Wieder ein Matchpuck vergeben - aber noch am Leben

Aufmacherbild
 

Die Spiele gegen Schweden und Tschechien – erstere allerdings ein klar besseres Team – ähnelten einander. Österreich hält eine Zeit lang mit, irgendwann steigert sich aber die verbrachte Zeit im eigenen Drittel, Zone Clearings werden schwerer und schwerer, Strafen kommen dazu und irgendwann schlägt’s ein. Klar ist, dass wir in diesen Sphären nichts verloren haben, doch dass sich die A-WM in Haves und Have-Nots untergliedert, ist keine Überraschung.

Jaromir Jagr, bei dem jede Puckberührung vom Publikum stürmisch akklamiert wird, macht das Spiel verdammt langsam. Linienpartner für ihn zu finden stellt Coach Vladimir Ruzicka vor große Probleme…

Mein Gott, was waren die Letten im ersten Drittel träge, hier hätte unser Team schon für eine Vorentscheidung sorgen müssen. Ab und zu spielten wir hier sogar One-Touch Hockey (etwa bei der Aktion Herburger-Altmann-M. Raffl), zu viele Schüsse verfehlten aber das Tor. Bei den Chancen im letzten Drittel brachten unsere Stürmer die Scheibe wiederum einfach nicht hoch, Edgars Maskalis ist ein Torhüter mit vielen Soccer Saves, der hoch bezwungen werden kann.

Bei IIHF-Turnieren gibt es dieselben Probleme wie in der EBEL: Der Check von Jerofejevs gegen Michi Raffls Kopf hätte sich eine 5-Minuten-Strafe verdient. Wäre Raffl liegen geblieben, wäre dies auch so sicher gekommen wie das Amen im Gebet. Dass Raffl sich wieder aufraffte, zeigte, dass auch hier Ehrlichkeit bestraft wird. Doch eine Verletzung muss ohnehin nicht vorliegen, um eine 5+Spieldauer aussprechen zu können, die würde nur bei einer Matchstrafe eine Rolle spielen.

In der EBEL soll in der nächsten Saison übrigens eine Regel geschaffen werden, um Szenen wie mit Brett Sterling, der im Finale nach einer angeblichen Verletzung im anschließenden Powerplay fröhlich wieder mitmischte, zu verhindern. Man darf gespannt sein…

Wäre ein Dreipunkter gegen Lettland schon die Entscheidung gegen den Abstieg gewesen? Theoretisch nicht, praktisch ja – einzig ein Dreierpaket mit jeweils fünf Punkten für Österreich, Lettland und Frankreich hätte uns hier noch schaden können. Dazu hätten die Franzosen (neben eine Niederlage gegen Lettland) Schweden allerdings zwei Punkte abnehmen müssen. Alles jetzt aber graue Theorie, eine Chance haben wir noch…

Scouting bei der WM:

Wie scouten eigentlich NHL-Teams die WM? Ziemlich unterschiedlich zu den Nachwuchsturnieren, die für die Amateur Scouts das tägliche Brot sind. Folgende Gruppen sind bei der Weltmeisterschaft vor Ort:

Amateur Scouts – eigentlich für die jungen Spieler und die Draft zuständig, den Großteil der Spieler, die sie hier sehen, kennen sie schon seit Jahren. Nach knapp beobachteten 200 Spielen während des Jahres ist nicht jeder von dieser Saisonverlängerung begeistert. In dieser Gruppe sind allerdings nur europäische Scouts vertreten und die bleiben oft nur kurz…

Pro Scouts – es gibt hier einige wenige in Europa, die meisten kommen aber aus Nordamerika und haben mit der Draft nichts zu tun. Sie beobachten eigentlich die NHL und AHL, sind hier, um eventuelle Free Agents zu beobachten. Europäische Spieler, die Jahrgang 1993 und jünger sind und auf keiner NHL-Reserve-List zu finden ist, können als Free Agent unter Vertrag genommen werden.

General Managers – Wer mit seinem Team nicht in den Playoffs vertreten ist, bucht gerne eine Reise nach Europa. In Prag (und in geringerem Maße in Ostrava vertreten) sind etwa Jim Nill (Dallas Stars, auch GM von Kanada), Dean Lombardi (Los Angeles) und der neue Edmonton-GM Ray Shero. Neben möglichen Free Agents nehmen sie vor allem Prospects ihrer Teams unter Vertrag. Ken Holland von Detroit etwa schaut Dylan Larkin (USA) auf die Beine, da dieser im Sommer wahrscheinlich schon nach einem Jahr sein College verlässt.

Idealerweise sollten europäische und nordamerikanische Scouts hier zusammenarbeiten, etwa mit Listen von Spielern, die in Europa eine gute Saison gespielt haben und für die NHL interessant sein könnten. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass sich ein Scout aus Übersee in einen Spieler hier "verliebt". Cracks, die in wenig gescouteten Ligen wie Dänemark, Norwegen oder der EBEL agieren, können sich hier in den Vordergrund spielen. Die letzte WM in Prag brachte etwa Andre Lakos einen Vertrag bei den Columbus Blue Jackets ein…

Jack Eichel zeigt sein Potential

Impressionen aus Ostrava:

Zwei Tage spielfrei für Österreich, Zeit für einen kurzen Abstecher zum zweiten Spielort nach Ostrava. Ich kenne beide Städte natürlich zur Genüge, keine Frage, dass die raue Stahlstadt nahe der polnischen Grenze wenig Freunde hat. Dass Österreichs Fans und Spieler mit dem Spielort Prag Glück hatten, war schon im Voraus klar.

USA: Was in Wien im Zuge des Hypes um Sid Crosby – der dann ohnehin wie das Hornberger Schießen endete – unterging: Mit Jack Eichel haben die Fans beim Testspiel einen Spieler gesehen, der das NHL-Hockey über Jahre dominieren wird. Der 18-jährige stach auch hier heraus, zeigte überragende Übersicht, Puckbeherrschung und Passing Skills, vor allem im Powerplay war er der Go-To-Guy der USA. Sein Spiel weist Parallelen zu dem von Pittsburgh-Superstar Evgeny Malkin auf.

Neben Eichel, der Ende Juni wohl von Buffalo als Nr. 2 gedraftet wird (weit mehr als ein Trostpreis natürlich), zeigte sich in Wien auch ein weiterer potentieller NHL-Star. Auston Matthews – erzielte auch ein Tor gegen die Ratushny-Truppe – gilt als möglicher Top-Pick für den Draft 2016. Er schaffte den Cut für das WM-Team allerdings nicht. Für ihn stellt sich für die nächste Frage – trotz einiger Angebote von Schweizer Teams – die Frage: College oder Junior Hockey…

Goalie Jack Campbell (in Wien noch nicht dabei), der EBEL-Teams vor Wochen angeboten wurde, bleibt beim Dallas-Farmteam Texas Stars. Doch der frühere Firstrounder könnte über kurz oder lang sehr wohl in Europa landen. Im Spiel gegen Belarus offenbarte er alte Schwächen: Oft zu hyper, "Happy Feet", ab und an sogar seitwärts zum Puck..

Slowenien: Natürlich eine Ansammlung alter EBEL-Bekannter wie Jan Urbas (bleibt wohl bei Västeras), Marcel Rodman und Ales Kranjc (könnte in die Liga zurückkehren). Neo-Cap Klemen Pretnar hatte mit dem Körperspiel im Spiel gegen Finnland natürlich Probleme, wurde in den Special Teams auch nicht eingesetzt. Mit Ziga Pance können sich die VSV-Fans auf einen kampfstarken, physisch guten und schussstarken Flügel freuen, im eigenen Drittel leidet er aber mitunter an Panikattacken.

Dänemark: Goalie Patrick Galbraith – ein EBEL-Kandiat – war im Spiel gegen die Russen nicht mit von der Partie. Flügel Thomas Spelling wäre ein interessanter Mann, gute Skills und schussstark. Morten Green – seit langem ein fixer DEL-Bestandteil – wäre ebenfalls auf dem Markt, für einen Top-Center bringt er aber zuwenige Skills und Grit mit ein, wäre eher ein braver Mitläufer…

Slowakei: Gerüchterweise in unserer Liga gehandelt: Defender Dominik Granak, seit Jahren schon ein sehr intelligenter und vielseitiger Verteidiger. Der einzige Grund, warum er sich nicht mehr in besseren Liga verdingten dürfte, wären die Nachwirkungen einer Rückenverletzung. Gesund wäre er aber eine Verstärkung für jedes EBEL-Team…

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen