Österreichs Dreimäderlhaus im Damen-Skispringen

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Wenn sich die internationale Damen-Skisprung-Elite am Donnerstag in der Qualifikation den letzten Feinschliff für das WM-Springen in Predazzo holt, wird eine der besten nur als Zuseherin dabei sein.

Der ÖSV verlor vor wenigen Wochen in Daniela Iraschko sein Zugpferd. Ein Sprung, ein Schrei, ein Kreuzbandriss – für die 29-Jährige war nach einem Sturz in Klingenthal der Traum von der Titelverteidigung geplatzt.

Führungsrolle wechselte

Das Team um Cheftrainer Harry Rodlauer war geschockt. „Nach Danis Ausfall mussten wir uns neu orientieren“, so der Steirer. Die Führungsrolle der eloquenten Iraschko wanderte weiter an die eher zurückhaltende Jacqueline Seifriedsberger.

Zunächst war ungewiss, ob die 22-Jährige mit dem deutlich höheren Druck würde umgehen können. Nun weiß man: Sie hat es geschafft.

Fußstapfen ausgefüllt

Seifriedsberger füllte die großen Fußstapfen ihrer Teamkollegin mehr als nur aus, sie explodierte förmlich. In den letzten fünf Bewerben, die sie vor der WM bestritt, landete sie stets auf dem Podest, in Sapporo gelang ihr sogar der erste Weltcup-Erfolg.

„Ich habe mich sehr gut entwickelt und in den letzten eineinhalb Jahren sehr hart trainiert“, führt die Oberösterreicherin ihren aktuellen Erfolgslauf auf die harte Arbeit in der Vergangenheit zurück.

Mentalarbeit von Bedeutung

Ein wichtiges Mosaiksteinchen  - möglicherweise das letzte fehlende auf dem Weg zu Siegspringerin - bildete das Training mit ihrem Mentalcoach. „Ich habe etwas umgestellt. Nun bin ich nicht mehr so nervös. Auch dann nicht, wenn ich in Führung liege.“

Wenngleich sie nun das Gros der medialen Aufmerksamkeit erfährt, findet sie es schade, dass Iraschko nicht an den Titelkämpfen teilnehmen kann.

Iraschko fehlt

Speziell in den letzten Wochen, als Seifriedsberger die anstrengende Japan-Reise bewältigen musste, fehlte etwas. „Dani geht in jeglicher Hinsicht ab. Ob das nun als Ansprechpartnerin ist im Zimmer, oder ob man in der freien Zeit normal etwas unternimmt.“

Grund zum Jammern sieht sie darin allerdings keinen, sie könne ohnehin nichts an den Gegebenheiten ändern. „Ich muss damit umgehen können. Das ist eine große Herausforderung, aber die nehme ich gerne an.“

Seifriedsberger: "Dani geht ab"

Nicht mehr die Jüngste

Genauso entspannt betrachtet sie ihre Knieprobleme. „Es zwickt schon eine Zeit lang. Damit muss man leben, das gehört zu unserer Sportart dazu. Die Jüngste bin ich halt nicht mehr.“

Wichtige Unterstützung bekommt sie auf ihrem Weg zum möglichen Edelmetall nicht nur vom Betreuerteam, sondern auch von ihrer Familie. Diese wird sie vor Ort nach Leibeskräften unterstützen. „Sechs Leute kommen runter, darunter Mama, Papa und Bruder.“

Zum Lernen dabei

Während Seifriedsberger zu den ganz heißen Medaillenkandidaten im ÖSV zählt, sind die Maßstäbe für ihre beiden Teamkolleginnen – Chiara Hölzl und Katharina Keil – andere.

Für Keil war es „eine Überraschung“, überhaupt nominiert zu werden. „Es war ja eine verkorkste Saison bisher.“ Die WM betrachtet sie als wichtigen Lernprozess. „Eine Großveranstaltung hat man nicht alle Tage, das ist schon etwas Besonderes.“

Bei Hölzl ist die Anspannung eine andere als im Weltcup. „Die Nervosität ist natürlich größer – es ist halt doch eine Weltmeisterschaft. Ich will aber gelassen an die Sache heran gehen.“

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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