Der Teamchef zieht erste Bilanz

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Heute Abend endet für Österreichs Eishockey-Team mit dem letzten Gruppenspiel gegen den amtierenden Champion Russland die Weltmeisterschaft in Helsinki.

Teamchef Manny Viveiros hofft, den klaren Favoriten ärgern zu können, um vielleicht den einen oder anderen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt zu holen.

Vor der Partie gegen den Titelverteidiger stand der Teamchef Rede und Antwort, zog eine erste WM-Bilanz und sprach...

...über die Kadersituation vor dem Russlandspiel.

Thomas Koch (Augenverletzung) und Gerhard Unterluggauer (Abduktoren) werden nicht spielen können. Sven Klimbacher kehrt wieder zurück in den Kader. Wir werden wahrscheinlich mit einem Verteidiger im Sturm spielen und diese Aufgabe wird Johannes Reichel zuteil werden. Rene Swette wird im Tor spielen.

...über das bevorstehende A-WM-Debüt von Rene Swette.

Er braucht diese Erfahrung. Ich wollte ihm die Chance eigentlich schon früher geben, aber Bernhard Starkbaum war wirklich gut. Für die Zukunft ist es wichtig, dass Swette die Chance bekommt, solche Erfahrungen zu machen. Starkbaum, Swette und Fabian Weinhandl gehört die Zukunft im Nationalteam. Was könnte besser sein, als gegen Russland sein Debüt zu feiern. Ihm ist es egal, wer der Gegner ist, er nimmt das ganz locker.

...über die Niederlage der Russen gegen Frankreich.

Das kann passieren. Russland spielt mit sehr viel Talent, das Passspiel und das Skill-Niveau ist wahnsinnig hoch. Was die mit der Scheibe machen, ist ein Wahnsinn. Einer solch talentierten Mannschaft kann es dann schon mal passieren, dass sie sich zu sehr in Einzelaktionen verstricken und dann geht nichts mehr zusammen. Vielleicht haben sie die Franzosen auch ein wenig unterschätzt.

...die Chance gegen den Weltmeister zu punkten.

Wir glauben daran, dass wir unsere Möglichkeiten bekommen. Auch gegen die Finnen hatten wir Chancen, aber wir müssen die nicht notwendigen Torchancen des Gegners verhindern und hinten kompakt stehen.

...die Ursache für die Fehler gegen Finnland.

Der Hauptgrund war unsere Müdigkeit. Im Kopf und körperlich waren wir immer einen Schritt hinten nach, weil wir komplett leer waren. Diese Mannschaften spielen sehr schnell und da müssen wir schon unser bestes Eishockey zeigen, um bestehen zu können.

...den Spielplan.

So ist es nun mal als Aufsteiger. Wenn wir auf A-Niveau bleiben, haben wir im kommenden Jahr sicherlich eine bessere Auslosung, aber die muss man sich erst mal verdienen. Wir können da nicht mitreden.

...die mangelnden Chancenauswertung in diesem Turnier.

Es stimmt, dass wir gute Möglichkeiten vorfinden, aber man muss nur einen Blick auf unseren Kader werfen. Verteidiger Mario Altmann war der drittbeste österreichische Scorer in diesem Jahr in der EBEL. Koch und Matthias Iberer waren mit 18 Toren die besten heimischen Torschützen. Ich will nicht negativ sein, aber was das betrifft, haben die anderen Nationen schlicht mehr Qualität. Die Wahrheit ist, dass wir mit Vanek einen Weltklasse-Torjäger haben, vielleicht noch zwei weitere gute Scorer haben, aber der Rest sind gute Zwei-Wege-Stürmer. Uns fehlen auch einige Spieler, wie Thomas Raffl, Andreas Nödl und nicht zu vergessen Michael Grabner, in der Defensive geht Matthias Trattnig ab. Mit diesen Spielern hätten wir vielleicht eine realistische Chance auf ein Viertelfinale gehabt. Fünf der sechs Spiele hätten wir gewinnen können.

...über den punktelosen Kapitän Koch.

Mit ihm bin ich absolut zufrieden. Er ist ein Top-Kapitän und er macht so viele Kleinigkeiten richtig. Viele schauen bei ihm nur auf die Punkte, aber wenn man sieht, was er ohne die Scheibe macht und wie er defensiv arbeitet, ist das beeindruckend. Er ist ein sehr kluger Spieler und es geht nicht immer nur um die Punkte. Er wäre der letzte Spieler, bei dem ich befürchten würde, dass er nicht in jedem Spiel 120 Prozent gibt.

...das nächste Level, das seit Kosice 2011 erreicht wurde.

Die Einstellung, die Identität und der Glaube der Spieler ist eine andere als noch vor zwei Jahren. Alle Spieler wollen dem Programm helfen, einen neuen, erfolgreichen Weg einzuschlagen. Der Zusammenhalt ist beeindruckend, wie man trotz der hohen Niederlage gegen Finnland gesehen hat, als alle bis zur letzten Sekunde gekämpft haben. Nicht zu vergessen, wir haben auch gute Spieler im Kader.

...über die Überraschungen bei dieser WM.

Überrascht hat es mich nicht, aber Thomas Hundertpfund, Raphael Herburger und Andre Lakos spielen ein sehr gutes Turnier. Ich kann aber keinen nennen, der schlecht gespielt hat. Die jungen Spieler waren bei ihren ersten Spielen auf A-Niveau vielleicht ein wenig zu sehr beeindruckt, aber sie sind nun voll im Turnier. Es ist nicht leicht für die jungen Cracks, denn „Lights and Glamours“ sind hier doch ein wenig anders, als sie das gewohnt sind.

...über die 214 Schüsse die man in sechs Spielen zugelassen hat.

Dazu muss man anmerken, dass 80 Prozent der Tore aus dem Raum erzielt werden, der unmittelbar vor dem Tor ist. Schüsse von außen, dürfen wir zulassen. Wenn wir auf diesem Niveau Mann gegen Mann spielen, dann haben wir keine Chance. Das kannst du vergessen. Als Österreich musst du es so anlegen, denn die anderen Team sind einfach talentierter. Unser defensives System ermöglicht es, konkurrenzfähig zu sein. Wir sind nicht passiv, aber es bringt uns nicht, wenn wir alle Spieler hoch haben.

Viveiros lobt die Breakaway-Situationen

...das funktionierende defensive System.

Es ist für uns immens wichtig, dass wir ein System gefunden haben, welches greift. Wir haben vor einem Jahr damit angefangen und die Spieler haben es mittlerweile schon ein wenig verinnerlicht und es ist nicht mehr alles komplett neu, wenn sie zur Nationalmannschaft kommen. Unser Forechecking funktioniert sehr gut und ich glaube nicht, dass es eine andere Mannschaft in der Gruppe gibt, die so viele Chancen aus dem Forechecking kreiert. Der Grund ist die gute Balance zwischen Angriff und der kompakten Verteidigung.

...die Defensiv-Arbeit von Thomas Vanek.

So wird in der NHL gespielt und wir können sehr gut damit leben. Wir wissen wie gefährlich er ist, wenn er die Scheibe hat. Wenn man so einen talentierten Spieler hat, erlaubst du ihm manchmal eine längere Leine. Die Breakaways die er hat, kommen durch seine Antizipation. Da müssen die anderen dann eben ein bisschen mehr aushelfen. Ilya Kovalchuk spielt das auch so und mit ihm alle Leute auf diesem Niveau. Torjäger sind speziell. Was er vor dem Tor macht, ist ein Wahnsinn. Seine ersten Schritte sind einfach stark. Mir ging es bei dieser WM schon mehrfach so, dass ich unsere Verteidigung beobachte, dann schießen wir den Puck raus und ich denke nur „Was machst du, das wird Icing“, doch plötzlich ist Vanek an der Scheibe und fährt den Konter. Er weiß genau, wo die Scheibe hinkommen wird, das kannst du nicht lernen.

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