Zurück in der Spur

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Die Berg- und Talfahrt des Thomas Morgenstern

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Und plötzlich war er abgetaucht.

Thomas Morgenstern, der sonst so eloquente Skisprung-Star, war in einem Tief, die Spitzenresultate blieben aus.

Die Ränge 23 (Wisla) und 27 (Zakopane) lagen weit unter den Ansprüchen des dreifachen Olympiasiegers, der sich daraufhin eine Auszeit gönnte, um seine Probleme in den Griff zu bekommen.

Rechtzeitig zu Beginn der Skisprungbewerbe bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Val di Fiemme meldet sich der Kärntner zurück.

Intensive Wochen

„Die letzten Wochen waren sehr intensiv“, erklärt der 26-Jährige vor dem Einzelwettkampf auf der Normalschanze.

Um sich von den Querelen in seinem Leben abzulenken, konzentrierte er sich auf hartes Training. In Planica wurde eifrig gesprungen, in Klagenfurt an Fitness, Koordination und Regeneration gearbeitet.

Das Fass lief über

Einfach war diese Zeit allerdings nicht. „Ich fühle mich nun deutlich besser. Es war eine emotionale Berg- und Talfahrt. Diese hat das Fass irgendwann zum Überlaufen gebracht.“

Die Auszeit sei schließlich „die logische Konsequenz“ gewesen.

Aufgrund seiner wochenlangen Absenz ist das Gefühl, nun wieder zurück zu sein im Adler-Zirkus, ein ungewöhnliches.

„Es ist ähnlich wie beim Weltcup-Auftakt. Man weiß nicht, wie die anderen beisammen sind und wie man selbst drauf ist.“

Medaille ist das Ziel

Trotz seiner Formschwäche zuletzt, die dazu führten, dass die Saisonziele Tournee und Gesamtweltcup früh ad acta gelegt werden mussten, hält er an seinen Vorstellungen für die WM fest.

„Ich fahre zur WM, um auch eine Medaille zu holen“, stellt „Morgi“ unmissverständlich klar. Gleichzeitig ist ihm freilich bewusst, dass er im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Gregor Schlierenzauer nicht die Rolle des Topfavoriten ausfüllt. Bei ihm müsse für Edelmetall „viel zusammenpassen“.

Leicht angeschlagen

Die ersten Trainingssprünge seien ganz in Ordnung gewesen, allerdings plagt sich der siebenfache Goldmedaillengewinner bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaften mit einer hartnäckigen Erkältung herum.

„Ich muss den Schnupfen wegbringen, dann kann es richtig losgehen. Ich bin aber in guter Behandlung und werde aufgepäppelt“, betrachtet er die gesundheitlichen Wehwehchen als Kleinigkeit.

Startplatz erarbeitet

Den Stress, sich einer Qualifikation zu stellen (ÖSV verzichtet auf Kofler), hatte Morgenstern für den Wettkampf auf der Normalschanze nicht, als Titelverteidiger war er vorab gesetzt.

„Den Startplatz habe ich mir 2011 hart erarbeitet. Das hat mir daher die letzten Wochen zum Glück weniger Kopfzerbrechen bereitet.“

Vor zwei Jahren setzte er sich die Krone auf und triumphierte vor Andreas Kofler und Adam Malysz (POL). Noch heute denkt er gerne daran zurück.

Schon 2003 dabei

Oslo werde ich nie vergessen. Es war eine extrem geile WM – auch vom Drumherum. Für mich war es die prägendste bisher.“

Doch auch an Val di Fiemme hat er besondere Erinnerungen, wurde er doch vor zehn Jahren als Jungspund mit ins Fleimstal genommen, um Erfahrungen zu sammeln.

Wenn er daran denkt, „kommen natürlich Geschichten und Emotionen hoch. Hoffentlich gibt es diesmal einen besseren Ausgang als damals.“

Seinerzeit waren die ÖSV-Skispringer ohne Medaillengewinn geblieben. Davon will Morgenstern nichts mehr wissen. Er befindet sich schließlich auf seiner Berg- und Talfahrt wieder auf dem Weg nach oben.

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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