"Es wird zu viel mit uns Sportlern gespielt"

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Die „Causa Stecher“ und ihre Folgen.

WM-Silbermedaillengewinner Mario Stecher hatte mit seiner heftigen Kritik an der Skifirma Fischer eine Lawine losgetreten, die ihn die Zusammenarbeit mit dem Hersteller kostete.

„So eine schlechte Werbung hatten wir in meinen sieben Jahren bei Fischer noch nie“, begründete Rennchef Gerhard Urain die Entscheidung seines Arbeitgebers, sich vom Steirer zu trennen.

Bis zum Ende der Titelkämpfe im Fleimstal darf der 35-Jährige das Material „aufgrund unserer guten Beziehungen zum ÖSV“ noch verwenden, danach tritt Stecher unter neuem Ausrüster an.

"Der Schritt war richtig"

In der Öffentlichkeit wird das Thema seit Tagen heiß diskutiert, ein Gros der Leute steht dabei hinter dem Athleten.

„Egal, ob positive oder negative Resonanzen: Ich glaube noch immer, dass mein Schritt der richtige war“, steht der Routinier auf Nachfrage von LAOLA1 voll und ganz hinter seiner Entscheidung.

Er habe die Wahrheit gesagt und freue sich nun darüber, dass es viele Reaktionen darauf gibt. „Da sieht man, wie wichtig die Kombination ist – auch die Firma Fischer braucht die Kombination. Das sollte man überdenken.“

Stecher hatte urgiert, dass man bei Fischer keinen Wert auf die vermeintliche Königsdisziplin des nordischen Skisports legt und stattdessen vor allem Langlauf-Stars wie Petter Northug das beste Material zukommen lässt.

Das Fass war übergelaufen

Kritisiert wurde am Verhalten des im Pitztal wohnenden Steirers, dass er sich über die Medien Luft verschaffte und die Angelegenheit nicht intern geklärt hat. Hat es denn zuvor bereits Gespräche gegeben?

„Es war sehr spontan, dass ich so an die Öffentlichkeit gehe, aber doch auch reiflich überlegt. Natürlich redet man über das ganze Jahr miteinander. Man hört auch, was die Firma so sagt. Irgendwann läuft das Fass über und jetzt war das eben so.“

Es wirkt so, als sei es Stecher ein besonderes Anliegen, die Position des Sportlers, der häufig als Marionette agiert, zu stärken, ihm mehr Gehör zu verschaffen.

„Man sollte nicht immer alles beschönigen“, stellt er klar. „Es wird zu viel mit uns Sportlern gespielt. Es war an der Zeit, dass einer von uns den Mut hat, etwas gegen die scheinbaren Chefitäten zu sagen.“

Keine konkreten Gespräche

Konkrete Gespräche mit anderen Firmen habe es vorerst noch keine gegeben, doch der 35-Jährige wirkt höchst zuversichtlich, rasch eine neue „Heimat“ zu finden, um mit neuem Material wieder durchzustarten.

„Ich glaube, dass ich als grader Michl dastehe und das sollte mir zugute kommen.“

Auch viele Kollegen stehen hinter ihm, wenngleich sich diese aufgrund der Vorfälle der letzten Tage lieber zurückhalten.

Das Feedback sei aber „sehr positiv. Es wurde gut aufgenommen und ich kann mich nur wiederholen. Es war die richtige Lösung.“

Denifls Start "verdient"

Eine solche liegt im österreichischen Kombinierer-Team auch vor, was die Aufstellung für den am Samstag stattfindenden Teamsprint betrifft.

Bernhard Gruber war nach seiner Silbermedaille ohnehin gesetzt, Stecher wurde von Cheftrainer Christoph Eugen im Vorfeld ebenfalls im Zwei-Mann-Aufgebot gesehen. Der ruderte allerdings zurück.

„Man muss dem Ganzen realistisch entgegensehen. Willi (Denifl) hat eine sehr gute Leistung geboten (Platz sechs, Anm.). Ich werde das noch mit Christoph ausreden, aber ich denke, dass Willi das Rennen bestreiten wird", kündigte er an.

Inzwischen haben die Trainer-Athleten-Gespräche bereits stattgefunden, der ÖSV gab das Duo Gruber/Denifl als Teilnehmer bekannt.

Laut Stecher eine nachvollziehbare Entscheidung, denn sein Tiroler Teamkollege, der im Fleimstal vor zehn Jahren mit dem Team Weltmeister wurde und bereits im klassischen Teamwettkampf eine tolle Vorstellung abrief, hätte es sich „verdient“, noch einmal um Gold, Silber und Bronze kämpfen zu dürfen.

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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