Stadlober: Ja zum ÖSV, aber unter einer Bedingung

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Für Teresa Stadlober ist die Nordische Ski-Weltmeisterschaft Neuland.

Die 20-Jährige ist erstmals bei den Senioren dabei und schlägt sich bislang höchst beachtlich.

Im Skiathlon landete sie an 29. Position, über 10 Kilometer Skating wurde die Salzburgerin sogar 26.

Zwei bemerkenswerte Ergebnisse in Anbetracht der Tatsache, dass die Junioren-Weltmeisterin von Liberec ansonsten vorwiegend im Alpencup bzw. bei FIS-Rennen am Start steht.

Entsprechend positiv fällt ihr bisheriges Resümee aus.

Die Nervosität im Griff

„Es ist wirklich super gelaufen. Ich hatte natürlich viele Erwartungen, aber wie es wirklich sein würde, konnte ich mir kaum vorstellen“, so Stadlober im Gespräch mit LAOLA1.

Die vielen TV-Stationen, die Zuschauer, dazu die ganzen Stars – Österreichs Langlauf-Hoffnung ist stolz auf sich selbst, dass sie die Nervosität so gut in den Griff bekam.

Nun mit den besten Athleten der Welt starten zu dürfen, sei der Lohn für die harte Arbeit der vergangenen Jahre. „Man trainiert über Jahre auf so etwas hin. Umso schöner ist es, wenn es dann gut läuft. Dass es aber in dieser Saison so gut gehen würde, war nicht absehbar.“

Der Vater als Trainer

Ein wichtiger Erfolgsbaustein ist für Stadlober Vater Alois, der selbst über viele Jahre im Langlauf-Weltcup tätig war, mit der Staffel 1999 WM-Gold gewann und inzwischen als Trainer fungiert.

Doch auch Mama Roswitha, eine der besten Slalomläuferinnen der 80er Jahre, übe großen Einfluss auf sie aus.

„Beide nehmen einen großen Platz in meinem Leben ein. Etwas mehr Einfluss hat mein Papa, was auch naheliegt, da er ja selbst vom Langlauf kommt. Aber auch Mama unterstützt uns – mich und meinen Bruder Luis – tatkräftig.“

Vergleichbar mit Johaug

Echte Vorbilder habe sie zwar keine, da sie ihren eigenen Weg gehen wolle, doch könne man sie ein bisschen mit Therese Johaug vergleichen. „Wir sind von ähnlicher Statur und kommen auch über die Frequenz und nicht über die Kraft.“

Zudem bewundert sie an der Norwegerin, dass diese schon in jungen Jahren den Sprung in die Weltspitze schaffte.

Schon immer eine sportliche Familie: Die Stadlobers anno 2002

Zwar startet Stadlober, die sich als „sehr zielstrebig und ehrgeizig“ bezeichnet, aber auch immer "ein offenes Ohr für andere" hat, unter rot-weiß-roter Flagge, dem Österreichischen Skiverband gehört sich nach Differenzen allerdings nicht mehr an.

"Papa hat das letzte Wort"

„Ich wollte, dass mein Papa bei meinem Training mitredet. Der ÖSV wollte das nicht so recht und deshalb sind wir auf keinen gemeinsamen Weg gekommen.“ Es sei schließlich ihr Wille gewesen, es auf eigene Faust als Team Stadlober zu versuchen.

Seither läuft es für den Blondschopf nach Wunsch, der Abstand zur Weltspitze wurde binnen weniger Monate deutlich verkürzt. Teresa und Papa Alois kommen bestens miteinander aus, was sich auch auf die Leistung auswirkt.

Gibt es unterschiedliche Auffassungen punkto Training, werde das sachlich und nüchtern ausdiskutiert. Die 20-Jährige gibt aber offen zu: „Das letzte Wort hat meistens der Papa.“

Rückkehr unter einer Bedingung

Mitspracherecht hätte auch gerne der ÖSV. Markus Gandler, der Sportliche Leiter im Verband, wünscht sich eine Zusammenarbeit der beiden Parteien und meinte, seine Tür sei „weit offen“.

Der Tiroler ging damit einen Schritt auf die Stadlobers zu, Teresa will sich dem nicht verschließen.

„Man muss sich eben wieder zusammensetzen und das ausreden. Jeder hat seine Vorstellungen. Nur, wenn wir alle zufrieden sind, können wir einen gemeinsamen Weg gehen.“ Sollte das gelingen, würde sie auch wieder zum ÖSV zurückkehren.

Die Salzburgerin stellt allerdings eine Bedingung: „Papa soll die Entscheidungsgewalt haben, was mein Training betrifft.“

Erste Staffel seit 1989

Ein erstes Gespräch zwischen den langjährigen Weggefährten Gandler und Stadlober fand bereits statt, Teresa wird erst nach der WM hinzugezogen.

Für sie geht es zunächst noch darum, mit der ersten WM-Damen-Staffel seit 1989 eine respektable Leistung abzurufen.

Das wird schwierig genug, denn die rot-weiß-roten Langläuferinnen waren in den letzten Jahren nur ein kleiner Fleck auf der internationalen Landkarte.

„Es ist schade, dass wir so wenige sind. Andererseits ist es auch nachvollziehbar, da der Erfolg lange ausblieb“, so Stadlober.

Die Galionsfiguren fehlen

Im Alpinbereich gebe es aufgrund der Erfolge der letzten Jahre zahlreiche Vorbilder, die die Kids animieren, es selbst zu versuchen. Im Langlauf fehlten diese Galionsfiguren.

„Jetzt, wo einige gute Leute da sind, hoffe ich doch, dass sich das ändert und die Eltern ihre Kinder wieder vermehrt zum Langlauf schicken.“

Sie selbst könnte zu einem dieser Vorbilder heranwachsen. Dass sie das Talent dazu hat, hat sie schon oft genug gezeigt.

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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