Schlierenzauer hat kein Problem mit Druck

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Er hat im österreichischen Team der Nordischen ein bisschen die Rolle von Marcel Hirscher bei den alpinen Weltmeisterschaften in Schladming.

Doch Gregor Schlierenzauer, der heuer die Vierschanzen-Tournee gewonnen, mit acht Saisonsiegen schon den Uralt-Rekord an Weltcupsiegen von Matti Nykänen gebrochen hat und auch vor dem Gesamt-Weltcupsieg steht, lässt sich von der hohen Erwartungshaltung als Aushängeschild der Nordischen nicht beunruhigen.

"Alles, was kommt Draufgabe"

Beim Pressegespräch in den Katakomben des Österreicher-Hotels in Predazzo zeigte sich der 23-jährige "Überflieger" cool und gelassen. Nach dieser für ihn so tollen Saison, sei alles, was nun kommt "Draufgabe und für meine Fotogalerie".

Hobbyfotograf Schlierenzauer zeigte sich vor und nach dem Gespräch auch mit seiner "Leica"-Kamera und schoss eifrig Schwarz-Weiß-Fotos.

Frage: Sie sind einen Tag später zur WM angereist. Warum diese Entscheidung?

Gregor Schlierenzauer: Weil ich meine Freundin schon länger nicht gesehen habe, die letzten Wochen teilweise sehr hektisch waren und ich ganz gut in Form bin.

Frage: Als Weltcup-Führender gehen Sie als großer Favorit in die nächsten zwei Wochen. Wie sehen Sie diese Herausforderung der WM?

Schlierenzauer: Es ist natürlich eine tolle Luxus-Situation für mich, wenn man als Topfavorit geadelt wird. Aber ich glaube, ich bin so routiniert, zu wissen, dass es hier nichts zum Abholen gibt. Es ist ähnlich wie bei der Vierschanzen-Tournee, dass ich versuche, es zu genießen. Geschenkt wird mir genauso wenig wie allen anderen. Es ist natürlich einiges möglich.

Frage: Was sagen Sie zu dieser Schanze?

Schlierenzauer: Wenn man in Form ist, springt man auf jeder Schanze sehr gut. Natürlich habe ich mir meine Gedanken über die Anlagen gemacht. Ich freue mich, es wird sicher sehr interessant, vor allem die kleine Schanze, weil ich hier acht oder neun Jahre nicht gesprungen bin.

Frage: Sie haben Ihr großes Lebensziel erreicht, den Rekord von Matti Nykänen überboten. Wie sehr hat Sie das befreit und innerlich befriedigt?

Schlierenzauer: Natürlich war das ein gewaltiger Meilenstein, den ich immer noch nicht ganz glauben kann. Es gibt mir schon eine extreme Gelassenheit und Selbstzufriedenheit, zu wissen, dass ich eigentlich niemand mehr etwas beweisen muss. Alles, was jetzt kommt, ist irgendwie eine Draufgabe oder für meine Foto-Galerie. Ich genieße es momentan. Das Leben ist sehr gut zur Zeit. Man blüht auf, ich darf das machen, was mir viel Spaß macht. Auch wenn es jetzt hier nicht so hinhauen sollte, dann geht die Welt auch nicht unter, weil die letzten Wochen sehr intensiv und sehr positiv waren.

Gregor Schlierenzauer ist Österreichs große Medaillen-Hoffnung

Frage: Marcel Hirscher war in Schladming das große Zugpferd. Inwiefern sehen Sie sich in einer ähnlichen Situation wie er?

Schlierenzauer: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Natürlich, wenn man sich die Erfolge anschaut, dann kann man Parallelen ziehen, aber generell kann man sehr schwer Vergleiche anstellen. Natürlich habe ich Schladming verfolgt, das war für uns auch sehr lässig. Ob so eine Stimmung auch bei uns an der Schanze ist.. schauen wir mal.

Frage: Wie gut kennen Sie Marcel?

Schlierenzauer: Ich habe ihn schon zwei, drei Mal gesehen.

Frage: Wie gehen Sie mit dem Erwartungsdruck um?

Schlierenzauer: Ich habe in den letzten Wochen immer wieder das Wort Druck gehört. Da muss ich immer wieder schmunzeln, weil ich einer der wenigen Sportler bin, der von Beginn seiner Karriere an immer einen gewissen Druck gespürt hat von außen. Jetzt mit 23 bin ich wirklich in der Lage, das so zu managen und einzuschätzen, dass ich nicht verkrampfe, sondern es einfach genieße."

Frage: Hat man nach so vielen Erfolgen ein Problem mit der Motivation?

Schlierenzauer: Eigentlich nicht. Ein Großereignis ist immer ein Highlight. Die Weltmeisterschaft habe ich schon rot in mein Bücherl reingeschrieben.

Frage: Rechnen Sie wieder damit, dass eine Nation wieder eine technische Revolution auspackt wie zum Beispiel Simon Ammann bei den Olympischen Spielen?

Schlierenzauer: Von mir aus gern. Der Skisprungsport wird sich immer weiterentwickeln. Ich habe bei der Tournee gezeigt, dass ich mit meinem Material gewinnen kann. Ich bin eher auf der Schiene, der Gentleman schweigt und genießt.

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