Iraschko-Stolz: "Ich habe total riskiert, das ist mein Stil"

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Gold verloren oder Bronze gewonnen?

Die Gefühlslage nach dem Damen-Skispringen bei der Nordischen Ski-WM in Falun war nicht nur bei Daniela Iraschko-Stolz, sondern im gesamten ÖSV-Team nicht ganz klar.

Die Steirerin, die 2011 bereits WM-Gold in Oslo gewann und im Vorjahr bei den Olympischen Spielen in Sotschi mit Silber dekoriert wurde, hat nun den Medaillensatz komplett.

Am Ende fehlten der 31-Jährigen 3,1 Punkte auf Weltmeisterin Carina Vogt aus Deutschland, Silber schnappte sich die Japanerin Yuki Ito.

Wie sie sich kurz nach dem Bewerb fühlt, wie es um ihr lädiertes Knie bestellt ist und worauf sie im Mixed-Bewerb hofft. Daniela Iraschko-Stolz über ...

... den kompletten Medaillensatz:

Jetzt habe ich alle Farben, das ist ja was Schönes. Jetzt muss ich nur noch schauen, dass ich einen gescheiten Platz dafür finde. 

… ihr Gefühlsleben nach dem zweiten Durchgang:

Ich habe nicht gewusst, warum ich nicht weiter gehüpft bin. Ich glaube, irgendwann werde ich eine Erklärung dafür finden, wo ich die zwei Meter verloren habe. Logischerweise habe ich einen Skifehler gehabt und die ganze Höhe verloren. Ich glaube aber nicht, dass ich am Tisch so sonderlich viel falsch gemacht habe. In dieser Hinsicht brauche ich mir nichts vorwerfen. Das ist so im Spitzensport, oft passiert eine Kleinigkeit, die was ausmacht. Wenn ich mir aber Sara Takanashi anschaue, die zweimal (Olympia 2014 und WM 2015) Vierte wurde, da geht es mir echt blendend. 

… wichtige Aufgaben, die noch warten:

Die Konstanz zeigt, dass ich sehr gerne aufs Stockerl springe. So gut wie heuer war es noch nie. So gesehen ist es eine gewonnene Bronzemedaille und kein verlorenes Gold. Logischerweise wäre es umgekehrt cooler, wenn man im zweiten Durchgang den besseren Sprung macht und aufholt. Wir haben gezeigt, dass wir bei den Mädels vorne mitspringen und nicht viele Punkte liegen lassen werden und vielleicht sogar etwas aufholen. Dann schauen wir, dass die Burschen Gas geben. Das wird sicher cool und spannend.

 … Nervosität:

Das war total easy, ich war echt cool. Ich bin ja in einer guten Form und habe mich gut und fit gefühlt. 

… Freude über Bronze:

Logischerweise freut man sich über eine Medaille, die man macht. Es ist nicht einfach, auch wenn man von außen denkt, das ist eine fixe Medaille. Dadurch sinkt die Wertigkeit. 

… Knieprobleme und die Schiene, mit der sie springt:

Das mache ich eh schon die ganze Saison, da gibt es überhaupt keine Ausrede. Ich war topfit und habe selbst einen Fehler gemacht und verloren. Es ist ärgerlich, weil es möglich gewesen wäre, Weltmeisterin zu werden. Andererseits ist es aber schwierig und eng beieinander. Wenn der Fehler größer ist, gehe ich ganz leer aus. Ich habe bei beiden Sprüngen total riskiert, das ist mein Stil. Für diese Verhältnisse habe ich genau das Falsche gemacht. Es wollte einfach nicht sein. Ich glaube, vom Knie her darf ich mich nicht beklagen. Es gibt immer Phasen, da ist es natürlich auch mal schlechter. Ich habe versucht, ohne Schiene zu springen, funktioniert auch nicht, jetzt springe ich wieder mit. Wenn der Anlauf ein bisserl flacher ist, muss ich mich anstrengen, weil du es mehr wahrnimmst. Man kann sich aber auch viel einreden. Es ist für den Kopf und vorbeugend, falls es zu weit geht. Mittlerweile kann ich es gut und komme einwandfrei damit zurecht. 

… die vor ihr platzierten Vogt und Ito:

Die Besten haben heute gewonnen. Sie hatten es hinten raus auch nicht so leicht. Natürlich hätten mir 91 Meter gereicht, aber ja, ist so. Ich kann es nicht ändern. Die Medaille kann mir keiner mehr nehmen, aber logischerweise ärgert man sich im ersten Moment. Man denkt sich 'Oh Gott, warum ist mir das passiert' und findet dann keine Erklärung, weil man noch keine Zeit hatte, das gleich zu analysieren. Man muss lange warten, bis man Antworten auf seine Fragen findet, das macht es vielleicht etwas schwieriger.

 

Aus Falun berichtet Christoph Nister

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