Kuttin: "... dann lasse ich mich berieseln"

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Einfach mal die Stopp-Taste drücken.

Während der Nordischen Ski-WM in Falun ist das nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Österreichs Skispringer versuchen dennoch, abzuschalten und sich auf andere Dinge zu fokussieren.

Gregor Schlierenzauer etwa verbrachte den Sonntag mit seiner Freundin Sandra und Thomas Diethart in der Stadt. Der Niederösterreicher genoss den Tag bei einen Spaziergang am See.

Michael Hayböck und Stefan Kraft vertrieben sich die Zeit damit, eine TV-Serie zu schauen.

Einfach mal berieseln lassen

Bei Heinz Kuttin ist das schon schwieriger. Der Cheftrainer kann keinen trainingsfreien Tag einlegen, weil immer einer oder mehrere Athleten auf die Schanze wollen oder sich mit Wehwehchen herumplagen.

Der Kärntner nickt auf Nachfrage von LAOLA1 und meint, das sei in der Tat nicht ganz einfach. Dennoch ist es essenziell, sich ebenfalls zumindest kurzfristig von der schnelllebigen und stressigen Welt des Skispringens zu lösen.

"Irgendwann geht man dann mal laufen, was sehr wertvoll ist", erklärt der 44-Jährige. Hilfreich kann auch sein, "eine halbe Stunde länger unter der Dusche zu stehen". Dabei gelingt es ihm, den Motor runterzufahren, den Job Beruf sein zu lassen und abzuschalten.

"Da sehe und höre ich mal niemanden und lasse mich berieseln. Da kommen ganz viele andere Gedanken und nicht, was noch zu erledigen und aufzuarbeiten ist."

"Ein Druck, den ich so nicht kannte"

Doch auch eine ausgiebige Dusche findet irgendwann ein Ende und der WM-Alltag holt ihn wieder ein. Für Kuttin ist es die erste Nordische Ski-WM als Chef im ÖSV-Adlerhorst, sodass auch auf ihn einige neue Dinge einprasseln.

Darauf hatte er sich allerdings mental schon in einem gewissen Maße vorbereitet. "Das war mir bewusst, als ich die Anfrage für den Job bekam", so Kuttin, der zugibt: "Es ist ein Druck, den ich so noch nicht kannte."

Er stand auch als polnischer Trainer in der Verantwortung oder reiste mit der deutschen Mannschaft zu Nachwuchs-Weltmeisterschaften, "das mediale Interesse ist aber ein ganz anderes".

Kuttin vermeidet es, sich zu sehr damit zu beschäftigen – so hält er nichts von Social Media - doch ganz ausblenden kann man das Thema natürlich nicht.

"Ich versuche, so gut wie möglich damit umzugehen, ohne dass meine Gesundheit Schaden nimmt. Ich will ruhig bleiben und sachliche Entscheidungen treffen."

Riesige Erwartungshaltung

Das ist ohnehin schwer genug, zumal die Erwartungshaltung an Österreichs Adler enorm hoch ist. Aufgrund der zahlreichen Medaillen und Weltcupsiege in den letzten zehn Jahren sind die rot-weiß-roten Fans erfolgsverwöhnt.

Die Bronze-Medaille von Stefan Kraft im ersten Einzelbewerb auf der Normalschanze war ein schöner Erfolg, im Mixed-Bewerb ging der ÖSV allerdings leer aus. "Wir haben uns natürlich mehr erwartet", macht Kuttin, der bei der letzten WM in Falun 1993 Bronze mit der Mannschaft gewann, keinen Hehl aus den hohen Ansprüchen.

Abgesehen von Kraft scheint derzeit aber niemand für die Medaillenränge in Frage zu kommen. "Es greift eines in das andere", begründet der Chef die Probleme von Michael Hayböck und Gregor Schlierenzauer.

Bei Kraft stimme es derzeit jedenfalls. "Wenn du mit so einer Form herkommst wie Stefan, der Charakter hat und dem egal ist, was links und rechts passiert, dann musst du ihn erst schlagen." Doch auch die beiden anderen Siegspringer dieser Saison hätten das Potenzial, um auf der Großschanze ganz vorne zu landen.

Beim Training in Villach waren sie fast auf Augenhöhe. "Da hatten wir ein gutes Gefühl." Jenes ging mit den Trainingssprüngen kontinuierlich verloren.

Mithilfe der eingangs erwähnten "Auszeit" wollen sie nun neu durchstarten. Und statt der Stopp- die Play-Taste drücken.


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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