Die Fehler-Analyse der Pleite

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Viel fehlte gegen Frankreich nicht

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Schade drum – mit dem 0:2 gegen Frankreich hat Österreichs Nationalteam den ersten von wahrscheinlich drei Match-Pucks vergeben.

Gegen Lettland und Deutschland müssen jetzt Punkte her. Woran haperte es gegen die Franzosen?

Nicht nur das Spielglück fehlte

An einigem – und dann auch wieder nicht an vielem. Nach einem sehr nervösen und zerfahrenen Anfangsdrittel spielten sich beide Teams Chancen heraus, der erste Treffer war dann auch - nicht wirklich überraschend - spielentscheidend.

Zwei Stangentreffer, nach dem Führungstor durchaus gute Phasen ums französische Tor herum – das Spielglück aus dem Schweizer-Spiel fehlte den Österreichern diesmal. Die Franzosen verstehen es nun einmal gut, den Gegner vom Tor fernzuhalten bzw. Schüsse zu blocken.

Wenn ein Spieler wie Dominique Heinrich, der sonst immer Shooting Lanes findet, diesmal nur gegnerische Beine bzw. daneben und drüber traf (die Statistik führt ihn ohne Schuss aufs Tor bei gefühlten zehn Versuchen), sagt das schon einiges aus.

Heinrich der "Minuten-Fresser"

Er hatte sicherlich nicht seinen besten Tag, von ihm sah man auch weniger Rushes als zuletzt. Bei 28 Minuten Eiszeit stößt aber auch ein leichtfüßiger Spieler wie er vielleicht einmal an seine Grenzen.

Nach ihm und Pairing-Partner Alexander Pallestrang (26 Minuten) wies der nächste österreichische Verteidiger Martin Schumnig (wie immer Nr. 3 im Ranking, diesmal 19 Minuten) natürlich schon deutlich weniger Eiszeit auf, der Rest kam auf 15 Minuten (Florian Iberer) oder weniger.

Mario Altmann übernahm im Lauf des Spiels mehr Eiszeit von Patrick Peter (nur zwei Minuten in Drittel zwei und drei), der Neo-Linzer sollte doch eine Alternative sein. Bei aller Wertschätzung von Heinrich, aber ihn zum Ryan Suter des Teams zu machen, könnte im Laufe des Turniers kontraproduktiv werden.

Vielleicht sollte ihm Defense-Coach Dieter Kalt gerade im Penalty Killing einige Pausen gönnen, auch hier ist ja Altmann jetzt eine Alternative.

Die berühmten Zentimeter fehlten

Im Powerplay, das diesmal um einiges besser funktionierte, fehlt nun ohne Peter ein Rechtsschütze, allerdings tut dem Wiener eine Pause vorläufig sicher gut. Das A-WM-Tempo zwingt ihn doch öfters zu Strafen.

Oft ging es nur nur Zentimeter – seien es bei den Stangenschüssen, einigen Michi-Raffl-Moves oder einem Lebler-Versuch im letzten Drittel, als er sich von hinter dem Tor durchtankte – solche Treffer erzielte er im Linz im Überfluss.

Seine Cross-Ice-Passes sollte er allerdings abstellen.

Da Costa war nur schwer zu halten

Da übernahm er vor allem im Powerplay von der blauen Linie das Ruder, sein (von Damien Fleury leicht abgefälschter) Schuss bedeutete dann auch die Entscheidung.

Dazu kam Defender Kevin Hecquefeuille, er ging – wie Heinrich – im letzten Drittel kaum mehr von der Platte und seine Mobilität war ein wichtiger Faktor in einigen Kämpfen hinter den Hashmarks. Genauso wie Yohann Auvitu dominierten hier die Beine, während ein weit unbeweglicherer Spieler wie Antonin Manavian in diesen Phasen weniger gefragt war.

Starkbaum tadellos

Bei allem Lob für Huet, darf Bernhard Starkbaum nicht unerwähnt bleiben.

Er war grundsolide, vor allem bei Flachschüssen war die Arbeit mit seinen Schonern immer kontrolliert, er ging auch nicht zu früh in den Butterfly.

Bis auf einen Moment im zweiten Drittel hatte er die Scheibe immer im Visier und war "square to the shooter".

Viel fehlte nicht

Ab und an fehlten Kleinigkeiten, allerdings bewiesen die Franzosen auch, warum sie schon seit einem Jahrzehnt in der A-Gruppe sind.

Leider zogen sie mit diesem Sieg an uns vorbei. Nach dem Spiel gegen Gastgeber Tschechien (am Freitag) warten am Samstag die Letten als nächste Gegner unserer Reichweite.

Hoffentlich sind sie das wirklich, schließlich müssen sie aktuell aufgrund ihrer Auftritte gegen die Gruppen-Capos Kanada, Schweden und Tschechien beurteilt werden.

Off-Topic: Noch ein paar Sätze zur Olympiaqualifikation

Neben dem Kampf um den Klassenerhalt fällt bei dieser WM noch eine Entscheidung – die um die Startplätze für Olympia 2018.

Grundlage dafür: Die Weltrangliste am Ende der WM. Die acht besten Teams sind für die Spiele in Korea fix qualifiziert, dazu kommt der Veranstalter sowie die drei Gruppensieger der finalen Qualifikation.

Heimvorteil in den drei Gruppen haben die Teams 9 bis 11 der Weltrangliste, Österreich als derzeit Weltranglisten-16. könnte diesen Heimvorteil nur im Falle einer Viertelfinal-Qualifikation und auch dann wohl nur theoretisch erobern. Allerdings kann das ÖEHV-Team definitiv nicht mehr aus den ersten 17 fallen, was eine weitere Qualifikationsrunde bedeutet hätte.

Die Weltrangliste vor der WM würde als Gruppengegner Norwegen, Deutschland und einen Vorqualifikanten ergeben, Änderungen sind aber natürlich noch möglich.

Das Qualifikationsturnier mit österreichischer Beteiligung findet auf jeden Fall zwischen dem 1. und 4. September 2016 statt, mit knapp 17 Monaten Vorlauf vor den Olympischen Spielen (9. – 25. Februar 2018 in Pyeongchang) so früh wie noch nie.

Secodary Scoring täte gut

Michael Raffl hielt die Scheibe mitunter sehr lange, schuf so einige Chancen für sich, allerdings war Raphael Herburger diesmal (vielleicht auch deswegen) ein Non-Factor. Der Schweiz-Legionär hat seine Vorteile im Transition-Game, weniger in den Kämpfen ums Tor herum.

Nach drei Spielen heißen die Torschützen bis jetzt Michael und Thomas Raffl, Heinrich und Lebler – genau die Leute, die ich vor dem Turnier als Offensivbringer bezeichnet hatte.

In engen Spielen wie gestern käme eine Bonus-Offensive von unseren potentiellen Secondary Scorern (Herburger, Komarek) gerade recht. Aber wie bei fast jeder WM: Tore zu schießen, ist auf diesem Niveau manchmal wie Blut aus einem Stein zu pressen...

Frankreichs Key-Player machen den Unterschied

Leider auch wie befürchtet: Die beiden Key Player für Frankreich waren Cristobal Huet und Stephane Da Costa. Huet strahlte wieder seine "Wenn ihr mich schlagen wollt, dann nur mit einem perfekten Schuss"-Aura aus, sein Stellungsspiel ist famos.

Da Costas Antreten stellte sich erst kurz vor Spielbeginn heraus, im ersten Drittel nahm er auch nur eine Cameo-Rolle ein. Doch trotz seiner Knieverletzung steigerte er seine Eiszeit sukzessive – von 1:14 und 6:29 auf 8:36 Minuten im letzten Drittel.

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