Kraft fühlt sich wohl in der Favoritenrolle

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Während der Olympischen Spiele in Sotschi war Stefan Kraft zum Zuschauen verdammt.

Der Salzburger wurde nicht für die Wettkämpfe im Zeichen der fünf Ringe nominiert. Ein Jahr später haben sich die Vorzeichen um 180 Grad gedreht.

Kraft ist als amtierender Tournee-Sieger einer der Topfavoriten bei der Nordischen Ski-WM in Falun und gehört damit auch auf der Normalschanze (Samstag, ab 16:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) zu den heißesten Medaillenanwärtern.

Im Gespräch mit LAOLA1 spricht er über diese neue Rolle und die Umstellung auf die Großschanze. Zudem erklärt er, warum er trotz Verlust der Gesamtweltcupführung weiterhin "zweigleisig" fährt. 

LAOLA1: Stefan, du startest erstmals als Medaillenfavorit in ein Großereignis. Beflügelt das oder nimmt der Druck dadurch für dich zu?

Stefan Kraft: Ich sehe es nicht als Druck und fahre lieber als Top- oder Mitfavorit zu einem Event anstatt als Außenseiter. Immerhin bedeutet es, dass es in dieser Saison für mich sehr, sehr gut gelaufen ist und ich konstant in den Top 10 war. Sicherlich brauche ich aber hier das nötige Glück und dazu zwei perfekte Sprünge. Den größten Druck mache ich mir ohnehin selbst, weil ich weiß, dass ich es drauf habe. Die Meinung anderer beeinflusst mich da nicht.

LAOLA1: Weltcup-Bewerbe auf Normalschanzen gab es keine, ihr habt zuletzt aber auf der K90-Schanze in Villach trainiert. Welche Bedeutung haben diese Einheiten hinsichtlich des Gefühls für die kleine Schanze?

Kraft: Das war sehr wichtig. Das letzte Mal bin ich ja im Herbst in Tschagguns bei der Österreichischen Meisterschaft von einer 90er Schanze gehüpft. Darum habe ich schon vor der Saison gesagt, dass ich sicher nicht Skifliegen gehen werde. Es hat sehr gut getan, zehn Sprünge auf der 90er runterzuhauen. Man hat hier in Falun im ersten Training bereits gesehen, dass wir ganz vorne dabei waren und mitgemischt haben. Die Zeit in Villach hat daher sicher geholfen. Wenn dann auch noch bei der WM ein (Trainings-)Sprung abgesagt wird, sind wir sicher im Vorteil.

LAOLA1: Welche sind die gravierendsten Unterschiede im Sprungverhalten zwischen Groß- und Normalschanze?

Kraft: Mit dem aggressiven Sprungstil, der aktuell praktiziert wird – es attackiert jeder mit Vollgas -, ist man extrem am Limit. Man muss mehr Druck reinbringen, in der Springersprache heißt das 'mehr Luft unter die Ski reinlassen'. Es sind nur Kleinigkeiten, zu viele Änderungen sind auch wieder nicht gut.

LAOLA1: Durch die geringeren Weitenunterschiede kommt den Haltungsnoten eine größere Bedeutung zu. Legt man dadurch im Training auch darauf einen besonderen Fokus?

Kraft: Extra trainiert wird der Telemark nicht mehr. Heinz hat aber in Villach vor dem ersten Sprung gemeint, wir sollen unabhängig von der Weite einen setzen, weil er sehr wichtig ist bei der WM. Das haben wir umgesetzt.

LAOLA1: Die Lugnet-Schanzen sind extrem windanfällig. Inwieweit beeinflusst dich das?

Kraft: Es beeinflusst natürlich schon in der Vorbereitung. Für gewöhnlich gehst du rauf und hast dann noch deine zehn bis 15 Springer. Wenn sich das verzögert, muss man sich ein zweites und drittes Mal aufwärmen, wieder ausziehen, immer wieder auf seine sieben Sachen schauen. Wenn ich dann aber auf dem Balken sitze, habe ich nur noch die Sachen im Kopf, die ich für einen guten Sprung zu tun habe und weiß, dass es bei einer Freigabe perfekt ist zum Skispringen.

LAOLA1: Du hast bewusst eine Pause für die WM eingelegt und dadurch die Gesamtführung im Weltcup an Peter Prevc verloren. Ein Fingerzeig, dass dir die Titelkämpfe wichtiger sind als die große Kristallkugel?

Kraft: Das sehe ich nicht so. Natürlich möchte ich auch im Gesamtweltcup voll mitmischen. Ich sehe es so, dass es noch lange dauert, bis der Weltcup in Planica zu Ende geht, und die Pause mir sehr gut getan hat.

LAOLA1: Kann man in dieser kurzen Wettbewerbspause die Akkus wieder aufladen?

Kraft: Auf jeden Fall. Man hat es bei Michi (Anm.: Hayböck) gesehen. Der hat nicht gemerkt, dass er müde ist, in Willingen hat es ihm plötzlich nicht mehr so getaugt. Dadurch hat er begonnen, ein bisschen nachzudenken. Bei mir ist das Gott sei Dank noch nicht so. Aber wer weiß, vielleicht wäre es ja hier passiert. So aber bin ich wieder voll frisch und bin zu 100 Prozent bereit.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Christoph Nister

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