Ein Abstieg erhobenen Hauptes

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Kampfgeist gegen effektive Russen nicht belohnt

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Der Traum ist ausgeträumt. Österreich muss den Klassenerhalt ad acta legen.

Nach dem 3:1-Erfolg Lettlands über Frankreich, hätten die ÖEHV-Cracks im abschließenden Spiel der Weltmeisterschaft in Helsinki gegen Russland zumindest einen Punkt gebraucht, um die besser platzierten Balten nochmals unter Zugzwang zu setzen.

Am Ende behielt der Titelverteidiger aber mit 8:4 (3:3,1:3.0:2) die Oberhand und schickte den Aufsteiger somit wieder auf direktem Wege in die Zweitklassigkeit.

Österreich drehte 0:2-Rückstand

Als wäre die Ausgangslage, gegen den Weltmeister punkten zu müssen, nicht ohnehin schon schwer genug, so schockten die Russen den nunmehrigen Absteiger bereits nach 1:25 Minuten.

Alexander Perezhogin brachte sein Team mit dem ersten Schuss in Führung, WM-Debütant Rene Swette sah allerdings nicht gut aus und musste den Puck zwischen den Schonern passieren lassen. Ilya Kovalchuk vollendete in Minute acht eine schöne Kombination und erhöhte auf 2:0 für die Russen.

Postwendend kam aber die Antwort von Matthias Iberer (9.), der nach einem Schuss von Robert Lukas den Rebound unter die Latte hämmerte. Nur 15 Sekunden später, Artyom Anisimov saß auf der Strafbank, fälschte Thomas Vanek einen Schuss von Thomas Pöck unmittelbar vor dem Tor ab und sorgte zur Verblüffung des Weltmeisters für den Ausgleich.

Doch damit waren die Österreicher noch nicht am Ende. Nachdem bereits Michael Raffl (11.) und Manuel Latusa (12.) gute Möglichkeiten zur Führung ausgelassen hatten, traf der Villacher, erneut im Powerplay, zum dritten Mal binnen sechs Minuten für Rot-Weiß-Rot. Vanek sah seinen Mitspieler vor dem Tor in Position gehen, schupfte ihm die Scheibe zu und Raffl ließ nur abtropfen.

Die Russen schlugen aber noch vor der Pause zurück. Mit zwei unnötigen Strafen ermöglichte die ÖEHV-Mannschaft der „Sbornaja“ ein 40 Sekunden dauerndes Fünf gegen Drei, welches der Favorit bereits nach der Hälfte der Zeit in Person von Ilya Nikulin (19.) zu nutzen wusste.

Die Enttäuschng war der Mannschaft ins Gesicht geschrieben

Manny Viveiros (Teamchef Österreich): "Es ist sehr, sehr bitter weil wir glauben, dass wir nicht die schlechteste Mannschaft dieser Gruppe waren. Wir haben besser gespielt als andere Mannschaften. Die ersten fünf Partien hätten wir alle gewinnen können, da waren wir oft die bessere Mannschaft. Dass wir wieder in der B-Gruppe sind, das ist wegen der ersten fünf Partien. Wir sind wirklich enttäuscht.

Wir haben heute gedacht, dass wir eine Chance haben. Wir haben ein paar Fehler in unserem Drittel gemacht, die haben uns das Spiel gekostet. Wir haben heute genug Tore gemacht und hatten genug Chancen, aber wir haben leichte Tore bekommen. Gegen so eine gute Mannschaft kannst du nicht so viele Torchancen zulassen. Sie machen aus einer Chance ein Tor und wir brauchen oft fünf Chancen dafür. Das ist der Unterschied zwischen dem russischen und dem österreichischen Eishockey."

Dieter Kalt (Verbandspräsident Österreich): "Die Mannschaft hat sich hier besser verkauft als in den letzten neun Jahren. Das ist auch international anerkannt worden. Zudem haben wir auch die Olympia-Qualifikation geschafft, sind dort unter den zwölf Besten der Welt. Wir werden einfach weiterarbeiten, man kann nicht erwarten, dass man von heute auf morgen alles besser macht. Wir haben viele Spiele auf Augenhöhe gespielt, das trägt dazu bei, dass unsere Spieler lernen, auf diesem Niveau zu spielen. Helfen würde uns, wenn wir zehn Spiele in jeder Saison gegen Finnland oder Russland spielen würden. Aber diese Chance bekommen wir nicht. Gefallen hat mir an der Mannschaft, dass man nie aufgesteckt hat, dass man selbst bei zwei, drei Toren Rückstand immer gekämpft hat."

Thomas Pöck (Verteidiger Österreich): "Wir haben alles probiert, vier Tore geschossen, natürlich musst du dann aufmachen. Man hat aber eindeutig gesehen, dass das von ihnen ein Schongang war, so ehrlich muss man sein. Sie sind wahrscheinlich zwei Level über uns. Wir haben brav mitgespielt, gekämpft, alles gegeben, was in uns drin war. Das siebente Spiel in neun Tagen gegen eine Mannschaft die um so viel stärker ist und du musst einen Punkt machen - es hat nicht gereicht. Und es kommt auch dazu, dass jeder Schuss reingegangen ist. Aber Kovalchuk hat schon anderen Leuten Tore geschossen. Wir sind hergekommen und haben in jedem Spiel alles probiert. Vielleicht musst du gegen Deutschland solche Tore schießen wie heute gegen Russland. Es waren ein paar Gegner dabei, die wir hätten schlagen können. Wenn man an Frankreich denkt, zwei Minuten, zwei Fehler, das darf nicht passieren bei so einem wichtigen Spiel. Es hat halt nicht geklappt."

Thomas Vanek (Stürmer Österreich): "Wenn man absteigt, kann man nicht sehr stolz sein. Aber wir haben in jedem Spiel gekämpft, es hat leider nicht gereicht. Das tut weh. Wir haben unsere Chancen gehabt. Der Abstieg ist sehr bitter. So knapp dran waren wir noch nie. Es war mehr drinnen, vielleicht waren wir nicht kaltschnäuzig genug. Leider haben wir ein paar dumme Tore bekommen. Nichts gegen unsere Tormänner, aber wenn der Rückhalt nicht passt, ist es schwer zu gewinnen. Starkbaum hat uns ja gegen die Slowakei auch den Sieg gerettet. Jetzt haben wir den Russen vier Tore geschossen, vor dem Spiel hätten wir das gerne angenommen. Diese WM-Teilnahme hat mir am meisten Spaß gemacht."

Effektive Russen

Nach der Pause blieb Rene Swette auf der Bank, er musste von fünf Schüssen drei passieren lassen, und wurde durch Bernhard Starkbaum ersetzt. Doch auch der Einstand des Einser-Goalies verlief nicht nach Wunsch.

Obwohl die ÖEHV-Cracks weiterhin munter mitspielten, waren es die Russen, die wieder vorlegten. Eine unnötige Strafe von Thomas Hundertpfund (Spielverzögerung) brachte ein erneutes Powerplay für den Weltmeister und Alexander Radulov überwand mit einem Schuss aus dem Bullykreis den neuen österreichischen Schlussmann.

Die Viveiros-Truppe steckte aber nicht auf, kämpfte weiter und kam durch ein Billard-Tor, welches Florian Iberer zugesprochen wurde, zum 4:4. Der Verteidiger spielte den Puck in die Mitte, vom Schlittschuh Nikulins spickte die Scheibe ins Netz.

Die Russen legten aber erneut vor, ohne aber spielerisch zu überzeugen. Zunächst traf Sergey Mozyakin (32.) per Abpraller, danach setzte Sergei Soin im Konter, nach einem schweren Abspielfehler der Österreicher, in Unterzahl noch einen drauf.

Früher Treffer brach Widerstand

So ging es mit 4:6 aus Sicht der ÖEHV-Auswahl in die zweite Pause. Der Weltmeister brachte das Kunststück zu Wege, nur zwölf Mal in 40 Minuten aufs Tor zu schießen und daraus ein halbes Dutzend Tore zu erzielen. Die Österreicher hingegen brauchten für ihre Treffer 26 Schüsse.

Im Schlussdrittel versetzten die Russen den Österreichern dann, wenn auch etwas glücklich, nach zwei Minuten den „Todesstoß“. Nikita Zaitsev traf Lukas am Oberschenkel, von dort ging der Puck unhaltbar ins Kreuzeck. Nach dem 7:4 kam von den Österreichern nicht mehr viel und der Weltmeister kombinierte sich noch zu einem weiteren Treffer durch Yevgeni Kuznetsov (50.).

Am Ende hieß es 8:4 für den Weltmeister, der unfassbare 44 Prozent seiner Schüsse aufs Tor verwertete und somit äußert brav kämpfende Österreicher mit erschreckender Effektivität zurück in die B-Gruppe schickte.

Aufsteiger wieder runter

Durch die Niederlage steht Österreich nämlich als Absteiger fest. Nach zwei Siegen gegen Lettland (6:3) und die Slowakei (2:1 n.P.) und Niederlagen gegen die USA (3:5), Frankreich (1:3), Deutschland (0:2), Finnland (2:7) und eben die Russen (4:8), hält die rot-weiß-rote Auswahl bei fünf Punkten.

Die Letten hingegen können auf sechs Zähler verweisen und haben am Dienstag sogar noch die Chance gegen Finnland ihr Konto aufzustocken, während die WM für Österreich vorbei ist.

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