Gemischte Gefühle trotz Lehrstunde

Aufmacherbild
 

Gemischte Gefühle herrschten bei Österreichs Nationalteam nach dem 1:6 gegen Schweden vor.

Einerseits kann man sich über eine Niederlage, noch dazu in dieser Höhe, nicht freuen, andererseits lieferte man der Eishockey-Weltmacht in der Anfangsphase einen packenden Fight und entschied das Schlussdrittel sogar mit 1:0 für sich.

Schweden zollt ÖEHV-Team Respekt

„In den ersten 15 Minuten hatten wir mehr Spielanteile als die Skandinavier, da hat man erkannt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Außerdem ist es positiv, dass wir uns in der zweiten Drittelpause zusammengerissen und den Schlussabschnitt 1:0 gewonnen haben“, berichtete Thomas Raffl, der auch die Wichtigkeit der Moral für die kommende Spiele hervorhob.

„Wir haben in den letzten 20 Minuten unseren Charakter und unsere Moral unter Beweis gestellt und Kraft für den weiteren Turnierverlauf getankt.“

Die Schweden schienen in den ersten 15 Minuten tatsächlich etwas überrascht von den angriffslustigen Österreichern. Kapitän Staffan Kronwall, Bruder von Red-Wings-Verteidiger Niklas, war ob der furiosen Anfangsminuten des ÖEHV-Teams ebenfalls beeindruckt: „Gratulation an die Österreicher, sie sind sehr gut ins Spiel gestartet und haben uns alles abverlangt.“

Auch Jimmie Ericcson, der sein Geld in der KHL bei St.Petersburg verdient, zollte dem ÖEHV-Team Respekt: „Es war alles andere als ein einfaches Spiel für uns, Österreich hat uns vor allem in der Anfangsphase sehr gefordert. Wir haben da zu oft versucht, eins gegen eins zu gehen. Nach dem ersten Tor ging es dann deutlich besser.“  

Chancenauswertung ein großer Unterschied

Wie schon gegen die Tschechen schlugen die „Tre Kronor“ nämlich nach dem guten Start der Österreicher eiskalt zu.

„Das ist einfach ein anderes Niveau. Eishockey ist ein Spiel, das von Fehlern lebt und wenn man auf diesem Level Fehler begeht, dann werden die bestraft. Das ist der große Unterschied“, so Michael Raffl. „So eine Klasse-Mannschaft nutzt jede Chance eiskalt aus“, wusste auch sein Bruder Thomas.

Die von Österreichs einzigem NHL-Crack Michael Raffl angesprochenen Fehler waren natürlich auch der individuellen Stärke der Schweden geschuldet, so hielt der dreifache Torschütze Filip Forsberg etwa den Puck bei 1:0 gegen zwei Österreicher im Angriffsdrittel, ließ einen dritten aussteigen und netzte überlegt ein.

„Die Chancenauswertung war auf alle Fälle ein großer Unterschied. Wir hatten Möglichkeiten, hätten Tore schießen können, allerdings muss man auch sagen, dass uns die Schweden kaum Groß-Chancen gelassen haben“, so Thomas Raffl.

Was dann in den kommenden 25 Minuten folgte, war eine Lehrstunde für das ÖEHV-Team. Zwei schnellen Gegentreffern vor der ersten Pause folgten drei Kontertore in weniger als drei Minuten um die 30-Minuten-Marke herum.

„Wenn die Schweden einmal führen, ist es nicht wirklich ein Spaß, gegen sie zu spielen. Die wissen, wann sie angreifen müssen und fahren einen Konter nach dem anderen“, berichtete Michael Raffl.

Time-Out wirkte Wunder

Nach sechs Gegentreffern war es Ratushny dann zu viel. Er nahm ein Timeout und ersetzte den unglücklichen Rene Swette mit dem etatmäßigen Einsergoalie Bernhard Starkbaum. „Ab einem gewissen Punkt muss man eingreifen, Renes Selbstvertrauen war auch angekratzt“, erklärte der Coach die Maßnahme. Daneben impfte er seiner Truppe auch wieder das notwendige Selbstvertrauen ein.

„Wenn man so schnell drei Tore kassiert und dann kurze Zeit darauf noch einmal drei Gegentreffer verkraften muss, ist es ganz normal, dass man etwas vorsichtiger spielt. Das ist reine Kopfsache. Dann steht man zu tief, bewegt sich nicht mehr und das macht es einer Mannschaft wie Schweden natürlich einfach.“

Auch sein Kapitän Thomas Raffl ortete eher ein mentales denn ein körperliches Problem der ÖEHV-Truppe: „Wenn man gegen eine so überlegene Mannschaft zurückliegt, muss man defensiv spielen und kompakt stehen. Wir haben es teilweise nach vorne versucht, das wurde eiskalt ausgenutzt.“

Werden daraus gestärkt hervorgehen“

Die Auszeit wirkte, Österreichs Mannen hatten sich wieder gesammelt und stemmten sich gegen die rollenden Angriffe der Skandinavier.

Wir waren nicht mehr ängstlich, haben uns wieder bewegt und gekämpft“, zeigte sich der Headcoach mit der Leistung seiner Truppe im Schlussabschnitt wieder zufrieden, denn eines ist Ratushny klar: „Wir sind kein gutes Team , wenn wir aufhören eiszulaufen. Wir müssen uns 60 Minuten lang bewegen.“

Gemischte Gefühle also, oder wie der Teamchef sagt: „Es war ist eine schmerzvolle Lehrstunde, aber wir werden daraus gestärkt hervorgehen.“

 

Aus Prag berichtet Fabian Santner

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen