Das ÖEHV-Team im Zwischencheck

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Enthusiasmus und Realismus – so die Schlagworte zum WM-Auftakt für Österreich.

Der Shootout-Sieg gegen die Schweiz kam so unerwartet wie erfreulich, das 1:6 gegen die Schweden (nach sehr gutem Beginn) war dann ein kleiner Dämpfer, aber auch wieder nur logisch.

Zwei Leistungsstufen

Wie erwartet, teilt sich unsere Gruppe in zwei Leistungsstufen auf: Einerseits übermächtige Teams wie Schweden, Tschechien und Kanada, die allerdings für uns schön über das Turnier verteilt sind.

Andererseits zwar favorisierte, aber durchaus schlagbare Gegner, die heuer alle mit Problemen ins Turnier gingen: Schweiz (neuer, bereits jetzt umstrittener Coach und wenig Offensive), Frankreich (ohne Bellemare und nur eine Scorerlinie), Deutschland (Absagen über Absagen und ein Coach auf dem Abstellgleis) sowie Lettland (ein Old-Time-Coach und viele Ausfälle).

Natürlich bleibt das ÖEHV-Team weiter Außenseiter in dieser Gruppe, doch das Schweiz-Spiel bewies, dass der Klassenerhalt heuer sehr wohl drinnen ist.

Gefahr bei Kontern

Die ersten beiden Shifts des Turniers deuteten jedoch an, dass der von Dan Ratushny ausgegebene Gameplan in beide Richtungen ausschlagen kann:

  1. Shift – Heinrich pincht, Torchance für Österreich

  2. Shift – Peter engagiert sich offensiv, das daraus entstehende 2-1-Break führt zum Gegentreffer

Ratushnys aggressiver Stil ermuntert unsere Defender dazu, Risiken einzugehen – da steht ein Mann wie Martin Schumnig auf einmal blitzblank alleine im Rücken der Schweizer.

Dass das sowie der mitunter sehr aggressive Forecheck zu Odd-Man-Breaks führt, liegt auf der Hand, allerdings: Je weniger Zeit wir in unserem Drittel verbringen, desto besser, „Reverse Plays“ würden nur zu Druck des Gegner und Giveaways führen.

Die Anzahl der gegnerischen Konter zu verringern, wird das vordringlichste Ziel sein, Teams wie Frankreich oder Deutschland – beide offensiv limitiert – könnte das nämlich in die Karten spielen. 

Mängel im Defensiv-Zweikampf

Nicht, dass es eines Spiels wie gegen die Schweden bedurft hätte, aber im Defensiv-Zweikampf haben wir enorme physische Mängel – das gilt natürlich nicht nur für die Verteidiger.

Ohne die Gegentore im Detail zerpflücken zu wollen: Florian Mühlstein etwa verlor vor dem zweiten Tor zwei Banden-Zweikämpfe innerhalb weniger Sekunden, was selbst gegen die vierte Linie dieses Gegners sofort Konsequenzen hatte.

Hier gilt es vor allem für die Zukunft den Hebel anzusetzen: Nicht jeder Defender kann seine physischen Nachteile mit Eislaufen und Stocktechnik wie Dominique Heinrich wettmachen, wir brauchen ganz einfach mehr Größe und Muskelmasse im Team.

Ob und wie sehr sich diese Nachteile gegen Frankreich und Deutschland auswirken werden, bleibt spannend. Wohlgemerkt, diese beiden Teams verfügen auch über limitierte Skills in ihren Defenderreihen, aber ein gewonnener Zweikampf hier, ein schnell weitergeleiteter Puck da, kann hier schon die Entscheidung sein.

Heinrich machte auf sich aufmerksam

Heinrich und Lebler fallen NHL-Scout auf

Hier die Einschätzungen von zwei Spielern durch einen NHL-Scout, der für einen Gruppengegner Pre-Game-Scouting betreibt.

Interessant, wie eine objektive Quelle ihm relativ unbekannte Spieler einschätzt. Diese beiden Cracks waren ihm – neben dem natürlich bereits bekannten Michi Raffl – einen Report wert:

Dominique Heinrich: Sehr kleiner Puck-moving-Verteidiger. Ausgezeichnet im Powerplay, bekommt Schüsse an Shotblockern und Verkehr vorbei. Physische Nachteile im Defensiv-Zweikampf.

Brian Lebler: Nordamerikanischer Spielertyp. Beine könnten besser sein, aber er definiert sich über den Kampf und seine Physis. Kämpft sich durch Checks und arbeitet hart an der Bande. Zweitbeste Offensivwaffe hinter (Michi) Raffl. Mehr Schütze als Vorbereiter. Ein Bulle für dieses Team.

Herburger spielt groß auf

Für mich der MVP gegen die Schweiz: Raphael Herburger. Ein Speedmeister sogar auf A-Niveau, sein aggressiver Forecheck sorgte für mehrere Turnovers und sein „eingesprungener Rittberger“ in der Schlusssekunde verhinderte den Schweizer Siegtreffer.

Bernhard Starkbaums Leistungen geben Hoffnung, dass er in den Schlüsselspielen mit entscheidenen Saves aufwarten kann. Rene Swette kam gegen Schweden natürlich etwas zum Handkuss, aber bei ihm kann es halt in beide Richtungen sehr schnell gehen.

Interessant die Eiszeitverteilung unter den Defendern: Das Duo Heinrich/Pallestrang natürlich mit dem Gros (Heinrich knapp 25 Minuten), dahinter kommt mit Abstand schon Martin Schumnig (18 Minuten). Da sich vor allem Patrick Peter mit dem Tempo ab und an schwertut, würde dem Team ein Comeback von Mario Altmann (eigentlich Nr. 2 in der Depth Chart) gut tun.

Ratushny setzt wie in Salzburg in Unterlegenheit auf kurze, schnelle Shifts, sobald das Team die Zone klären kann, kommt es meist schon zum Wechsel. Gegen die Schweiz zählte ich neun (!) eingesetzte Forwards. Auch das gibt Hoffnung, dass uns die Kraft im Turnierverlauf nicht verlässt.

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