Deutschland und Kanada im Check

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Zwei Spiele stehen Österreich bei der A-WM in Prag noch bevor.

Erst kommt es heute (ab 16:15 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker) zum wohl alles entscheidenden Duell gegen den Absteig mit Deuschland, morgen Dienstag folgt dann die Partie gegen den haushohen Favoriten Kanada (ab 12:15 Uhr).

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller nimmt die beiden Mannschaften unter die Lupe:

Deutschland

Tor

Ob Meister-Goalie Dennis Endras oder Timo Pielmaier – die Torhüter-Position weist seit Jahren gehobenes WM-Niveau auf. Pielmaier ist neben Kanadas Mike Smith der beste Puckhandler unter den WM-Goalies, hält sich in dieser Beziehung im Gegensatz zu seinem Klub in Ingolstadt aber zurück. Anzunehmen, dass Endras wieder in den Kasten zurückkehrt, auch Danny Aus den Birken wäre kein Schlechter. 

Abwehr

In dieser Formation treffen die Deutschen die vielen WM-Absagen am meisten, spielerisch ist die Prager Crew arg limitiert. Zwar sind sie körperlich stärker als unsere Defender, doch unter Druck kommen Spieler wie Jens Baxman und vor allem Björn Krupp in arge Probleme mit der Scheibe.

Vor allem im Powerplay ist Not am Mann, deswegen rückt Stürmer Patrick Reimer immer auf der Suche nach einem One-Timer, den er perfekt beherrscht, zurück. Der im letzten Moment nominierte Patrick Köppchen – ein Kämpfer vor dem Herren – feierte übrigens nach 13 (!) Jahren Absenz sein Nationalteam-Comeback.

Zu den besseren Blue Linern gehört hier noch Justin Krueger, Sohn von Ex-Feldkirch-Coach Ralph. Nikolai Goc, der jüngste der drei Goc-Brüder, konnte seinen Bruder Marcel auch nicht zu einem WM-Auftritt verführen. Der Center der St. Louis Blues will sich ein weiteres Jahr in der NHL durch eine eventuelle Verletzung nicht verbauen.

Alles in allem ist die deutsche Verteidiger-Riege eine hart kämpfende "Lunch-pail-crew", sprich ein gnadenloses Aufräum-Kommando...

Angriff

Auch hier überwiegt das kämpferische Element. Die notwendigen Tore finden sich dennoch von Zeit zu Zeit im Lineup. Wie Reimer verfügt auch Team-Urgestein Michael Wolf über einen vertrackten Schuss, ihm darf man nicht viel Raum geben.

Tobias Rieder (Phoenix Coyotes) ist der einzige NHL-Spieler im Team, sein Speed und seine Hände helfen der Mannschaft sehr. Er hat leider - wie Frankreichs Stephane da Costa oder Lettlands Kaspars Daugavins - das Zeug zum Spielverderber für das ÖEHV-Team. Zwischen den beiden agiert mit Daniel Pietta ein sehr guter Two-Way-Center. Sein Vertrag mit Krefeld läuft übrigens noch zehn (!) Jahre.

Marcus Kink ist ein körperlich starker Defensiv-Stürmer, der eine gute WM spielt. Mit gehöriger Muskelkraft an der Bande agierend: Matthias Plachta, der Mannheimer wurde während der DEL-Saison schon von NHL-Scouts begutachtet. Sein Vereinskollege Thomas Oppenheimer ist zwar nicht der Schnellste, bringt aber gute Reichweite und etwas Torgefahr mit.

Neben Pietta fehlt es an Offensive vor allem auf der Center-Position, Kai Hospelt bringt etwas Speed mit, Patrick Hager ist in der DEL ein Drittlinien-Ccenter. Aus der Manufaktur für deutsche Pässe in Iserlohn gibt der gebürtige Kanadier Brent Raedeke sein WM-Debüt, hat hier aber Probleme im eigenen Drittel.

Fazit

Einige der deutschen Spieler müssen eine größere (Offensiv)Rolle als in der Liga einnehmen, wenn auch nicht so viele wie bei Österreich. Doch nach einem katastrophalen Turnierbeginn steigerte sich die Truppe von Headcoach Pat Cortina erheblich. Der scheidende Trainer (mit Uwe Krupp dürfte sein Vorgänger auch sein Nachfolger werden) möchte sich sicherlich mit einem dritten WM-Sieg aus dem Amt verabschieden. Vor allem in der Chancen-Verwertung haben die Deutschen normalerweise gegenüber unserem Team Vorteile.

 

Abwehr

Längst nicht so stark besetzt wie der Angriff. Vor allem die linke Abwehrseite weist einige Fragezeichen auf. Die beiden hünenhaften Jake Muzzin (Los Angeles) und Patrick Wiercioch (Ottawa) bringen zwar Größe mit ins Lineup, sind aber beide nicht sehr beweglich. Dan Hamhuis (Vancouver) wird von Saison zu Saison schwächer und hat auch in Prag einiger "Hacker" aufzuweisen

Auf der rechten Seite sieht's da schon ganz anders aus: Brent Burns – von San Jose als Stürmer gedrafted, jetzt nach einigem Hin und Her als Fix-Verteidiger – verlangt von den gegnerischen Angreifern eine hohe Wegemaut, wen sie an ihm vorbeiwollen. Dazu kommt noch ein immens harter Schuss.

Aaron Ekblad agiert in Florida und bei der WM so abgeklärt, als ob er 29 Jahre alt und nicht erst 19 wäre. Tyson Barrie stand Thomas Pöck bei dessen versuchtem NHL-Comeback in Colorado im Weg, heute ist Barrie nach Lehrjahren bei Lake Erie ein Offensivbringer in der Avalanche.

Kanada

Tor

Mike Smith (Arizona) ist ein körperlicher Riese mit tollen Reflexen und sehr guten Puck Handling Skills. Sein Backup Martin Jones (Los Angeles) ist ein Riesentalent, wirkte aber gegen Frankreich sehr fahrig und unkonzentriert.

Angriff

Handelt es sich hier um ein NHL-All-Star-Team oder ein WM-Aufgebot? Vielleicht etwas übertrieben, aber wenn Sidney Crosby Teil eines Teams ist, stellt sich die Frage schon von Haus aus. Der Superstar ragt dabei gar nicht so sehr heraus, kommt aber sogar im Penalty Killing zum Einsatz.

Doch von Crosby abgesehen verfügt die Truppe von Todd McLellan (nach langen Jahren bei San Jose jetzt auf Jobsuche) über für das europäische Eis perfekte Spieler. Taylor Hall (Edmonton) etwa kann mit seinem Speed und Skills Spiele im Alleingang entscheiden. Sein Vereinskollege Jordan Eberle beweist auch in Prag, dass die Oilers als stete NHL Bottom Dweller sicher nicht an Qualitätsmangel leiden.

Claude Giroux (Philadelphia) – nicht gerade als Crosby-Fan bekannt – centert eine Linie mit Tyler Seguin (Dallas Stars) und Ryan O'Reilly (Colorado). Seguin, dessen Trade von Boston nach Dallas mit zeitlicher Verspätung einer der Gründe für die heurige Entlassung von Bruins-GM Peter Chiarelli war, verfügt über unglaubliche Skills und ist oft schon als "One-Man-Show" das Eintrittsgeld wert.

Jason Spezza (Dallas Stars) – ein NHL- und WM-Veteran – rutscht aktuell sogar auf den Flügel und macht in der Mitte Platz für den ebenso talentierten Matt Duchene (Colorado). Dazu kommt noch der 19-jährige Nathan MacKinnon (Colorado) – ich glaube, es gibt schlechtere dritte Reihen im A-WM-Turnier 2015.

Dazu kommt noch unter anderem Rollenspieler Sean Couturier (Philadelphia), einer der besten Penalty Killer der NHL. Dass der kleinwüchsige Tyler Ennis (Buffalo) – perfekt für europäisches Eishockey - eigentlich nur im Powerplay einen Fixplatz hat, beweist, wie tief dieses Team offensiv besetzt ist. Ein weiterer Beweis dafür: Nach 23 NHL-Saison-Toren hat Tyler Toffoli (Los Angeles) in Prag eher Defensiv-Aufgaben zu erfüllen.

Fazit

Nicht dass es noch eines Beweises bedarf, dass unser Team und das von Kanada aus verschiedenen Eishockey-Welten kommen: Österreich kann mit Ach und Krach drei Center aufbieten, davon nimmt Michael Raffl diese Position in der NHL keineswegs durchgehend ein. Kanadas Offensiv-Lineup weist zehn Spieler auf, die auf dieser so wichtigen Position agieren könnten…

 

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