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Alte Fehde schreibt neues Kapitel

Seit Jahren gibt es Gerüchte, die Vienna Capitals hätten eine schwarze Liste, auf welcher Spieler vermerkt sind, die für ein Engagement in der Hauptstadt nie in Frage kommen würden.

Dies sei nicht der Fall versichert Vize-Präsident Martin Platzer. Jedoch gäbe es einige Spieler, die in Wien aufgrund von Altlasten nicht gerne gesehen werden.

Drei Namen, um die es sich immer wieder dreht, sind Andre Lakos, Oliver Setzinger und Markus Peintner. Den ehemaligen Capitals-Cracks wird vorgeworfen, sie hätten sich gegenüber dem Verein bei Vertragsverhandlungen nicht korrekt verhalten.

Streit zwischen Platzer und Lakos

Seit Jahren werden diese alten Geschichten zu Transferzeiten wieder ausgegraben und von neuem aufgerollt. Auch in diesem Jahr war es wieder soweit.

Andre Lakos wurde, als er noch auf der Suche nach einem neuen Verein war, in der Albert-Schultz-Halle gesichtet.

Sofort gingen Spekulationen um eine mögliche Verpflichtung des ehemaligen Salzburg-Spielers los.

Darauf angesprochen nahm Martin Platzer im Interview mit www.sportreport.biz wie folgt Stellung.

"Es gibt Spieler, mit denen wir – wegen der Zusammenarbeit oder der Beendigung derselben – kein gutes Einvernehmen haben. Da haben sie sich nicht in Ordnung benommen. (…)Wir wollen nicht mit Spielern zusammenarbeiten, die uns nicht gut gesinnt sind und jetzt zu uns kommen wollen, weil sie sonst keinen Job haben. Das interessiert uns überhaupt nicht.“

Als Setzinger und Lakos folgende Zeilen gelesen haben, sahen sie sich wiederum veranlasst, ihre Sicht der Dinge darzustellen und das Thema nach ihrem Ermessen zu beleuchten.

Letzterer äußerte sich in einer Presseaussendung wie folgt: „Nachdem ich einen Vertrag mit den Columbus Bluejackets unterschrieben habe, hatte ich mit den Caps eine Vereinbarung, dass ich bei beidseitigem Einverständnis zu ihnen zurückkehren würde. Dieses beidseitige Einverständnis war nicht mehr gegeben und deshalb habe ich mich 2005 zum ersten Mal für RB Salzburg entschieden.“

Platzer findet klare Worte für Lakos und Setzinger

Juristische Feinheiten

"Leider wurde mir nun schon zum wiederholten Mal von Seiten der Capitals Vertragsbruch vorgeworfen, was mich wirklich ärgert. Denn ich bin damals in gutem Einvernehmen mit den Wienern auseinander gegangen. Wenn ich den Vertrag einseitig gebrochen hätte, wäre es ein leichtes gewesen, mir die Spielberechtigung zu entziehen. Kein Verein lässt erst einen Spieler mit gültigem Vertrag einfach so gehen, um es ihm zu einem späteren Zeitpunkt vorzuwerfen. Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen.“

Weiter sagt Lakos: „Im Interview von Capitals-Vizepräsident Martin Platzer war ich unter einigen Spielern, die hart kritisiert wurden. Schon zuvor hat er zum Beispiel während der letzten Playoffs im „Kurier“ Unwahrheiten über mich verbreitet.“

Der nunmehrige Köln-Verteidiger rechtfertigt seine Anwesenheit bei den Caps-Heimspielen mit einem Heimatbesuch und dem Interesse an den Spielen seines Bruders, der bekanntlich bei den Wienern unter Vertrag steht

Somit kann der ehemalige Salzburger in keiner Weise nachvollziehen, wie die Gerüchte um eine mögliche Verpflichtung aufkamen.

"Die Wahrheit ist, dass es keine intensiven Kontakte mit den Capitals gab. Da meine Familie in Wien wohnt, habe ich mich im Sommer einige Zeit hier fit gehalten.“

Die Tatsache, dass diese alte Geschichte wieder ausgekramt wurde, erzürnt Lakos.

"Ich bin den Capitals gegenüber positiv gesinnt und finde es persönlich bedauerlich, dass an so einer nachweislich unwahren Geschichte solange festgehalten wird. Langsam erwäge ich ernsthaft gegen diese wiederholten unwahren Vorwürfe rechtliche Schritte einzuleiten. Das Ganze grenzt an üble Nachrede beziehungsweise Verleumdung. Nicht ganz verständlich ist mir, warum es Herr Platzer anscheinend persönlich nimmt, wenn Spieler den Verein verlassen. Mir ist kein anderes Capitals-Vorstandsmitglied bekannt, welches mich jemals persönlich verbal attackiert hat.“

Oliver Setzinger (l.) im Jahr 2007 im Dress der Caps

Für den 27-jährigen Stürmer ist es völlig normal, dass sich Manager von Spielern während einer Transferperiode auf dem Markt umsehen.

"Das hat mit Vertragsverhandlungen oder „Anbieten“ relativ wenig zu tun. Es ist übliche Praxis den Markt ständig zu beobachten. Ich finde es seltsam, wie mit verdienten Nationalteamspielern, ehemaligen Leistungsträgern des Vereins und Publikumslieblingen umgegangen wird. Einem Thomas Vanek wirft man auch nicht vor, dass er ins Ausland geht“, so Setzinger.

Harte Kritik am Spieler Setzinger

Wie stehe die Vienna Capitals nun zu ihrem ehemaligen Schützling? Platzer nimmt sich beim Thema Setzinger kein Blatt vor den Mund.

"Während Lakos zumindest sportlich ein Thema wäre, aber charakterlich einfach keine Option ist, rede ich von Setzinger nicht einmal über das sportliche. Ein Riesentalent, aber was er daraus macht ist das Schlechteste. Von der AHL in die erste und dann in die zweite Schweizer Liga.  Bei der WM hat er gezeigt, was er nicht kann. Es ist unglücklich, denn er lässt sich von den Medien reintreiben und dann macht er die Klappe auf. Man muss halt wissen wann man was zu sagen hat und wann nicht“, findet der Caps-Funktionär klare Worte.

Der Auslöser für die scheinbar nicht enden wollende Fehde der beiden Herren sieht Platzer bei Setzinger. Während dieser sich keiner Schuld bewusst ist, ist der Caps-Vize der Meinung, dass die Schuld für den unrühmlichen Abgang beim Angreifer zu suchen ist.

"Er hat im letzten Jahr bei den Capitals über die Zeitschrift „News“ ausrichten lassen, dass in seinen Augen der Vorstand der Vienna Capitals unfähig ist. Er hat diese Kritik auch noch mehrmals wiederholt und gemeint, dass bei den Capitals keiner eine Ahnung hat. Wenn wir alle keine Ahnung haben, brauchen wir mit ihm auch nicht mehr zusammenzuarbeiten“, so Platzer, der aber betont, die Kritik nicht persönlich zu nehmen.

Lösungsansatz

Wieder einmal steht Aussage gegen Aussage und man bekommt das Gefühl, dass alle Parteien dieses Thema, obwohl sooft gefordert, nicht ruhen lassen können.

Das letzte Kapitel der Fehde „Platzer-Lakos-Setzinger“ ist mit Sicherheit noch nicht geschrieben.

Vielleicht wäre es ein Lösungsanasatz, wenn sich die Parteien an einen Tisch setzen würden und die Dinge persönlich aus der Welt schaffen, anstatt sich gegenseitig immer etwas über die Medien ausrichten zu lassen.

Sebastian Rauch

"Es ist eine Charakterfrage“

LAOLA1 hat diesbezüglich bei dem Mann nachgefragt, der Licht in die Sache bringen kann.

Platzer gibt dem ehemaligen Caps-Verteidiger Lakos zum Teil Recht, sieht das Problem aber mehr auf der moralischen als auf der juristischen Seite.

"Es ist richtig, wie Herr Lakos die Situation beschreibt, nur muss dazu gesagt werden, dass er, als er in die USA wechselte, noch einen gültigen Vertrag bei den Vienna Capitals hatte. Er ist auf mich zugekommen und hat gebeten, ihn aus dem Vertrag zu entlassen, da sich die Möglichkeit für ihn bietet, in der NHL zu spielen. Da wir weder ihm, noch sonst einem Spieler Steine in den Weg legen und somit die Karriere erschweren wollen, sind wir diesem Wunsch nachgekommen.“

"Allerdings haben wir ein Schriftstück aufgesetzt, welches festhält, dass er bei einer möglichen Rückkehr nach Österreich wieder zu den Capitals kommen wird. Allerdings, und da muss ich den Fehler auf meine Kappe nehmen, haben wir dieses Schriftstück mit seinem Manager auf Englisch verfasst und dadurch hat es sprachliche Differenzen gegeben. Sprich es gab anscheinend juristische Formulierungen, die von meiner Seite nicht präzise genug formuliert wurden.“

"Es geht mir dabei weniger um das juristische, als vielmehr um eine Charakterfrage. Juristisch war es nicht so eindeutig und der Fehler liegt da wohl auch bei mir.“

Platzer ist auch bemüht klarzustellen, dass Lakos, wie in vielen Medien verlautbart, keine persona non grata bei den Capitals ist.

"Nein, das ist er bestimmt nicht. Wenn ich ihn treffen würde, würde ich ihm auch ganz normal die Hand schütteln. Ich wünsche ihm alle Gute wo immer er künftig spielt und ich halte ihn für einen guten Spieler. Aber die Geschichte mit uns war eben moralisch nicht in Ordnung.“

Außerdem fügt der Caps-Vizepräsident noch hinzu: „Die ganze Geschichte ist halb so wild.“

Setzinger und die Capitals

Neben Lakos soll sich laut Platzer auch Setzinger den Capitals angeboten haben. Dem wiederspricht der ehemalige Nationalspieler in einer Aussendung aber vehement.

"Mir hat er (Anm: Martin Platzer) als Spieler mit aktuell gültigem 3-Jahres-Vertrag das Gleiche vorgeworfen. Ich habe damals den Verein leider nicht in gutem Einvernehmen verlassen können. In meinem Fall konnte man das „falsche Verhalten“ eindeutig nicht auf meiner Seite feststellen. Ich denke nicht, dass Herr Platzer diese Causa noch einmal an die Öffentlichkeit zerren will, da mein Abgang von den Capitals meinerseits vertragsgemäß abgelaufen ist. Da haben sich leider die Capitals nicht korrekt verhalten. Nun soll ich mich gar aus Verzweiflung erneut angeboten haben. Das ist völlig aus der Luft gegriffen.“

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