Wie Phoenix aus der Asche

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Nach Rücktrittsgedanken folgt der Höhepunkt

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Gregor Baumgartner hat ein sensationelles Jahr hinter sich.

Mit den Black Wings Linz eilte der gebürtige Steirer von Sieg zu Sieg und feierte am Ende den verdienten Meistertitel in der Erste Bank Eishockey Liga.

Mit dem Nationalteam schaffte der Angreifer am Donnerstag bei der B-WM mit einem Sieg gegen Ungarn den Aufstieg zurück in die Weltelite. Beim 7:2-Erfolg steuerte er den letzten Treffer bei, es war bereits sein drittes Tor in diesem Turnier.

Dabei dachte der 32-jährige Flügelstürmer vor der Saison bereits ans Aufhören. Warum Baumgartner ein Karriereende in Betracht zog, wie seine Rolle im Nationalteam zu interpretieren ist und warum sich der Traum einer NHL-Laufbahn zerschlagen hat, erfährst du im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Gregor, wie zufrieden bist du mit deiner Leistung bei dieser B-WM?

Gregor Baumgartner: Die Leistung ist okay, wichtiger ist aber, dass wir als Mannschaft geschlossen aufgetreten sind. Es freut mich natürlich, wenn ich zum Erfolg etwas beitragen kann. Meine Aufgabe im Team ist aber eher die jungen Spieler zu führen und als Vorbild zu wirken.

LAOLA1: Es hieß immer wieder, Ziel ist es, eine Mannschaft aufzubauen. Ist da der Auftstieg nicht kontraproduktiv, wenn die Gefahr droht, dass man unmittelbar wieder absteigt?

Baumgartner: Wenn man so wie wir gewinnt, ist es ohnehin kein Thema, denn dann steigt man sportlich auf. Man muss den Weg mit den Jungen weitergehen und ich denke auch, dass man im nächsten Jahr mit dieser Mannschaft in der A-Gruppe bestehen kann. Es ist ein großer Niveau-Unterschied zwischen der A- und der B-Gruppe. Wir müssen aber nicht alle Spiele gewinnen, sondern uns darauf konzentrieren, dass wir ein, zwei gute Partien haben und dann kann man auch dort bestehen.

Baumgartner ist stolz ein Teil des ÖEHV-Teams zu sein

LAOLA1: Ärgert es dich im Nachhinein, dass es zu keinem NHL-Spiel gereicht hat?

Baumgartner: In den ersten paar Jahren habe ich sicher viel darüber nachgedacht, warum es nicht geklappt hat. Man braucht aber auch etwas Glück, um es in die NHL zu schaffen und vor allem konstante Leistungen und die waren bei mir nicht immer da. Letztendlich muss vieles zusammenpassen, um das Ganze zu schaffen.

LAOLA1: Du hast in Linz für ein weiteres Jahr unterschrieben. Kann man die letzte Saison überhaupt toppen?

Baumgartner: Es war mit Sicherheit eine außergewöhnliche Spielzeit. Die Mannschaft hat charakterlich gut zusammengepasst und wir haben viele Spiele gewonnen. Mit dem neuen Trainer war die Mischung wirklich gut. Aber die anderen Teams werden sich für die kommende Saison extrem verstärken und Linz bleibt in dem Budget-Rahmen, in welchem sie immer agieren. Positiv ist, dass wir einen Großteil der Spieler halten können. Es werden zwei oder drei neue Verteidiger kommen müssen, da wir in der Defensive Abgänge zu verzeichnen haben. Wir hoffen aber, dass wir im kommenden Jahr eine ähnliche Leistung bieten können, wie dies zuletzt der Fall war.

LAOLA1: Das Interesse in Linz am Eishockey ist sehr groß. Daher werden auch die Rufe nach einer neuen Halle laut. Was bedeutet eine neue Spielstätte euch Spielern?

Baumgartner: Für uns ist wichtig, was sich am Eis abspielt. Für das Umfeld und das Finanzielle im Verein ist es aber von großer Bedeutung. Für die Zukunft, nicht nur für die Mannschaft, die jetzt besteht, sondern das gesamte österreichische Eishockey ist es wichtig, bessere Sportstätten zu schaffen. In Linz ist man am richtigen Weg und meines Wissens verhandelt man gerade darüber, am selben Standort etwas neues zusammenzustellen. Wir hoffen, dass es klappt, denn mit ein paar tausend Zuschauern mehr im Rücken, ist es noch schöner zu spielen.

Das Interview führte Sebastian Rauch

LAOLA1: Du warst im letzten Jahr schwer verletzt und damals gab es Gerüchte über ein mögliches Karriereende. War da was dran?

Baumgartner: Ja schon. Ich hatte mir im ersten Playoff-Spiel im letzten Jahr eine Lungenquetschung zugezogen und hatte ein Loch in der Lunge. Es war ein kritischer Zeitpunkt in meiner Karriere. Die gesamte Situation war von meiner Seite aus nicht gut und dann kam auch noch diese Geschichte dazu. Ich habe mich aber gut erholt und bin froh, weitergemacht zu haben. Durch den Trainer-Wechsel und der starken Linzer Mannschaft haben wir eine super Saison gespielt, und ich bin natürlich glücklich, dass ich nun auch wieder beim Nationalteam dabei sein darf.

LAOLA1: Was hat den Ausschlag gegeben, dass du deine Karriere dann doch nicht beendest?

Baumgartner: Die Verletzung war nicht so schwer, dass ich gröbere, bleibende Schäden davongetragen hätte. Ich konnte mit dem Sommertraining ganz normal beginnen und habe meine Lungenfunktion wieder auf ein Level gebracht, sodass ich wieder Eishockey spielen kann.

LAOLA1: Spürst du jetzt noch etwas von der Verletzung?

Baumgartner: Natürlich ist in dem Bereich eine Vernarbung entstanden, aber es ist nicht so schlimm, als dass man damit nicht leben oder sporteln könnte.

LAOLA1: Du bist der einzige Österreicher, der zwei Mal im NHL-Draft gezogen wurde. Bist du stolz darauf?

Baumgartner: Nun ja, ich weiß nicht, ob man stolz sagen kann. Ich habe damals alles versucht, um den Sprung in die NHL zu schaffen. Beim ersten Mal hat das mit dem Vertrag nicht hingehauen und ich bin dann nochmals in den Draft gerutscht. Ich habe noch eine Chance bekommen und jahrelang im Farmteam von Dallas gespielt. Bis ganz oben hat es aber nicht gereicht, aber es war eine tolle Erfahrung und ein schöner Abschnitt in meinem Leben.

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