"Haben uns den Arsch aufgerissen"

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Am Ende blieb ein heroischer Kampf unbelohnt. Die österreichische Nationalmannschaft kam gegen Finnland mit 2:7 unter die Räder, obwohl man aufopferungsvoll fightete und zu Beginn des dritten Drittels sogar den Anschlusstreffer zum 2:3 erzielte und das Momentum eigentlich auf seiner Seite hatte.

„Fight hin oder her, wir haben zwar gezeigt, dass wir mitspielen können und in den ersten beiden Dritteln auch brav verteidigt, aber die Art und Weise, wie wir dann hinten aufgemacht haben, kann man sich gegen eine solche Nation nicht erlauben“, übte Keeper Bernhard Starkbaum Kritik.

Vom System abgewichen

Von der 50. bis zur 57. Minute mussten die Österreicher nicht weniger als vier Gegentore hinnehmen.

„Wir haben nicht mehr das gespielt, was wir uns vorgenommen haben. Ich konnte der Mannschaft nicht mehr den Rückhalt geben, den sie gebraucht hätte. Hinten haben wir zu viele Fehler gemacht und die Finnen nützen solche Geschenke natürlich aus“, nahm sich der Schlussmann, der wie schon gegen die Slowakei 43 Schüsse auf sein Tor bekam, nicht aus.

Die Gegentreffer gegen Ende des Spiels waren neben der Aufgabe des Systems auch dem hohen Kräfteverschleiß geschuldet, da man aufgrund zahlreicher Strafen, vielfach in Unterzahl bestehen musste.

„Du versuchst dein Bestes, um die Tore zu verhindern, aber eine solche Klassemannschaft wird die Chancen im Powerplay bekommen, das kannst du fast nicht vermeiden. Wir haben praktisch ein ganzes Drittel in Unterzahl gespielt. Am Schluss hat uns dann die Kraft, die wir da liegen gelassen haben, gefehlt“, bestätigte Verteidiger Andre Lakos, der zum besten Spieler der Partie gewählt wurde.

Alte Tugenden gegen Russland

Ein weiterer wichtiger Aspekt wäre das Überzahlspiel. Bei dieser Weltmeisterschaft hat das ÖEHV-Team aus 30 Minuten in Überzahl lediglich einen Treffer erzielt. Lakos hämmerte den Puck gegen Lettland in die Maschen.

„Das ist natürlich zu wenig. Aber vielleicht gehen gegen die Russen ein paar rein“, lachte Lakos. Sollte dies aber nicht der Fall sein, müssen sich die Österreicher eben auf bewährten Tugenden verlassen, die man bei dieser WM bereits gezeigt hatte.

Durch Disziplin von der Strafbank fernhalten, Einhalten des Systems und Kampfgeist. „Ich gebe immer alles für Österreich und werde dies auch gegen Russland wieder tun“, versprach Lakos.

Schiedsrichter mit fragwürdigen Pfiffen

Weder Spieler noch Trainer suchten nach der Partie nach Ausreden, dennoch wurde was Thema Schiedsrichter angesprochen, die zum einen sehr kleinlich, zum anderen tendenziell für das Heimteam gepfiffen haben.

„Die Schiedsrichter waren nicht unbedingt auf unserer Seite, aber das kannst du eben nicht verhindern, wenn du vor dieser Kulisse spielst. Das war Kacke, aber was willst du machen. Ein paar Situationen wurden nicht zu unserer Gunsten ausgelegt und wir hätten sicher drei, vier Powerplays mehr haben können. So haben wir uns den Arsch in Unterzahl aufgerissen“, führte Lakos weiter aus.

Teamchef Manny Viveiros stellte zwar das Ergebnis wenig überraschend nicht zufrieden, die Einstellung seiner Truppe machte den Austro-Kanadier aber zum wiederholten Male bei diesem Turnier stolz.

„Wir waren komplett leer. Sechs Spiele in acht Tagen sind ein hoher Kraftaufwand. Gegen diese Mannschaft kostet das Unterzahlspiel sehr viel Energie. Aber wir haben uns auf 2:3 herangekämpft. Es gab keine Minute in diesem Spiel, in welchem die Jungs nicht weitergefightet haben. Diese Leidenschaft beeindruckt mich. Die Finnen sind eine der Top-Nation der Welt und eine Klasse über uns zu stellen“, lobte der Head Coach seine Mannschaft.

Tolle Kulisse, tolle Fans

Trotz der Klatsche, die es am Ende doch geworden war, nahmen die Spieler aus dem Erlebten sehr viel mit. Die Atmosphäre in der Halle beeindruckte nicht nur die jüngeren Nationalspieler.

„Die Stimmung war schon toll und bei der Nationalhymne bekommst du dann auch als erfahrener Spieler ein bisschen Gänsehaut. Das ist ein schönes Gefühl, denn die finnischen Anhänger sind tolle Eishockey-Fans und es ist eine tolle WM“, erklärte Lakos.

Im letzten Spiel am Montag trifft die rot-weiß-rote Auswahl nun auf den amtierenden Weltmeister Russland. Obwohl man mittlerweile fünf Punkte auf dem Konto hat, ist der Klassenerhalt noch lange nicht in trockenen Tüchern. So wären weitere Punkte gegen den haushohen Favoriten natürlich nicht schlecht. Wie das zu bewerkstelligen ist und wie man verhindert, dass man wie gegen den Gastgeber am Ende auseinanderbricht, weiß Keeper Starkbaum.

„Wir müssen gegen Russland einfach kompakter unser System spielen als gegen Finnland. Wir müssen tiefer in unserer Zone stehen und nicht den Kopf hängen lassen, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Wir haben gegen die Slowaken gesehen, dass das System funktioniert“, gab der Goalie die Marschroute aus.

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