Nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft

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Zum ersten Mal während der A-WM in Prag wirkte Österreichs Teamchef Daniel Ratushny so richtig unzufrieden.

Die völlig unnötige 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen Lettland hatte dem Coach ziemlich aufs Gemüt geschlagen.

Ich bin richtig wütend!“

„Die Niederlage tut sehr weh. Ich bin sehr enttäuscht und sogar richtig wütend!“, ließ der 44-jährige Kanadier die versammelte Presse wissen.

Man konnte es ihm nicht verübeln, schließlich war seine Mannschaft über die gesamte Spielzeit tonangebend, konnte aber zahlreiche Top-Chancen nicht verwerten.

So stand das ÖEHV-Team am Ende nur mit einem Punkt da, anstatt sich über den Klassenerhalt freuen zu dürfen.

Österreich hätte gewinnen müssen

„Wir hätten es uns heute mehr verdient“, war sich auch Michael Raffl sicher. Den Fehlern, die zu den Gegentoren führten, maß der NHL-Legionär keine allzu große Bedeutung zu. „Im Eishockey geht es nun einmal schnell. Da vergisst du ein, zwei schnelle Schritte zu machen und der Gegenspieler ist vor dir.“

Auch Ratushny hatte bis auf das Ergebnis nichts zu beanstanden. „Ich habe heute sehr viel Positives gesehen. Wir hatten unzählige Torchancen, unsere Defensive ist gut gestanden, was wir im Powerplay gemacht haben, hat mir auch gefallen und das Penalty-Killing war stark“, zählte der Trainer gegenüber LAOLA1 sämtliche Gründe auf, warum Österreich dieses Spiel eigentlich gewinnen hätte müssen.

Torhüter als Sargnagel

Aber im Eishockey gewinnt nun einmal nicht immer die bessere Mannschaft, sondern hin und wieder auch die glücklichere.

Lettlands Head Coach Alexander Beliavsky gab auch unumwunden zu, dass sein Team nicht gerade eine Gala-Vorstellung abgeliefert hatte.

„Wir haben erwartet, dass Österreich aggressiv spielt, dennoch hat uns das gerade im ersten Drittel massive Probleme bereitet. Unser Torhüter hat uns aber im Spiel gehalten“, hatte der Trainer ein Sonderlob für Keeper Edgars Masalskis, der 28 Schüsse abwehrte, parat.

„Im zweiten Abschnitt sind wir dann besser ins Spiel gekommen und haben glücklicherweise ausgeglichen. Ein Konter in der Overtime hat die Partie entschieden.“

Umschaltspiel funktioniert endlich

Ein weiterer Punkt, der Mut für das „Entscheidungsspiel“ gegen Deutschland am Montag machen sollte, war das oft kritisierte, diesmal aber gut funktionierende Umschaltspiel der Österreicher.

„Die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden, ist schwer. Das ist meiner Mannschaft heute sehr gut gelungen, sie hat Chancen kreiert und hinten kaum welche zugelassen“, lobte Ratushny.

Überhaupt schien die Leistung gegen Lettland alle Beteiligten positiv für das Deutschland-Spiel zu stimmen. „Die Deutschen sind sicher in unserer Reichweite. Wir werden alles daran setzen, dieses Spiel zu gewinnen“, so Raffl.

Keine Rechenspiele beim ÖEHV

Zwar gibt es unterschiedliche Szenarien, wie Österreich auch ohne einen Sieg nach regulärer Spielzeit gegen den Nachbarn den Klassenerhalt schaffen kann, auf solche Rechenspiele wollte sich aber niemand aus dem ÖEHV-Team einlassen.

„Wir werden gegen Deutschland unseren Job erledigen“, ließ Ratushny wissen.

Es wäre dem Coach zu wünschen, allein schon, damit er am Montagabend nicht schon wieder wütend sein muss.

 

Aus Prag berichtet Fabian Santner

Viel Verkehr und viele Blocks

Auch Ratushny war die Leistung des lettischen Schlussmannes nicht entgangen. „Ihr Torhüter war sehr stark, wir haben alles versucht, aber er hat uns immer wieder gestoppt.“

Daneben musste der Teamchef wieder einmal mitansehen, wie zahlreiche Versuche seiner Mannschaft gar nicht erst bis zum Torhüter vordrangen.

„Wir haben diesmal zwar für viel Verkehr vor dem Tor gesorgt, das Problem war aber, dass nicht viele Schüsse durchgegangen sind. Lettland hat sehr gut geblockt.“

Bisher bestes Spiel bei dieser WM“

Mit der Einstellung seines Teams war Ratushny wieder einmal höchst zufrieden, es war deutlich zu spüren, dass jeder Einzelne hundert Prozent gab und sich nicht hängen ließ. Auffallend war vor allem, wie die Mannschaft nach dem Gegentreffer Ruhe bewahrte und nicht in Panik verfiel.

„Die ersten paar Minuten nach dem Tor waren emotional schwer zu verdauen. Aber so ist es im Sport, man geht durch Höhen und Tiefen und muss damit fertig werden. Das hat die Mannschaft super gemacht“, so Ratushny, der seinen Cracks attestierte, gegen Lettland das bisher beste WM-Spiel abgeliefert zu haben.

„Wir haben Charakter gezeigt und waren auch nach dem Ausgleich die bessere Mannschaft“, sah es Raffl genauso. Auch Dominique Heinrich meinte: „In der Kabine war die Stimmung sehr positiv, es stand 1:1 nach zwei Dritteln, wir haben alle fest an den Sieg geglaubt.“

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