Eva Pinkelnig: Vom Kinderhort zur Nordischen Ski-WM

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Willi Greber war wie so oft mit dem Ski-Nachwuchs im Skigebiet Bödele unterwegs und baute dort eine kleine Skisprung-Schanze.

"Die ist voll lässig. Darf ich auch mal?", fragte eine junge Dame. Es war Eva Pinkelnig. Und es war der Anfang einer einzigartigen Geschichte.

Die Vorarlbergerin begeisterte den Trainer dermaßen, dass er ihr empfahl, die Alpin- gegen Skisprungskier zu tauschen und den Sprung von einer echten Schanze zu wagen.

Die Vorarlbergerin setzte die Idee in die Tat um und nutzte im Rahmen der Dornbirner Messe ihre Chance. Eine mobile Sprunganlage wurde installiert, Pinkelnig stürzte sich ein ums andere Mal hinunter.

Greber war angetan von der 24-Jährigen und ging aufs Ganze. Er nahm sie mit zum Schneetraining, wo sie die Ausrüstung seines Sohnes zur Verfügung gestellt bekam.

Rauer Wind

Wenngleich sie auch dort auf Anhieb zu überzeugen wusste, blies ihr und ihrem Entdecker ein rauer Wind entgegen, wie Greber im Gespräch mit LAOLA1 erklärt.

"Sie haben mich gefragt: 'Was willst du mit ihr? Sportlich hat das doch keinen Wert.'" Mit 24 galt Pinkelnig längst nicht mehr als Talent, Grebers Trainerkollegen im Vorarlberger Skiverband betrachteten es als vergebene Liebesmühe.

Der hielt jedoch an seiner Idee, die Quereinsteigerin zu fördern, fest. "Solange ich Trainer bin, geht sie mit zum Training. Aus sportlichen Gründen", stellte er klar und drohte: "Wenn sie nicht mehr springt, muss man mich absetzen."

Die Beharrlichkeit Grebers und die große Gabe Pinkelnigs sollten sich schnell auszahlen. "Sie ist mit großer Akribie ans Werk gegangen", schwärmt der Trainer von seinem Schützling.

Felder wurde aufmerksam

Es dauerte nicht lange, da wurden auch andere auf den Shootingstar aufmerksam. Bei einem Training in Seefeld war Andreas Felder, damals noch beim Tiroler Skiverband tätig, zugegen.

Auch der 52-Jährige fand sofort Gefallen an den Eindrücken von Pinkelnig, was sich als nicht unbedeutend für ihre Zukunft herausstellen sollte.

Schritt für Schritt arbeitete währenddessen das Gespann Greber/Pinkelnig weiter an Feinheiten, die Fortschritte der heute 26-Jährigen waren nicht zu übersehen. Lange Zeit wollte Pinkelnig aber nicht glauben, welch großes Potenzial tatsächlich in ihr schlummert.

"Sie konnte es nicht glauben, als ich ihr sagte, dass da etwas ganz Großes möglich ist", erinnert sich Willi Greber, der heute stolz darauf ist, seinem Gefühl vertraut zu haben.

Eva Pinkelnigs Karriereweg ist ungewöhnlich, aber höchst erfolgreich

Ab in den Weltcup

Als Felder schließlich im vergangenen Jahr vom Österreichischen Skiverband zum Damen-Cheftrainer bestellt wurde, sollte der Sprung nach ganz oben folgen.

Obwohl sie bis heute keine Kader-Zugehörigkeit hat (aufgrund ihrer Weltcup-Leistungen gehört sie ab kommender Saison zum Nationalteam), nahm sie der ehemalige Weltklasse-Springer in sein Team auf.

Für Pinkelnig wurde ein Traum wahr, inzwischen ist sie aus dem Weltcup nicht mehr wegzudenken. In ihrer Premierensaison hat sie sich auf Anhieb in den Top-10 etabliert und schrammte mehrfach nur hauchdünn am ersten Podestplatz vorbei.

Mit der Nominierung für die Nordische Ski-WM in Falun gelang der Vorarlbergerin, die zuvor in einem Kinderhort arbeitete und ihren Job zugunsten des Skispringens quittierte, der nächste Meilenstein ihrer noch jungen Karriere.

"Verrückte Henne"

"Sie ist eine verrückte Henne. Angst kennt sie nicht", traut Greber ihr daher alles zu. Der Schwarzacher macht sich auch um das Nervenkostüm der Debütantin keine Sorgen: "Wenn es jemand schafft, dann Eva."

Diese macht sich selbst keinen Stress. Sie wolle gute Sprünge zeigen und abrufen, was sie in den vergangenen Monaten gelernt hat.

Das Erlebte der jüngeren Vergangenheit beeindruckt sie, wie sie auf LAOLA1-Nachfrage verriet. "Es gibt Momente, in denen ich ein bisschen realisiere, was so alles passiert ist."

Näher damit beschäftigen will sie sich vorerst nicht. "Ich verbiete es mir ein bisschen und werde nach der Saison über alles nachdenken." Kein Wunder, stehen doch noch wichtige Wettkämpfe vor ihr.

Und wer weiß: Vielleicht wird das Skisprung-Märchen um Eva Pinkelnig schon in Kürze um ein Kapitel reicher.


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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