Die schwere Bürde des Favoriten

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"Es ist nicht leicht, wenn jeder Gold erwartet"

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Gregor Schlierenzauer hat es wieder getan.

Der 23-Jährige sprang im WM-Einzelbewerb von Predazzo auf der Normalschanze zu Silber und füllte seinen Medaillenschrank bei Großereignissen (WM, Olympia) auf nunmehr 15 auf.

Lediglich der Norweger Anders Bardal, im Vorjahr Sieger des Gesamtweltcups, war einen Tick stärker und schnappte dem Stubaier Gold weg.

Einzelmedaille als Ziel

Für „Schlieri“ dennoch nicht ansatzweise ein Grund, mit sich selbst zu hadern.

„Mein großes Ziel war es, hier eine Einzelmedaille zu gewinnen“, stellte der Tiroler unmissverständlich klar.

Es sei „grandios", diese schon im ersten Bewerb in trockene Tücher gebracht zu haben. Für die kommenden Bewerbe bedeutet das zusätzliches Selbstvertrauen.

Keine einfache Rolle

„Es ist nicht immer leicht, in der Rolle des Topfavoriten an den Start zu gehen, weil sich jeder Gold erwartet“, spricht er über die schwer Bürde eines Springers, der in dieser Saison kurz vor dem Gewinn der großen Kristallkugel steht und vor wenigen Wochen bereits die Vierschanzen-Tournee für sich entschied. Eine Weltmeisterschaft habe oft „andere Gesetze“.

Mit Silber fiel ihm eine Last von den Schultern, die primäre Vorgabe an sich selbst ist erfüllt. „Alles, was noch kommt, ist Draufgabe.“

Lob für den Weltmeister

Für Bardal, der mit 30 Jahren erstmals eine Einzelmedaille ergatterte, hat Schlierenzauer nur Lob übrig.

„Anders hat einen tollen Job gemacht. Er hatte die besseren Sprünge und auch das Quäntchen mehr Glück, daher hat er verdient gewonnen.“

"Schlieri" hält nun bei 15 Medaillen

Von Neid keine Spur. Der Tiroler und sein norwegischer Rivale verstehen sich blendend, zwischen den beiden läuft der Schmäh. „Ich ziehe ihn immer damit auf, dass er deshalb so gut ist, weil er einen österreichischen Trainer hat“, scherzt Schlierenzauer.

Verkürzung war „richtig“

Indes empfindet er die zweifache Verkürzung Alexander Pointners als gute taktische Maßnahme, wenngleich sie nicht unbedingt den gewünschten Erfolg mit sich brachte.

Gerade im ersten Durchgang ließ der Wind just in jenem Moment nach, als der ÖSV-Cheftrainer den Anlauf nach unten verlegen ließ. „Es war die richtige Entscheidung. Wenn der Wind gleich geblieben wäre wie bei den anderen, dann hätte ich mich absetzen können und alles hätte anders ausgesehen.“

Viel Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, bleibt dem erfolgreichsten Weltcup-Springer aller Zeiten allerdings nicht.

Next stop: Mixed-Bewerb

Bereits am Sonntag greift er gemeinsam mit Bronzemedaillen-Gewinnerin Jacqueline Seifriedsberger, Team-Küken Chiara Hölzl (15 Jahre, Neunte im Damen-Bewerb) und Rückkehrer Thomas Morgenstern (Platz fünf) im Mixed-Bewerb nach seiner 16. Medaille.

Schlierenzauer ist von der Qualität des ÖSV-Teams überzeugt.

Der Wettkampf sei ungemein interessant, er erwarte aber „eine enge Kiste mit anderen Nationen. Die Damen spielen eine gewaltige Rolle. Wenn es uns gelingt, die Leistungen, die wir die letzten Tage erbracht haben, abzurufen, sieht es nicht so schlecht aus.“

Druck rausnehmen

Gleichzeitig ist er darum bemüht, den Druck auf das Team nicht zu groß werden zu lassen.

„Wir haben eine 15-Jährige dabei. Von ihr darf man nicht zu viel erwarten.“ Es wäre bereits ein großer Erfolg, würde Hölzl ihre Leistung vom Freitag wiederholen.

Insofern sei es trotz der geschlechterübergreifend und an Resultaten gemessen besten Vorstellung aller Nationen vermessen, die ÖSV-Equipe als Goldfavorit zu deklarieren.

Glück nicht beeinflussbar

„Das Format ist noch neu, es kann ungemein viel passieren. Es ist für jeden etwas Besonderes. Auch viele andere Nationen haben sehr gute Damen.“ Teamspirit sei gefragt, wobei er sich dahingehend beim rot-weiß-roten Quartett „keine Sorgen“ mache. Ein wesentlich Faktor sei jedoch nicht zu beeinflussen: „Oft entscheidet halt auch das nötige Glück.“

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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