Mixed-Bewerb: Vom Außenseiter zum Favoriten

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Daniela Iraschko verletzt, Österreichs Herren mit Ausnahme von Gregor Schlierenzauer bei weitem nicht mehr so dominant wie in den vergangenen Jahren.

Die Vorzeichen vor Beginn der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Val di Fiemme waren nicht die allerbesten, was den Mixed-Bewerb der Skispringer angeht.

Zwei Damen und zwei Herren pro Nationen kämpfen dabei um Edelmetall. Der einzige Weltcup-Bewerb in dieser Saison verkam für den ÖSV zum Desaster, nachdem Andreas Kofler in Lillehammer aufgrund eines nicht regelkonformen Anzuges disqualifiziert wurde.

„Wir sind sicher nur Außenseiter“, hatte Sportdirektor Ernst Vettori daher vor WM-Beginn gemutmaßt.

Wenige Tage später stehen die Sterne bedeutend besser. Österreich ist dank großartiger Leistungen mehrerer Athleten heißer Medaillenkandidat.

LAOLA1 verrät, warum das so ist und stellt die Top-Teams und ihre Athleten vor:

ÖSTERREICH

Gregor Schlierenzauer war schon im Vorfeld über jeden Zweifel erhaben und führt das rot-weiß-rote Aufgebot an. Mit Silber im Einzelbewerb im Gepäck soll er als Schlussspringer alles klar machen. Ein Hochkaräter ist auch der zweite männliche Starter. Thomas Morgenstern hat sich nach mehrwöchiger Pause eindrucksvoll zurückgemeldet und verpasste als Fünfter nur haarscharf das Podest.

Die weibliche Hälfte des ÖSV-Quartetts besteht aus Jacqueline Seifriedsberger und Chiara Hölzl. Erstgenannte gewann Bronze und ist vollgepumpt mit Selbstvertrauen, doch auch WM-Novizin Hölzl, mit 15 Jahren die jüngste im rot-weiß-roten Aufgebot, machte ihre Sache exzellent und gab als Neunte eine kräftige Talentprobe ab. Ein gewisses Restrisiko bleibt allerdings, da die Salzburgerin noch nie einen Wettkampf bestritt, in dem ein derart großer Druck auf ihr lastete.

Norwegen baut auf Weltmeister Bardal

NORWEGEN

Trainer Alex Stöckl hatte die Qual der Wahl und legte sie sich schließich auf seine zwei besten Mannen vom Samstag fest. Hinter Anders Bardal stand nach seinem WM-Triumph ohnehin nicht das geringste Fragezeichen, dafür muss der Gesamtweltcup-Dritte Anders Jacobsen nach Platz 18 zuschauen. Tom Hilde (Rang neun) bekommt bei den "Wikingern" den Vorzug.

Deutlich einfacher tat sich das norwegische Trainerteam bei der Nominierung der beiden Damen. Wie schon in Lillehammer, als man vor heimischem Publikum den Sieg davontrug, ist Anette Sagen auch diesmal gesetzt. Mit Rang sieben blieb sie im Damenbewerb zwar hinter den Erwartungen zurück, doch an ihrer Position gibt es kein Rütteln. Zudem wird auch in Predazzo Maren Lundby, die 25. vom Freitag, den Platz an ihrer Seite einnehmen.

DEUTSCHLAND

Cheftrainer Werner Schuster hat die komfortable Situation, zwei brandheiße Eisen ins Feuer werfen zu können. Severin Freund, der zu Saisonbeginn kurzfristig im Gelben Trikot sprang und als Vierter nur knapp an einer WM-Medaille vorbei sprang, gehört ebenso zum vierköpfigen deutschen Team wie Richard Freitag. Dieser tankte mit dem Sieg im Skifliegen von Oberstdorf kräftig Selbstvertrauen.

Auch die Damen gehören zur (erweiterten) Weltspitze, wodurch die DSV-Auswahl automatisch zum engsten Favoritenkreis zu zählen ist. Carina Vogt rangiert im Weltcup an siebenter Position und wusste im Einzelbewerb als Fünfte zu gefallen. Hinzu gesellt sich Ulrike Gräßler, die Elfte wurde.

JAPAN 

Über weite Teile der Saison enttäuschten die Japaner, rechtzeitig zum Höhepunkt melden sie sich zurück. Taku Takeuchi gelangen im Einzel zwei starke Sätze, mit Rang sechs ließ er die Hoffnungen auf eine Mixed-Medaille deutlich ansteigen. Stark abgeliefert hat indes auch Daiki Ito, der als 14. Selbstvertrauen sammelte.

Noch höher als die japanischen Männer einzuschätzen sind die Frauen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Insbesondere Sara Takanashi, die sich vorzeitig die große Kristallkugel sicherte und in Predazzo bereits mit Silber dekoriert wurde, sticht hier hervor. Flankiert wird die 16-Jährige wie in Lillehammer von Yuki Ito, die einen 20. Rang aus dem Einzel zu Buche stehen hat.

Hendrickson führt das US-Team an

WEITERE NATIONEN

Slowenien gehört zu den gefährlichen Außenseitern, hat man doch in Bronzemedaille-Gewinner Peter Prevc und Jaka Hvala (WM-21.) zwei starke Männer in den eigenen Reihen. Die Ladies agieren hierbei allerdings als Sorgenkind, denn die im Weltcup so starke Katja Pozun (Gesamt-Sechste) kam im Einzel nicht über Platz 18 hinaus und flog dadurch aus dem Team. Spela Rogelj (Weltcup-Zehnte, WM-13.) und Ursa Bogataj (WM-17.) sollen es nur für unser Nachbarland richten.

Gastgeber Italien muss auf ein kleines Wunder hoffen. Zwar stellt man mit Evelyn Insam und Elena Runggaldier zwei schlagkräftige Damen, im Herren-Lager springt man derzeit allerdings deutlich hinterher. Andrea Morassi kam nicht über Position 29 hinaus, Sebastian Colloredo war im zweiten Durchgang nur noch Zuschauer.

Einer vergleichbaren Ausgangslage sehen sich die US-Amerikaner gegenübergestellt. Weltmeisterin Sarah Hendrickson füllt die Rolle der Leitwölfin aus, Jessica Jerome stellt die zweite Stärke im Team dar - für Ex-Weltmeisterin Lindsey Van war kein Platz. Bei den Herren sieht es hingegen düster aus, Anders Johnson und Peter Frenette haben der Klasse eines Schlierenzauer oder Bardal wenig entgegenzusetzen.

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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