WM-Titel Balsam auf geschundener russischer Seele

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Die russische Eishockey-Seele lacht wieder - dem imposanten Durchmarsch bei der Weltmeisterschaft in Minsk sei Dank.

Nach dem 5:2-Sieg in einem hochklassigen Finale am Sonntag gegen Finnland herrschte im Riesenreich Feierstimmung.

"Ihr habt Millionen Menschen glücklich gemacht. Herzlichen Dank", sagte Präsident Wladimir Putin, der der Mannschaft in der Kabine gratulierte.

Putin gratuliert Mannschaft

"Wir können stolz darauf sein, dass wir eine solch talentierte, bemerkenswerte und erfolgreiche Mannschaft mit Charakter haben", sagte das Staatsoberhaupt am Sonntagabend der Agentur Interfax zufolge.

Putin hatte das Finale inmitten einer fahnenschwenkenden, pro-russischen Menge in der Minsk-Arena live mitverfolgt. Russland und die Sowjetunion haben nun gemeinsam 27 WM-Goldene gewonnen.

Für Russland gab es bei der WM viel Grund zu lachen

In Minsk blieb die Sbornaja in allen zehn Spielen unbesiegt, darüber hinaus schoss die Truppe die meisten Tore und kassierte die wenigsten. Den 42 russischen Volltreffern standen nur zehn Gegentore gegenüber. Mit Verteidiger Anton Below sowie den Stürmern Tikhonov und Sergei Plotnikov wurden drei Russen ins All-Star-Team gewählt.

Die Zeitung "Sport Express" ließ sich angesichts dieser Dominanz zu der Bezeichnung "Wunder-Recken" hinreißen. Von einem "realen Wunder" schrieb die "Moskowski Komsomolez". "Er hat ein Team zusammengebaut, er hat dafür gesorgt, dass alle mitgezogen haben, und er findet die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Er hat einen guten Job gemacht", würdigte NHL-Profi Nikolai Kulemin Trainer Znaroks.

Leistung muss bestätigt werden

Auch beim Gegner war durchwegs Lob zu vernehmen. "Sie hatten ein wirklich starkes Team. Da gibt es keine Ausreden, sie haben den Titel absolut verdient", sagte Center Jarkko Immonen.

Die spannende Frage für die nähere Zukunft wird sein, ob die russischen Stars auch in den kommenden Turnieren bereit sein werden, derart fokussiert und geschlossen aufzutreten wie in Minsk.

Bisher war nach WM-Erfolgen immer ein leichter Einbruch zu bemerken gewesen. Vor allem die Bilanz bei Olympischen Spielen liest sich für die Großmacht enttäuschend: 1998 gewann Russland in Nagano Silber, vier Jahre später in Salt Lake City Bronze - Gold fehlt aber noch auf der Liste.

In der Nacht feierten Fans in Moskau den vierten WM-Titel in sieben Jahren (nach 2008, 2009 und 2012). Der frisch gekürte Weltmeister landete schon am frühen Montagmorgen am Flughafen Wnukowo.

"Zu Hause!!! Mama Papa Hurra!!!!!!! Sieg!!!!!!", schrieb Alexander Ovechkin bei Instagram zu einem gemeinsamen Bild mit dem Pokal und seinen Eltern auf dem heimischen Sofa.

Gelungene Revanche

Den Russen war im Endspiel von Beginn an der unbedingte Wille anzusehen, das Turnier zu gewinnen. Doch die Finnen steigerten sich noch ein Mal und zeigten ihre beste WM-Leistung.

Im Mitteldrittel waren es aber die russischen Superstars Ovechkin und Evgeni Malkin, die die Entscheidung einleiteten. Zunächst sorgte Ovechkin für den Ausgleich, Malkin legte in doppelter Überzahl zum 3:2 nach.

Mit dem heiß ersehnten Triumph ausgerechnet gegen die Finnen gelang Russland außerdem die Revanche für die Viertelfinal-Niederlage beim Olympischen Turnier in Sotschi, die im Februar die ganze Nation demoralisiert und auch die Politik auf den Plan gerufen hatte.

Nachdem das Team Finnland 1:3 unterlegen war, kündigte Sportminister Vitaly Mutko personelle Konsequenzen an. Nur zwei Wochen später musste Chefcoach Zinetula Bilyaletdinov gehen.

Von "Wunder-Recken" bis "reales Wunder"

Im März übernahm der Lette Olegs Znaroks das Amt und schaffte es binnen kurzer Zeit, ein schlagkräftiges und ausgewogenes Ensemble zu formen.

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