Die Tops und Flops der B-WM

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Die Tops und Flops der B-WM

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Die Weltmeisterschaft der Division I ist Geschichte.

Österreich beendete das Turnier in Ljubljana mit nur einer Niederlage. Gastgeber Slowenien und die rot-weiß-rote Auswahl schafften nach dem Abstieg im letzten Jahr den Wiederaufstieg und spielen somit im nächsten Jahr in Schweden und Finnland wieder erstklassig.

LAOLA1 fasst fünf Tops und Flops der B-Weltmeisterschaft in Ljubljana zusammen.

 Offensive: Vorne hui, hinten pfui. Ganz so drastisch war es bei diesem Turnier vielleicht nicht, dennoch ist der Angriff der Österreicher absolut als positiv herauszustreichen. 24 Treffer in fünf Spielen machen einen Schnitt von 4,8 Toren pro Partie und sprechen eine deutliche Sprache. Zum Vergleich: Slowenien, mit der zweitbesten Offensive dieser B-WM, brachte die Scheibe „nur“ 17 Mal im gegnerischen Gehäuse unter. Vor allem Manuel Latusa ist an dieser Stelle hervorzuheben. Der Salzburger war der Lichtblick dieses Turniers, wurde zum besten Stürmer und ins All-Star-Team gewählt und erzielte nicht weniger als fünf Tore in fünf Spielen, was ihm den Titel des Torschützenkönigs einbrachte. Außerdem hat der 28-jährige Angreifer noch zwei Assists zu Buche stehen, wofür er den zweiten Platz in der Wertung der besten Punktesammler ergatterte.

Gerhard Unterluggauer: Der Routinier absolvierte zwar nur zwei Spiele, diese aber mit Bravour. Der VSV-Verteidiger erzielte drei Treffer, unter anderem den wichtigen 2:2-Ausgleich gegen Ungarn in Überzahl. Unterluggauer spielte bereits seine 15. WM und auch wenn ihm vor dem Turnier das "C" abgenommen wurde, gehört er zu den absoluten Führungsspielern in der Mannschaft. Er ist der älteste Spieler, zeigte aber, dass er noch immer besser ist als so mancher, der noch nicht so viele Lenze zählt wie der 35-Jährige.

Aufstieg: Das österreichische Nationalteam hat das Ziel erreicht und ist wieder erstklassig. Wie schon in den Jahren zuvor schaffte man nach dem Abstieg den sofortigen Wiederaufstieg. Das Niveau in der Division I überschreitet das der Erste Bank Eishockey Liga nicht, wollen die jungen Spieler dazulernen, müssen sie sich auf einem höheren Level beweisen. Für die vielen Debütanten war der Start in die Turnier-Karriere bei einer B-WM sicher nicht schlecht, um auf bekanntem Niveau erste Erfahrungen zu sammeln. Nun muss man sich aber höheren Aufgaben stellen und daran kann die Mannschaft wachsen.

Junge Mannschaft: Teamchef Manny Viveiros sagte bereits bei seinem Amtsantritt, er wolle die Mannschaft verjüngen. Dies ist dem Austro-Kanadier sichtlich gelungen. Wie bei jeder Nominierung lässt sich natürlich über die Spieler, welche ausgewählt werden, streiten, der Erfolg und das Erreichen des gesteckten Ziels geben dem Head Coach aber recht. Viveiros verzichtete auf einige ehemalige und lang-gediente Cracks wie Philippe Lakos, Roland Kaspitz oder Markus Peintner und gab Spielern wie Raphael Herburger, den Geier-Zwillingen oder den Verteidigern Stefan Ulmer und Dominique Heinrich eine Chance. Mit Gerhard Unterluggauer (35), Gregor Baumgartner (31) und Matthias Trattnig (33) sind nur noch drei Spieler im Kader jenseits der 30. Jüngster Akteur war Ulmer mit 21 Jahren.

EBEL: Der eigentliche Gewinner der B-WM ist die Erste Bank Eishockey Liga. Die ersten drei Plätze in der Tabelle werden mit Österreich, Slowenien und Ungarn von drei Mannschaft belegt, deren beste Klubs und der Großteil der Spieler in der EBEL spielen. Somit stellt die heimische Liga im nächsten Jahr wieder zwei Vertreter bei der A-WM. Dies fördert das Ansehen im Ausland, könnte somit bessere Spieler und potentere Sponsoren anlocken, was den Liga-Verantwortlichen mit Sicherheit kein Dorn im Auge wäre.

Zusatz: Michael Grabner

In welche Kategorie Michael Grabner fällt, ist nicht ganz klar, erwähnt muss sein Auftreten aber dennoch werden. Der NHL-Legionär blieb bei diesem Turnier gemeinsam mit Daniel Oberkofler als einziger ÖEHV-Stürmer ohne Tor, mit den Verteidigern Martin Schumnig, Johannes Reichel und Dominique Heinrich beendeten nur fünf rot-weiß-rote Spieler das Turnier ohne Tor. Allein diese Statistik würde ihn als Flop deklarieren.

Dennoch gehört Grabner Respekt gezollt. Zum einen ist es ihm hoch anzurechnen, dass er nicht wie andere Legionäre seinen Urlaub dem Auftritt mit der Nationalmannschaft vorgezogen hat, zum anderen präsentierte sich der Islanders-Stürmer als absoluter Teamplayer.

Trainer Viveiros bestätigte das: „Michi sagte von vornherein, dass er dort spielen würde, wo ich ihn sehen will. Er hat sich komplett in den Dienst der Mannschaft gestellt. Seine Einstellung ist wirklich herausragend und alle anderen Spieler schauen auf ihn. Was er vorlebt, wollen die anderen in ihrer Karriere noch erreichen. Jeder Spieler möchte in seiner Karriere einmal NHL spielen. Es ist unbezahlbar, welchen Stellenwert er in der Kabine einnimmt.“

Ein Star ohne Allüren und Selbstdarstellungstrieb, der wenn möglich auch mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder das ÖEHV-Jersey tragen wird. „Wir haben ein tolles Team und ich bin sehr gut aufgenommen worden. Ich habe mit vielen jungen Spielern zusammengespielt, mit denen ich vor acht Jahren noch in Österreich gespielt habe. Im nächsten Jahr werden wir sehen, wie wir uns anstellen, wenn wir gegen die besten der Welt bestehen müssen“, freut sich der gebürtige Villacher bereits auf ein Wiedersehen mit seinen Teamkollegen bei der A-WM in Schweden und Finnland 2013.

Ulmers Kritik: Der jüngste Spieler im Team hat sich trotz ansprechender Leistungen selber ins Abseits befördert. Aufgrund seiner heftigen öffentlichen Kritik an Teamchef Viveiros (Hier kannst du nachlesen, was er gesagt hat) wurde der Verteidiger vor dem letzten Spiel gegen Slowenien aus dem Kader entlassen. Dabei geht es weniger um das Gesagte, als vielmehr um die Art und Weise, die der Vorarlberger gewählt hat. Es ist verständlich, dass Ulmer mit seiner geringen Eiszeit im Ungarn-Spiel als ambitionierter Crack nicht zufrieden geben will, den Teamchef aber öffentlich zu diskreditieren, ist weder klug noch sonderlich effektiv. Sollte er sich ungerecht behandelt gefühlt haben, hätte er ein Gespräch mit den Teamchef und nicht mit den Medien suchen müssen. Trotz des vorläufigen Rauswurfs ist die Türe zum Nationalteam aber nicht für immer verschlossen. Die Entschuldigung gepaart mit der Einsicht des Spielers lassen auf weitere Einsätze in der rot-weiß-roten Auswahl hoffen.

Verteidigung: Die dauerhafte Ausbootung Ulmers kann sich der ÖEHV derzeit schlicht nicht leisten. Dieses Turnier hat die offensichtlichen Schwächen des Teams schonungslos offengelegt. Österreich fehlen Verteidiger auf internationalem Niveau. Trattnig und Unterluggauer sind von dieser Kritik auszunehmen und eventuell noch mit Abstrichen Martin Schumnig. Johannes Kirisits, Johannes Reichel und Mario Altmann wirkten in den meisten Spielen unsicher und fabrizierten teilweise haarsträubende Fehler. Heinrich, der sein erstes Turnier spielte, hat zwar gute Anlagen, wird aber aufgrund seiner geringen Körpergröße (175 cm) ebenso wie Ulmer (174 cm) in der A-Gruppe Probleme bekommen. Wenn die Verteidigung an den Pranger gestellt wird, muss man auch mit Bernhard Starkbaum hart ins Gericht gehen, denn der VSV-Keeper zeigte sich weit unter seinem Leistungsvermögen. Backup Fabian Weinhandl deutete im letzten Spiel an, dass der Stammkeeper um seinen Status als erster Golaie fürchten muss.

Eisfläche: Es besteht kein Zweifel, dass die Arena Stozice in Ljubljana ein Schmuckkästchen ist, das vor allem durch ihre Tribünen und die tolle Akustik zu überzeugen weiß. Was die Eisfläche betrifft, herrschte von Seiten der Spieler aber von Beginn an rege Kritik. „Am Anfang war es unglaublich schlecht, wie am Teich“, war der kurze aber prägnante Kommentar von Manuel Latusa. Auch Teamchef Viveiros machte nach den Spielen immer wieder auf den schlechten Zustand des Untergrunds aufmerksam. Zahlreiche versprungene Pucks machten dies auch dem Zuschauer deutlich.

Mangelndes Interesse: Die Anhängerschaft des österreichischen Nationalteams wird immer kleiner. Die mitgereisten Fans waren in Ljubljana zahlenmäßig zum Beispiel jenen aus Ungarn klar unterlegen. Obwohl die Anreise nach Ljubljana aus den östlichen Teilen Österreichs nun wirklich keine Weltreise ist, sahen viele von der Unterstützung für ihre Mannschaft ab. Bereits die Vorbereitungsspiele in Villach und Feldkirch deuteten an, dass das Interesse am ÖEHV-Team kein besonders großes ist. Entgegensteuern kann man dieser Entwicklung wohl nur mit Erfolgen. Dass es sich bei dem Turnier in Slowenien nur um eine B-WM handelte, darf für einen echten Fan eigentlich kein Argument zum Fernbleiben sein.

Schiedsrichter-Besetzung: Es ist nicht die Leistung der Unparteiischen, die zum Nachdenken anregen sollte, sondern die Besetzung der IIHF. Das Reglement der B-WM sieht nur einen Haupt-Schiedsrichter und zwei Assistenten vor. In der NHL oder auch in der Erste Bank Eishockey Liga wird mit zwei "Zebras" gespielt, die beide die Funktion des Haupt-Referees übernehmen. Durch die mangelnde Besetzung wurden viele Fouls wie Haken oder Beinstellen nicht richtig gewertet bzw. gar nicht gesehen. Auf diesem Niveau ist das Powerplay eine wichtige Waffe und entscheidet Spiele. Daher sollte sich der internationale Verband überlegen, die Zahl Schiedsrichter bei einer Weltmeisterschaft der Division I nicht vielleicht doch aufzustocken.

Aus Ljubljana berichtet Sebastian Rauch

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