Rollenverteilung: Vom Schweiger zum Schmähbruder

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Abhaken, vergessen, neu fokussieren.

Nach den ersten zwei WM-Bewerben in Falun halten Österreichs Nordische Kombinierer keine Medaille in den Händen.

Der Druck vor dem Einzelbewerb auf der Großschanze ist gewachsen, es soll endlich Edelmetall her.

Cheftrainer Christoph Eugen hat umgestellt und im Vergleich zum ersten Einzel Wilhelm Denifl und Philipp Orter rausgenommen. Neu hinzugekommen sind Sepp Schneider, der schon im Teambewerb eine Chance erhielt, und Altmeister Christoph Bieler.

Gesetzt im rot-weiß-roten Quartett waren die beiden Saisonsieger Bernhard Gruber und Lukas Klapfer.

LAOLA1 hat sich mit den Protagonisten über die Rollenverteilung im ÖSV-Team und ihre Chancen unterhalten.

LUKAS KLAPFER

Der Schmähbruder

Ist Lukas Klapfer zugegen, wird automatisch viel gelacht. "Ich bringe einen Schmäh in die Gruppe", weiß der Steirer, der versucht, "mit meiner Klappe zu arbeiten." Inzwischen lautet das Motto beim 29-Jährigen: Große Klappe, viel dahinter!

Klapfer galt jahrelang als "ewiges Talent", mit Olympia-Bronze im letzten Jahr und seinem ersten Weltcupsieg in diesem hat er endlich den Sprung in die Weltspitze geschafft. Dabei hat er sich von den Besten einiges abgeschaut. "Im Sprungbereich kann man von Christoph (Bieler) sehr stark profitieren. Laufmäßig war Felix (Gottwald) ein großes Vorbild."

Klapfer genießt es, im Fokus zu stehen. "Ich war ja leider immer ein Wackelkandidat." Jetzt ist er begehrter Gesprächspartner und bringt zudem konstant gute Leistungen. Die Großschanze gefällt ihm ("Das gute Gefühl habe ich verinnerlicht"), in der Loipe ist er ohnehin einer der Stärksten. Mit Klapfer wird zu rechnen sein.

BERNHARD GRUBER

Der Entertainer

Der Salzburger hat sich nicht nur als exzellenter Kombinierer, sondern auch auch als genialer Musiker einen Namen gemacht. "Ich bin ein Unterhalter", stellte er deshalb fest, "ich bin einfach aufgeweckt und mache auch gerne einen Schmäh. Wenn jemand blödelt, dann sind es meistens Luk und ich."

Zeit zum Blödeln bleibt am Donnerstag allerdings nicht, dann wird es wieder ernst bei der WM. Nach den Niederlagen im ersten Einzel- sowie im Teambewerb wollen die rot-weiß-roten Kombinierer zurückschlagen. "Die Voraussetzungen sind gegeben", ist der 32-jährige Salzburger guter Dinge.

Mit der Schanze hat er sich schnell angefreundet, diese lasse zudem "viel zu", was Weitendifferenzen betrifft. "Ich fühle mich sehr wohl". Seine Langlauf-Klasse hat er bereits zweimal bewiesen, den Rhythmus selbiger hat er verinnerlicht. Grubers Erfolgsgeheimnis: "Man muss das Streckenprofil lesen." Gelingt ihm das auch heute, ist er neben Klapfer Österreichs heißestes Eisen.

SEPP SCHNEIDER

Der Schweiger

"Ich versuche, die Sachen kurz und knackig zu halten", erklärte der Vorarlberger gegenüber LAOLA1. Er ist keiner, der groß auf den Tisch haut, wenn ihm etwas nicht passt, sondern bleibt sachlich. "Ich probiere, ruhig zu bleiben, das kann ich auch relativ gut."

Relativ gut klappt es auch im Springen und Laufen. Zuletzt wurde er im Val di Fiemme Vierter und schrammte hauchdünn am Podest vorbei. Zugleich sicherte er sich damit auf den letzten Drücker sein WM-Ticket. Im Teambewerb kam er überraschend bereits zum Einsatz, auf der Großschanze darf er zum ersten Mal in einem Einzelbewerb eines Großereignisses aufzeigen.

"Bei der WM zählen nur die ersten Drei", ist dem 23-Jährigen die hohe Erwartungshaltung bewusst, er wolle daher das Optimum herausholen. Dabei könnte Schneider in die Karten spielen, dass er selbst ÖSV-intern als Außenseiter gehandelt wird. Von Anspannung merkt er allerdings ohnehin nichts, wie er verriet. "Auf Druck lege ich keinen Wert. Es ist ein Wettkampf wie jeder andere."

CHRISTOPH BIELER

Der "Vize"

Wenn Sepp Schneider spricht, hat "Bieles" zwar große Verständigungsprobleme ("Wenn einer Russisch redet, verstehe ich gleich viel"), doch auch mit dem Vorarlberger kommt er bestens aus. "Als Sepp zur Mannschaft gestoßen ist, hat er gemeint, Mario (Stecher) sei der Präsi und ich der Vize. Der Name ist bei mir hängen geblieben."

Aufgrund seiner großen Routine wird der 37-jährige "Team-Papa" häufig um Rat gebeten. Selbst während seiner Verletzungspause bekam er Anrufe. Die Jungen schätzen seine Erfahrung und Aufgeschlossenheit, denn Bieler gehört seit mehr als 15 Jahren zu den stärksten Springern im Feld. "Ich hatte viele Trainer, da musst du dir wie ein Vogel die Körner rauspicken."

Läuferisch dagegen tat er sich nach seinem schweren Sturz in der Ramsau, Bieler erlitt mehrere Rippenbrüche, sehr schwer. "Keiner kann sagen, wo ich genau stehe." Bieler ist die Wundertüte im ÖSV-Quartett. Zwar will er nicht so weit gehen, zu sagen, ein Wunder sei für eine Medaille nötig, der Tiroler ist aber Realist genug, um zu wissen: "Es muss schon eine sehr gute Konstellation eintreten."


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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