Der Exot fordert den Mitfavoriten

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Schließen sie die Augen und denken sie für einem Moment an Japan.

Welche Assoziation geht ihnen als erste durch den Kopf?

Beantworten muss diese Frage jeder für sich, dennoch kann man, ohne die Psyche eines einzelnen zu kennen, mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es Eishockey wohl nicht gewesen ist.

Das Land der aufgehenden Sonne und der Kufensport werden nicht miteinander in Verbindung gebracht.

Und dennoch wird der Sport seit über 100 Jahren im Inselstaat praktiziert. Seit 1930 nehmen die Asiaten bereits an Weltmeisterschaften teil, wobei ein sechster Platz beim ersten Antreten auch die beste Platzierung in der Geschichte des Landes ist.

Von C- auf A-Niveau

Nach einer weiteren WM-Teilnahme 1936 und einem zwölften Endrang, dauerte es auch aufgrund des zweiten Weltkrieges bis 1957, bevor sich wieder eine japanische Auswahl mit den besten dieser Welt messen konnte.

War man zunächst noch eine A-Nation, so stieg man Ende der 60er Jahre in den B-Pool ab und konnte sich dort, mit gelegentlichen Abstiegen in die C-Gruppe, größtenteils behaupten.

Von einem Wiederaufstieg in die Weltelite waren die Japaner bis 1997 meilenweit entfernt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Asiaten gerade zur Abwechslung mal in der C-Gruppe, als plötzlich die IIHF beschloss, Japan als beste asiatische Mannschaft in der Weltgruppe zu setzen.

Ein löblicher Gedanke, dass dies jedoch nicht funktionieren konnte, hätte den Verantwortlichen schon damals klar werden können. 2004 wurde diese Entscheidung revidiert und Japan spielte nach 32 Niederlagen in 36 Spielen (vier Unentschieden) folglich in den nächsten Jahren wieder zweitklassig.

Gegen Ungarn war Japan chancenlos

Österreicher sind gewarnt

Somit stellen die Japaner gemeinsam mit Südkorea und hinter den Kasachen, die im Vorjahr den Aufstieg in die A-Gruppe geschafft haben, die zweitbeste Eishockey-Nation Asiens.

Im ersten Spiel gegen Ungarn bei der B-WM setzte es zwar eine 1:5-Niederlage und auch gegen die Slowenen gab es im darauffolgenden Spiel eine 2:4-Pleite, dennoch dürfen die Asiaten nicht unterschätzt werden. Ihr taktisches Konzept ist vielleicht nicht immer erkennbar, aber genau das macht sie unberechenbar. Vor allem eisläuferisch sind sie auf sehr hohem Niveau.

Nicht umsonst hat man sich in den letzten Jahren als solide B-Nation etabliert und belegte seit 2006 immer den dritten Endrang.

Für die Österreicher, die immer wieder betonen keinen Gegner zu unterschätzen, ist die Aufgabe keine leichte. Nicht zuletzt aufgrund der Gechschichte, erwartet sich ein jeder einen klaren Erfolg. Seit nunmehr 33 Jahren hat keine ÖEHV-Auswahl mehr gegen Japan bei einer WM verloren. Alles andere als ein Sieg wäre eine faustdicke Überraschung.

Sollte es den Japaner jedoch wider erwarten gelingen, die Österreicher in die Knie zu zwingen, so wird so mancher Eishockey-Fan in der Alpenrepublik in Zukunft an Eishockey denken, wenn er die Augen schließt und nach einer Assoziation zu Japan sucht.

Sebastian Rauch

Kaum Gegner in Asien

In Asien sind sie aber gemeinsam mit Kasachstan eine der bestimmenden Mannschaften des Kontinents. Die Aufgabe ist jedoch auch bedeutend leichter, als sich in der Weltgruppe zu halten. So stellen China und Thailand zwar auch Nationalmannschaften, als Gegner kann man diese Auswahlen aber nicht bezeichnen.

So mussten sich Letztere bei ihrem ersten Länderspiel im Februar 2003 in Japan mit 0:39 geschlagen geben. Jedoch läuft Thailand auch außer Konkurrenz. Bei den Asien-Ozeanien Junioren-Meisterschaften 1998 besiegte das südkoreanische Team den thailändischen Nachwuchs mit 92:0.

Auch China kann eishockey-technisch nicht für voll genommen werden. Dort wird zwar schon bedeutend länger gespielt als in Thailand, seit 1920 konnten sich die Chinesen aber noch nie für eine Weltmeisterschaft qualifizieren.

Damit aber auch diese Mannschaften ihre internationalen Turniere bestreiten können, richtete man einen IIHF Challenge Cup of Asia ein, bei welchem Nationen wie Japan, Kasachstan sowie Süd- und Nordkorea nicht teilnehmen dürfen.

Denn auch die Koreaner spielen zwar nicht auf höchstem Niveau, doch sie nehmen an internationalen Turnieren teil. Während der Süden derzeit ebenfalls um den Einzug in die A-Gruppe kämpft, tritt der Norden in der dritten Division an.

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