Stunde und liefen hinter Lokalmatadorin Charlotte Kalla zu Silber und Bronze. Der Jubel kannte keine Grenzen. "Ich kann einfach nicht begreifen, dass das wirklich passiert ist", war Diggins aus dem Häuschen.


Endlich sportliche Schlagzeilen

Bernhard Tritscher hat über 15 Kilometer Freistil für eine kleine Sternstunde gesorgt und durfte als Sechster sogar zur Siegerehrung. Der Salzburger profitierte von perfektem Material und erwischte zudem eine exzellente Tagesform. Auch Theresa Stadlober ließ mit ihrem 13. Platz über 30 Kilometer klassisch aufhorchen. "Ich bin super zufrieden. Das wird gefeiert", erklärte sie freudestrahlend. Für den ÖSV-Langlauf sind solche Leistungen Gold wert, stand doch endlich wieder der Sport im Vordergrund.

Man darf ihn niemals abschreiben

Genau das hatten viele aber mit Gregor Schlierenzauer gemacht. Ein schwerer Fehler, denn der 25-jährige Tiroler belehrte all seine Kritiker einmal mehr eines Besseren und sprang auf der Großschanze zu Silber. Damit schraubte er sein Medaillenkonto bei Großereignissen auf 20 nach oben. Der erfolgreichste Weltcup-Springer aller Zeiten ist eben ein Phänomen.

Zurück, aber nicht der Alte

Startet er? Startet er nicht? Simon Ammann spannte die Medien nach seinem schweren Sturz in Bischofshofen lange auf die Folter, ehe feststand, dass er an der WM teilnehmen würde. Es war ein beachtliches Comeback, das ihm viele nicht mehr zutrauten. Und es erinnerte an Thomas Morgensterns Rückkehr im letzten Jahr. Wie beim Kärntner spürte man auch beim vierfachen Olympiasieger, dass er nicht mehr der Alte ist. Mehr als die Ränge 16 und 23 waren nicht drin, doch alleine die Teilnahme dürfte sich für den 33-Jährigen wie ein Sieg angefühlt haben.

KURIOSES

Wie heißen die nochmal?

Mit Skispringen und Nordischer Kombination haben es die Schweden nicht so besonders (weiter unten mehr). Ein bisschen Interesse hätten sie den beiden Sportarten aber schon widmen können, dann wäre ihnen eine Peinlichkeit, bzw. sogar zwei, erspart geblieben. Sowohl Daniela Iraschko-Stolz als auch Bernhard Gruber saßen bei der Pressekonferenz der Medaillengewinner vor falsch bedruckten Namensschildern.

Eine Wand vor dem Kopf

Kommentatoren-Legende Dirk Thiele wäre am liebsten erst gar nicht Falun gereist. "Ich sehe aus der Kommentatoren-Box die Schanze nicht", echauffierte sich der 72-Jährige bei LAOLA1. "Das ist ein Skandal!" Der Deutsche schimpfte über die katastrophale Planung der Organisatoren und erklärte, so etwas in dieser Form noch nicht erlebt zu haben.

Das Salz in der Suppe

Genau das sind die Exoten im Sport. Auch in Schweden präsentierten sich allerhand Athleten, die von der Weltspitze soweit entfernt sind wie das ÖFB-Team vom WM-Titel. Das änderte nichts daran, dass sie Spaß hatten. Aus Trinidad & Tobago, dem Iran, Brasilien oder auch dem Libanon, waren sie angereist, um sich dem Publikum zu präsentieren. Die Schnellsten unter den Langsamen im Langlauf kamen aus Bulgarien (Stanimir Belomazhev) und China (Chunxue Chi). 

Dein Freund und Helfer

In Schweden sind die Polizisten rigoros, hieß es. Das Vorurteil ließ sich so nicht aufrechterhalten. Bei einer Polizeikontrolle, in der mir der Alkoholtest nicht erspart blieb, war ein Polizist ohne Zögern bereit, ein Foto von sich machen zu lassen. Nach einem erhaltenen Strafzettel kam ein anderer zu uns und sagte, wir würden ohne Strafe davon kommen, er würde das schon regeln. Die Polizei erwies sich tatsächlich als Freund und Helfer.

Schwergewicht Ernst Vettori

Die mit Abstand lustigste Pressekonferenz lieferten die ÖSV-Kombinierer vor dem Wettkampf auf der Großschanze. Noch bevor es losging, folgte der erste Kracher. Es machte rumms und schon brüllte der ganze Raum los. "Der Direktor war's", schrie Teamarzt Dr. Stefan Hainzl. Ausgerechnet Ernst Vettori, mit einer Größe von 1,67 Meter und einem Kampfgewicht von geschätzten 50 Kilogramm nur menschlich ein echtes Schwergewicht, brachte einen Tisch zum einstürzen. Die Lockerheit während der PK münzte sich bei Bernhard Gruber auch auf den Bewerb um. Tags darauf gewann er Gold.

FLOPS

Mangelndes Interesse

Standen Langlauf-Bewerbe auf dem Programm, waren die Schweden völlig aus dem Häuschen und säumten die Loipen und Tribünen. War jedoch eine Schanze mit im Spiel, herrschte lange Zeit Tristesse. Kombinierer und vor allem Springer lockten mehr Medienvertreter als Schaulustige an. Erst in der zweiten Woche wurde es besser. Vielleicht half es ja doch, dass schwedische Zeitungen die beiden Sportarten erklärten. Lokalmatadore gab es - mit Ausnahme des Teamspringens - keine zu bestaunen.

Eine tragische Figur

Mit 29 Weltcupsiegen ist Sara Takanashi mit Abstand die Nummer 1 in der ewigen Bestenliste und hat damit mehr auf dem Konto als die ihr folgenden Sarah Hendrickson (13) und Daniela Iraschko-Stolz (10) zusammen. Auf einen großen Einzel-Titel muss die 18-jährige Japanerin aber weiterhin warten. Wie schon bei Olympia in Sotschi blieb ihr auch bei der WM nur "Blech".

Das Pech an den Schuhen

Dem US-Skisprung-Team spielt das Schicksal derzeit übel mit. Nicholas Alexander stürzte im Mixed-Bewerb schwer und musste die Saison vorzeitig beenden. Und auch von Nick Fairall gibt es nichts Positives zu berichten. Wie Mediendirektor Tom Kelly im Gespräch mit LAOLA1 verriet, kann der 25-Jährige noch immer nicht gehen. Eine Karrierefortsetzung ist ausgeschlossen.

Ein leidiges Thema

Pünktlich zum Großereignis wurde der Fall Johannes Dürr neu aufgerollt. Mit Radim Duda sorgte ein ÖSV-Trainer für Aufsehen, er beschuldigte den Verband, trotz Warnung nicht gehandelt zu haben. Ob man den ÖSV wirklich in die Pflicht nehmen kann, ist fraglich, denn Athleten aufgrund starker Leistungen zu sperren oder aus der Schusslinie zu nehmen, ist kaum umsetzbar. Der sportliche Leiter Markus Gandler war verständlicherweise not amused.

Ein schlechter Verlierer

Dario Cologna hatte sich über 15 Kilometer Freistil einiges ausgerechnet, mehr als Platz 18 kam nicht dabei heraus. Was dann folgte, fällt in die Kategorie "Auch verlieren will gelernt sein". "Es lief von vornherein nicht für mich. Wenn es so weich ist, sollte man eigentlich die Startreihenfolge ändern. Es war für viele unmöglich heute." Mit ironischem Unterton fügte er an: "Da hat die FIS wieder einmal gezeigt, dass sie sehr fähig ist." Lustig nur, dass der knapp vor ihm gestartete Maurice Manificat (FRA) Silber gewann. So schlecht können die Bedingungen dann ja nicht gewesen sein.

Die Wetterfrösche versagten

Was wurde uns in den Wetterprognosen nicht für tolles Wetter versprochen. Am Ende waren es bestenfalls eine Handvoll Sonnenstunden binnen zwei Wochen. Regen, Schneefall und fast immer stark bewölkter Himmel - so sah die Realität aus. Die neue Modefarbe in Schweden sollte ans Wetter angelehnt und daher grau sein. "Die Sonne haben wir zwar nie gesehen, ich hatte aber trotzdem Spaß", ließ sich US-Langläuferin Elizabeth Stephen davon die gute Laune nicht verderben.


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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