Wer überzeugte, wer nicht?

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Die ÖEHV-Cracks in der Einzelbewertung

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Drei Matchpucks vergeben, dann der Abstieg – trotz guter Leistungen geht es für Österreich wieder in die Zweitklassigkeit.

Für die Einzelzeugnisse können größtenteils nur die Spiele gegen Gegner in unserer Augenhöhe hergezogen werden, Teams wie Schweden, Kanada oder Tschechien haben mit unserem Eishockey nichts zu tun.

Davon abgesehen gab es aber einige positive Überraschungen, vor allem in der Defensive. Eines verbindet allerdings aller Spieler – der Mangel an offensiver Produktion in den Schlüsselspielen.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller beurteilt die Leistungen der ÖEHV-Cracks in Prag:

 

Torhüter

Bernhard Starkbaum: Gab dem Team in jedem Spiel eine Chance, beste WM-Goalieleistung seit Reinhard Divis 2004. Kompakt, ohne Löcher, nahm Schusswinkel gut weg, keine Panik in seinem Spiel. Strahlte eine ruhige Aura aus. Einzig seine Stockarbeit war nur durchschnittlich, einige Faceoffs wären zu vermeiden gewesen.

 

 

Rene Swette: Konnte Starkbaum leider nicht entlasten, ging gegen Schweden unter und wurde gegen Tschechien mit dem ersten Schuss bezwungen. Fivehole-Probleme, Konzentration geht auf diesem Niveau zu leicht flöten.

 

 

 

David Madlehner: Wurde nicht eingesetzt

 

 

 

 

 

Abwehr

Dominque Heinrich: Klar die Nummer 1 unter den österreichischen Defendern, sein Mangel an Größe und Gewicht wurde durch Leichtfüßigkeit übertüncht. Er kann Scheibe unter Druck aus eigenem Drittel und übers ganze Eis führen und kam mit der Unmenge an Eiszeit gut klar. Im „Stick on Stick“ ganz stark, kann so Duelle gegen größere Gegner gewinnen. Er nimmt viele Risiken und braucht defensive Absicherung. Zur Höchstnote fehlt allerdings dementsprechende Produktion in entscheidenden Spielen, zuviele Schüsse wurden geblockt oder gingen daneben.

 

Mario Altmann: Verspäteter Turnierbeginn nach Gehirnerschütterung, nach kurzer Anlaufphase dann aber voll da. Er nützt seine Reichweite gut aus, ninmt dadurch Passing Lanes weg. Seine Aufbaupässe waren ok, er schoss auch mehr als andere im Powerplay. Wird immer durch seine Größe linkische Momente haben, vor allem wenn sich der Puck in seinen Beinen verfängt, insgesamt spielte er aber ein höchst solides Turnier.

 

Alexander Pallestrang: Spielte im Sog von Heinrich ein gutes Turnier mit viel Eiszeit. Sehr gute Mobilität, hält seine Beine in Bewegung, war daher immer eine Pass-Option für Heinrich. Fand Aufbauoptionen unter Druck. Im Powerplay gab er sich meist damit zufrieden, die Scheibe auf Heinrich zu passen, war daher kaum eine Bedrohung.

 

 

Martin Schumnig: Ebenfalls eine positive Überraschung, beim KAC noch kurz ausgemustert, hier mit der drittmeisten Eiszeit unter den Defendern. Er hat körperlich während seiner Spielpause zugelegt, auch seine Beine sind wieder besser. Manchmal mit Problemen unter Druck, aber gegen Gegner auf Augenhöhe agierte er solide und mobil. Kam im Powerplay trotz Rechtsschuss kaum zum Einsatz.

 

Florian Iberer: Hatte im Paar mit Patrick Peter große Probleme, war etwas stabiler ohne ihn. Er stößt in puncto Seitwärts-Mobilität hier an seine Grenzen, erkennt Passoptionen oft etwas zu spät. Leider ohne Produktion.

 

 

 

Florian Mühlstein: Wohl der einzige WM-Spieler, der im Nationalteam weit mehr Eiszeit erhält als im Klub. Körperlich ab und an übermannt, hielt aber gut dagegen. Sein erster Pass war ok. Solide in seiner Rolle im dritten Paar.

 

 

 

Patrick Peter: Hatte große Probleme mit dem Tempo, was sich in Strafen niederschlug. Anfangs noch im Powerplay, spielte sich dann aber sukzessive aus dem Lineup. Er stieg im einzigen Shift gegen Lettland auf den Puck und ermöglichte so ein Breakaway, danach spielte er nicht mehr. Als jüngster Defender des Teams sollte er die WM abhaken. Er muss im Klub an seinen Drehungen und Mobilität arbeiten.

 

Daniel Mitterdorfer: Meist siebter Verteidiger oder gar nicht im Lineup. Sein Spiel tendiert dazu, sich unter Druck aufzulösen, er gerät dann mit Scheibe in Probleme.

Thomas Raffl: Der Kapitän war vielleicht der konstanteste österreichischer Angreifer, er schöpfte seine Möglichkeiten optimal aus. Schirmte Scheibe sehr gut ab und war eine Macht an der Bande mit Top-Einstellung. Sein harter Schuss kann einen Goalie wie Endras klar bezwingen. Endlich fit bei einer WM und mit der erhofften Leistung.


Michael Raffl: Natürlich mit Abstand der begabteste Angreifer, er kann selbst auf diesem hohen Niveau 1-1-Duelle klar gewinnen und dadurch Chancen schaffen oder Strafen herausholen. Als Center mit sehr guter Übersicht und eine Macht beim Faceoff, sollte diese Position eigentlich immer spielen. Er belohnte sich leider nicht mit der entsprechenden Produktion trotz vieler Chancen.


Brian Lebler: Blieb unter den Erwartungen, war aber auch durch eine Schulterverletzung gehandicapt. Körperlich natürlich auch hier stark, konnte sich aber nicht so leicht zum Tor powern wie in der Liga. Hat besten Handgelenksschuss im Team, mit etwas Glück hätte er ein oder zwei Tore mehr erzielt. Seine Fußarbeit ist hier mehr ein Problem als in der EBEL, er muss sich stets ermahmen, die Beine in Bewegung zu halten, um effektiv zu sein. Im Defensivbereich mit Problemen.


Konstantin Komarek: Spielte ein cleveres Zwei-Wege-Spiel, schirmte Scheibe unter Druck gut ab. Viele Behind-the-back Pässe, die meisten gingen auf, einige aber mit zuviel Risiko. Er kam auch zu Chancen, ist aber kein Natural Finisher außer im Shootout, wo er eine sichere Größe ist. Insgesamt eine sehr solide WM.



Raphael Herburger: Begann die WM mit einem sehr starken Auftritt gegen die Schweiz, fiel dann aber zurück. Unser schnellster Angreifer, er sollte noch mehr 1-1-Duelle suchen und zum Tor drängen. Er fiel durch eine ausgezeichnete Arbeitseinstellung in beiden Richtungen auf. Mit mehr Output wäre es eine sehr gute WM für ihn geworden, er war aber noch nie ein richtiger Finisher.


Rafael Rotter: Ich habe alle 16 Teams hier gesehen, kein anderer Spieler spielt einen ähnlichen Stil. Als Playmaking Winger, sucht er die Sideboards für seine Pässe. Seie kurzen Drehungen verschaffen ihm auch hier Raum, wenn er den richtigen Moment für einen Pass findet, kreiert er eine Torchance, sonst einen Turnover. Er gab auch gegen größere Gegenspieler nicht klein bei. Torgefahr ging von ihm kaum aus, er ging aber durch seinen Abfälscher gegen Deutschland fast in den Hockey-Olymp ein.


Manuel Latusa: Hat über die Jahre einiges von seiner Torgefahr und Spritzigkeit verloren, ist jetzt ein Komplementärspieler in der Reihe mit Komarek und T. Raffl. Er weiß sich aber defensiv gut zu positionieren. Sein Shot-Block gegen Deutschland war heldenhaft, leider folgte der Ausgleich trotzdem. Seine Teamkarriere wird wohl über kurz oder lang dem Ende zugehen, er folgt aber seit Jahren brav dem Ruf des ÖEHV.


Thomas Hundertpfund: Vielleicht die einzige Enttäuschung hier, er kam kaum in die Gänge. Der Grund dafür ist derselbe wie bei seinem Gastspiel in der schwedischen Allsvenskan: Ihm fehlt es an Dynamik für die ersten Schritte, kann sich daher von Gegnern nur schwer lösen. Hat allerdings gute Übersicht und ist körperlich stark. Für ihn gilt das gleiche wie für Komarek oder Herburger: Ein Tor hier und da gegen die Gegner in unserer Kragenweite hätte uns den Abstieg erspart. Allerdings ist er auf der Centerposition ohne Konkurrenz in Österreich.


Mario Fischer: Auch auf diesem Niveau ein körperlich starker Spieler, hat auch in letzter Zeit ein wenig „Mean Streak“ dazugewonnen. Defensiv sehr solide, auch wichtiger Bestandteil des guten Penalty Killings. Bei Faceoffs war er allerdings überfordert und sollte nicht nur daher am Flügel spielen. Sein Mangel an Offensive nagelt ihn in hinteren Linien fest, dort ist er aber ein sehr guter Charakterspieler.


Manuel Geier: „Disruptive Player“, kann im Forecheck Spielfluss des Gegners unterbrechen, trägt aber selbst kaum zum Spiel bei. Wird wohl in seiner ganzen Teamkarriere – egal ob A- oder B-WM – ein verlässlicher Tiefenspieler mit an der Spielklasse her angepassten Offensivbeiträgen sein.



Nikolas Petrik: Penalty Killer Nummer. 1, wirft sich in jeden Schuss. Da er das auch bei Fünf-gegen-Fünf-Situationen macht, hält er sich als elfter oder zwölfter Stürmer im Lineup. Sehr große Aggressivität und ein Herz wie ein Bergwerk, leider würgt er mit seinen Händen die Offensive in seiner Linie ab.



Manuel Ganahl: Hat unverständlicherweise keine guten Karten im Team, er würde wenigstens etwas an Offensive versprechen. Hätte sicher vor Alexander Cijan spielen sollen. Auch Defensive und Körperspiel würden ihn eigentlich nicht disqualifizieren.




Alexander Cijan: Meist der zwölfte Stürmer, als solcher mit guter Beinarbeit, aber ohne jede Präsenz um das Tor herum. Sowohl in Liga als auch hier wirft er Fragezeichen auf, welche Rolle er eines Tages einnehmen wird: Rollenspieler mit guten Beinen oder hat er doch etwas Offensive intus?



Daniel Woger: Kaum eingesetzt, da aber wie immer: Guter Antritt, aber mit Tunnelblick.

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