"So zu verlieren ist ärgerlich"

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Clevere Franzosen ziehen ÖEHV-Team den Nerv

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Man hatte die österreichischen Cracks bei dieser A-WM schon fröhlicher gesehen, als nach der 0:2-Niederlage in der wichtigen Partie gegen Frankreich.

Verübeln konnte man der Mannschaft die schlechte Laune nicht, schließlich hatte ihr die "Grande Nation" mit ihrer äußerst defensiven Spielweise den letzten Nerv gezogen.

"Gefühlte 50 Torschüsse"

"Die spielen mit fünf Leuten rund um den Torraum, das ist extrem lästig. Du denkst, dass du dominierst, aber hast eigentlich keine Torschüsse", ärgert sich ein angefressener Michael Raffl. "Ich habe nach dem Spiel gesehen, dass wir nur 23 Schüsse hatten, es hat sich angefühlt wie 50."

Mit dieser Einschätzung hatte der Stürmer der Philadelphia Flyers nicht unrecht. Österreich befand sich im Gegensatz zu den Partien gegen die Schweiz und Schweden zwar oft im Angriffsdrittel, brachte die Scheibe aber fast nie vor das Tor, sondern verhedderte sich in Zweikämpfen in der Rundung und spielte den Franzosen damit in die Karten.

"Frankreich hat das natürlich sehr gut gemacht, sie sind tief gestanden haben uns außen gehalten und dann ist da auch noch Cristobal Huet im Tor", zollte Teamchef Dan Ratushny dem Gegner Respekt und verteidigte zugleich seine Mannschaft: "Frankreich hat auf Fehler gewartet, wir durften ihnen nichts ins offene Messer laufen."

Kein Rezept gegen Bollwerk

Dennoch war das Spiel der Österreicher eindeutig zu statisch, die ÖEHV-Truppe fand kein Rezept gegen das französische Defensiv-Bollwerk.

"Wir hatten sehr viel Scheibenbesitz, da müssen wir mehr Pucks aufs Tor bringen und für mehr Verkehr vor dem Kasten sorgen", wusste Raffl, wo der Hund begraben lag.

Rafel Herburger, der nicht so hervorstach wie noch in den ersten beiden Spielen, pflichtete dem NHL-Profi bei: "Sie haben alles dichtgemacht und auf Konter gewartet, das haben wir gewusst und auch nicht viel hergegeben. Aber es war klar, dass nichts herausschauen wird, wenn wir nicht zum Tor fahren. Insgesamt hat einfach die Effizienz gefehlt."

Ein Haken zu viel: Die ÖEHV-Spieler mussten oft auf die Strafbank

Strafen ärgern Ratushny

ÖEHV-Head-Coach Ratushny war natürlich ebenfalls nicht entgangen, dass immer ein französisches Bein dazwischen war, wenn es brenzlig wurde.

"Wir hätten vielleicht einmal einen Schuss antäuschen oder die Scheibe mehr bewegen müssen, um eine freie Schussbahn zu erhalten. Man muss aber auch Frankreich loben, wie sie nach dem 1:0 fast alles geblockt und nichts mehr zugelassen haben, war schon sehr stark."

Konnte der Teamchef die fehlende Effizienz und dem nervösen Beginn seiner Mannschaft ("Wir haben die Scheibe schlecht abgespielt, das wurde mit Fortdauer der Partie aber besser") noch verschmerzen, so störte ihn eine Sache ganz gehörig:

"Wir haben viel zu viele Strafen kassiert, das darf nicht passieren, gerade gegen einen guten Torwart ist das kostbare Zeit, die man damit verschwendet, den Penalty zu killen. Das müssen wir schleunigst abstellen."

Mund abputzen, weitermachen

Nach dieser schmerzhaften Niederlage kommt es gerade wie gerufen, dass das ÖEHV-Team nun zwei Tage frei hat, ehe es am Freitag gegen WM-Gastgeber Tschechien und tags darauf gegen Lettland geht.

"So ist es im Sport, nach eine Niederlage ist es zunächst immer schwer. Aber das geht schnell vorüber. Spätestens morgen im Training sind die Gedanken schon wieder wo anders", war sich Ratushny sicher und auch Kapitän Thomas Raffl mimte den Optimisten:

"Ich bin mir sicher, dass wir uns wieder erfangen. Wir haben noch genügend Möglichkeiten, Punkte gegen den Abstieg zu sammeln."

Sein Bruder möchte ebenfalls keine Gedanken mehr an diese ärgerliche Niederlage verschwenden: "Einfach weitermachen, nächstes Training, nächstes Spiel, nächster Shift. Es ist ein langes Turnier, es ist noch nichts verloren."

Mund abputzen, weitermachen und aus den Fehlern lernen ist also angesagt.

 

Aus Prag berichtet Fabian Santner

Ein Block nach dem anderen

Ab diesem Zeitpunkt igelten sich die Franzosen noch mehr ein und stemmten sich mit aller Macht gegen die österreichischen Angriffsversuche. Zwar fand das ÖEHV-Team noch ein paar gute Chancen vor und traf auch einmal die Stange, die meisten Versuche endeten aber an irgend einem Körperteil der Franzosen.

"Nach dem Tor sind sie hinten noch enger gestanden. Da wurde es noch schwerer", meinte Raffl verärgert und Herburger ergänzte: "Am Ende hatten wir vielleicht etwas Pech und sind uns hin und wieder auch selbst im Weg gestanden. Dass wir diese Spiel so verlieren, ist ärgerlich."

Frankreichs Coach Henderson konnte hingegen nicht verbergen, wie stolz er auf sein Team war: "Nach der Führung hat es uns sehr geholfen, dass wir diesen Stil schon lange spielen. Damien Fleury ist sicher nicht als Schussblocker bekannt, in den letzten Minuten hat er sich aber in fünf, sechs Schüsse geworfen. Das zeigt, wie sehr meine Mannschaft den Sieg wollte."

Die von Raffl angesprochenen 23 Abschlüsse waren angesichts der Zeit, die Team Austria im französischen Drittel verbrachte, tatsächlich nicht viel.

Noch frustrierender war aber die Tatsache, dass die Franzosen mit ihrer Mauertaktik mehr Torschüsse zusammenbrachten, nämlich ganze 28. Dabei nahm sich der NHL-Crack auch selbst an der Nase.

"Wir haben zu viel gekünstelt, zu oft versucht schöne Tore zu schießen, ich selbst auch. Ich habe ganz eindeutig zu wenig geschossen. Ich hätte locker fünf, sechs Torschüsse mehr abgeben können", war Raffl durchaus selbstkritisch.

"Ich habe mir zum Besispiel ein paar Mal den Puck auf die Backhand gelegt, anstatt abzuschließen, aber so ist es im Eishockey, es geht schnell und dann trifft man die falschen Entscheidungen."

Da Costa spielte sich warm

Die richtige Entscheidungen hat Frankreichs Coach Dave Henderson getroffen. Er ließ den angeschlagenen Star-Stürmer Stephane Da Costa, der erst kurz vor Spielbeginn ins Lineup rückte, zunächst fast nur auf der Bank und brachte ihn nach und nach in die Partie.

"Es war nicht klar, ob er schmerzfrei spielen kann, deswegen hat er anfangs nur etwas Eiszeit im Powerplay bekommen. Als er dann aufgewärmt war, fühlte er sich viel besser und hat mehr Shifts erhalten", erklärte der französischen Teamchef seinen Masterplan.

Der 25-jährige KHL-Stürmer dankte es ihm im Schlussabschnitt mit einem wuchtigen Schuss im Powerplay, den Damien Fleury noch unhaltbar für den erneut tadellosen Bernhard Starkbaum abfälschte.

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