Selbstkritik statt WM-Lobhudelei

Aufmacherbild
 

"Ein Stück österreichische Mentalität"

Aufmacherbild
 

Österreich hat nach zwei Spielen bei der B-WM in Ljubljana das Punktemaximum von sechs Zählern geholt.

Mit zwölf Treffern in den ersten beiden Partien stellt die ÖEHV-Mannschaft die beste Offensive des Turniers.

Eigentlich Grund genug, um den Protagonisten zumindest für den Start ein Lob auszusprechen. Die Spieler und das Trainerteam sehen dies aber anders und halten sich mit Komplimenten ihr eigenes Spiel betreffend zurück. Viel mehr herrscht ein kritischer Tenor ob der Art und Weise, wie die Partien bestritten wurden.

Defensive vernachlässigt

Sowohl im Auftaktspiel gegen die Ukraine als auch im Aufeinandertreffen mit Großbritannien waren eindeutige Schwächen zu erkennen, wenn die Österreicher in Führung lagen.

Zwar mutet ein 7:3-Erfolg wie jener gegen die Briten souverän an, Manuel Latusa, mit drei Treffern bester Torschütze der rot-weiß-roten Auswahl im bisherigen Turnier, hat nach dem Spiel dennoch einiges zu bemängeln.

„Wir haben wieder gut begonnen und die Chancen genützt. Hinten müssen wir aber besser agieren und weniger Fehler machen. Es gilt, enger beim Mann zu stehen und in der defensiven Zone keine Chancen zuzulassen“, nimmt der Salzburg-Spieler sich und seine Kollegen in die Pflicht und spricht vor allem die Stürmer in der Rückwärtsbewegung an.

„In der Offensive arbeiten wir mehr als für die Defensive. Vielleicht auch, weil wir alle Tore schießen möchten oder auch müssen. Aber auch in der Abwehr müssen wir die Scheiben gewinnen und um jeden Zentimeter kämpfen, wenn der Puck freiliegt“, kennt Latusa die Ursache für die sieben Gegentore in den ersten zwei Spielen.

Latusa (r.) erzielte gegen die Briten zwei Tore

Die österreichische Mentalität

Im letzten Drittel mussten die Österreicher auch einen Treffer in Unterzahl hinnehmen - eine logische Folge, nachdem man zahlreiche Strafen genommen hatte. Für Latusa ist auch das ein Resultat des mangelnden Einsatzes.

„Die Strafen kommen dann, wenn wir das Geschehen nicht diktieren, sondern passiv spielen. Wenn wir dem Gegner zuschauen, wie er eisläuft, sind Strafen wie Beinstellen oder Haken, weil man schlicht einen Schritt zu spät ist, vorprogrammiert.“

Solche Hänger wie die gegen die Ukraine oder Großbritannien wären gegen Mannschaften wie Ungarn oder Slowenien der Genickbruch. Warum sich solche Phasen in beiden Spielen einschlichen, erklärt der Bullen-Angreifer wie folgt.

„Es ist vielleicht nur menschlich oder auch die österreichische Mentalität, dass wir uns mit der Führung im Rücken zurücklehnen. Wir müssen Herz zeigen, bei der Sache bleiben und die Partie nicht so dahinplätschern lassen. In unserer Verfassung müssen wir das Spiel diktieren und über 60 Minuten Leistung bringen.“

Soviel Selbstkritik nach einem 7:3-Erfolg ist in Österreich hingegen nicht üblich und bei weitem nicht Teil der Mentalität. Dies zeugt von einem Reifeprozess der Protagonisten.

Die kritische Reflexion bringt die Mannschaft mit Sicherheit weiter, als sich mit Lob den Bauch zu pinseln, wie dies oft genug in ähnlichen Situationen bereits der Fall war.

Sebastian Rauch

Nicht mit letzter Konsequenz

Außerdem schalteten die Österreicher erneut bei deutlicher Führung zurück, prompt fing man sich ein Gegentor ein.

„Es ist in gewisser Weise verständlich, dass man es mit einer Vier-Tore-Führung etwas leichter nimmt. Aber im Eishockey geht es oft schnell und meine jungen Spieler müssen lernen, dass sie nicht drei Minuten schlafen können, denn dann bekommen wir ein Tor“, hat Head Coach Manny Viveiros das Problem seiner Truppe erkannt.

Die Abwehrleistung im zweiten Spiel stößt dem ehemaligen Defender ebenfalls sauer auf.

„Die drei Tore, die wir gegen die Briten bekommen haben, waren nicht notwendig. Gegen die Ukraine haben wir die Tore von draußen bekommen, aber diesmal haben wir zu viele Torchancen vor dem eigenen Kasten zugelassen.“

Verteidiger Stefan Ulmer schließt sich seinem Trainer an, ist sich aber gewiss, dass sich dies in den nächsten Partien noch ändern wird.

„Wir sind noch nicht so eingespielt, wie wir das sein sollten, denn es sind einige Spieler in der Verteidigung erst spät zur Mannschaft gestoßen. Das braucht Zeit und wir hoffen natürlich, dass Gerhard Unterluggauer zurückkehrt. Die Defensive steht derzeit nicht sicher, aber ich denke wir bekommen das noch in den Griff“, so der Vorarlberger.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen