Pöck: "Ich bin gut genug!"

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"Im März lag mir ein tolles Angebot des KAC vor"

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Thomas Pöck genießt den Moment.

Er schwelgt in Erinnerungen. Seine Begeisterung ist dabei selbst abertausende Kilometer entfernt, greifbar.

Manchmal staunt der 30-Jährige, hat er seit Montag doch die ersehnte Gewissheit: Er darf den Traum wieder leben. Jenen aller Kufencracks. Jenen von der NHL.

Die Colorado Avalanche statten den Verteidiger mit einem Two-Way-Kontrakt für die Saison 2012/13 aus. Nach drei Jahren Europa mit Stationen bei Rapperswil (Schweiz) und MODO (Schweden) kehrt er zurück in das Schlaraffenland des Eishockeys.

„Ich bin schwer davon überzeugt, dass ich gut genug bin. Ich werde im September zum Camp bereit sein, den Kampf aufzunehmen“ offenbart der Klagenfurter seine „Gier“.

Wenn Pöck dieser Tage nicht an der körperlichen Verfassung schuftet, hängt er meist an der Strippe.

LAOLA1 erreichte ihn auf dem Weg zu einer Grillparty zu Ehren des Independence Day (4. Juli), dem amerikanischen Tag der Unabhängigkeit.

LAOLA1: Gratulation zum Engagement in Colorado: Wie groß ist die Erleichterung?

Thomas Pöck: Danke, sehr groß! Als ich vor drei Jahren nach Europa gegangen bin, hatte ich das Kapitel NHL abgeschlossen. Im Hintergedanken war aber immer die Rückkehr. Colorado gab mir nun die Chance, zu beweisen, dass ich noch gut genug bin, hier zu spielen.

LAOLA1: Deine Vorgesetzten bei MODO, die Manager Peter Forsberg sowie Markus Näslund, pflegen dank erfolgreicher Vergangenheit beste Kontakte in die Elite-Liga. Inwiefern kam dir dieses Netzwerk zugute?

Pöck absolvierte über 100 NHL-Partien

LAOLA1: Zu College-Zeiten wurdest du vom Forward zum Defender umgeschult. Dir fehlen Lehrjahre, um gegen Superstars á la Sidney Crosby zu bestehen, meintest du einst. Was veränderte sich seither?

Pöck: Ich habe das zehnte Jahr als Verteidiger abgeschlossen. Bis zu meiner NHL-Premiere spielte ich zwei Saisonen. Im Schnitt habe ich nun 500 bis 700 Partien mehr an defensiver Erfahrung. Besonders das Vorjahr in Schweden war lehrreich, ein großer Sprung. In der Schweiz musste ich als Ausländer Punkte machen und siegen. Wenn ich ein oder zwei Spiele nicht produzierte, fragten sie mich, was nicht passt. Indes bekam ich in Schweden die Vorgabe, gutes Eishockey zu bieten, die Ausbeute war sekundär. Somit konnte ich mich auf andere Dinge konzentrieren, etwa das Penalty Killing. Früher kam ich in Nordamerika kaum dazu, da sie meinten, ich sei zu offensiv. Nur in der NHL bin ich, realistisch betrachtet, fünfter bis siebenter Defender. Da muss ich in Unterzahl spielen können, denn im Powerplay werde ich nicht häufig reinkommen. Ich habe das verstärkt, mich weiterentwickelt, deshalb bin ich bereit.

LAOLA1: Was fällt dir eigentlich zum 11. Oktober ein?

Pöck: Keine Ahnung, was ist an diesem Tag?

LAOLA1: Colorado empfängt die St. Louis Blues zum Saison-Auftakt.

Pöck: Das erste Ziel ist, am Opening-Day im Roster zu stehen. Wenn ich das erreicht habe, werde ich mir ein neues setzen. Vorerst zählt für mich einzig und allein ein super Camp. Ich möchte Head Coach Joe Sacco das Gefühl geben, dass er auf mich bauen und ich der Mannschaft helfen kann. Offensiv wie auch defensiv, was er eben benötigt. Sofern mir dies gelingt, wäre ich zufrieden.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

Pöck: Ein Grund war meine super Saison. Die Elitserien genießt in Nordamerika ein hohes Ansehen, das beweisen die Draft-Picks. Schwedische Talente sind jedes Jahre heiß begehrt, da ist man in Europa noch vor Russland anzusiedeln. Bei Colorado kam hinzu, dass sie die Meinung meiner GMs eingeholt haben. Wenn Näslund sowie Forsberg, dessen Trikot dort am Eishallen-Dach hängt, etwas sagen, hat dies natürlich Gewicht. Und die Beiden hatten Freude an mir.

LAOLA1: Warum fiel die Kugel letztlich auf den zweifachen Stanley-Cup-Champ? Auch die Vancouver Canucks und Phoenix Coyotes sollen angeblich mit deiner Person geliebäugelt haben…

Pöck: Die Avalanche bekundeten das größte Interesse, wollten den Deal schnellstmöglich unter Dach und Fach bringen. Eine Stunde nachdem der Free-Agent-Markt öffnete, lag mir ein Angebot vor. Nach den Gesprächen bekam ich einen positiven Eindruck. Sie sind froh, dass ich unterschrieben habe und wissen, was sie an mir haben.

LAOLA1: Kneifst du dich noch ab und an, um sicherzugehen, dass du nicht urplötzlich erwachst?

Pöck: (lacht) Nein! Es ist natürlich ein Kindheitstraum in der NHL zu spielen. Ich hatte die Möglichkeit, über hundert Spiele (Anm.: 122 in Regular Season & Playoffs) zu absolvieren. Vergangenen Sommer wechselte ich von der Schweiz nach Schweden, um neue Erfahrungen zu sammeln und Eishockey auf anderem Niveau kennenzulernen. Im März lag mir ein tolles Angebot des KAC vor. Ich teilte Sportdirektor Manny Viveiros sowie Vize-Präsident Hellmuth Reichel mit, dass ich zuwarten möchte. Damals hatte ich nichts Konkretes einer Franchise vorliegen. Allerdings bestand Interesse, das wollte ich unbedingt ausloten. Mir ging es dabei nie um das Geld, sondern nur um das Sportliche. Wenn mir das Finanzielle wichtig wäre, würde ich nach Russland gehen. Was ich dort verdienen könnte, bekomme ich nicht einmal in Nordamerika. Der Wunsch nach der NHL war aber einfach zu groß.

LAOLA1: Wie schätzt du nun die Konkurrenz-Situation im Roster ein?

Pöck: Von der Tiefe sehe ich hier die beste Chance, mich durchzusetzen. Sie haben lediglich sechs bis sieben Verteidiger, die schon länger in der NHL spielen. Ich bin schwer davon überzeugt, dass ich gut genug bin. Seit Anfang April trainiere ich, bis die Pre-Season anläuft, sind es noch einige Wochen. Ich werde im September bereit sein, den Kampf aufzunehmen. Damit im richtigen Moment die ein oder andere Sache besser glückt, benötigt man auch Glück. Ich habe allerdings das Selbstvertrauen, weiß, dass ich die Qualität besitze, um mir einen Roster-Spot zu erspielen.

LAOLA1: Lieferst du im Camp nicht ab, droht dir die AHL-Degradierung. Wie groß ist die Belastung ob deines Two-Way-Kontrakts?

Pöck: Den Druck spüren alle Spieler. Bei den Rangers hatte ich einen One-Way-Vertrag, war dennoch zwei Mal beim Farmteam. Wenn die Verantwortlichen glauben, dass ein Anderer besser geeignet ist, wird der zum Zug kommen. Für mich ist es nicht hinderlich. Ich würde in der AHL ebenfalls gut genug verdienen, verhungern werden wir nicht (lacht). Nur sind diese Gedanken nicht vorhanden. Für mich ist klar, ich spiele in Colorado. Erst, wenn dem nicht so sein sollte, zerbreche ich mir den Kopf.

LAOLA1: Das sommerliche Ausleseverfahren ist gnadenlos, welche Eindrücke hast du einst erhalten?

Pöck: Bei den New York Rangers standen zum Start körperliche Test an. An den folgenden drei Tagen waren Eistrainings angesagt, nach den Einheiten gab es den ersten Cut. Von rund 70 Spielern wurden 30 nach Hause geschickt. Eine Woche trainiert man dann Systeme, ehe Testspiele anstehen. Zumeist haben die Teams zwischen sechs und zehn Begegnungen, da kommt es darauf an, gegen wen du zum Einsatz kommst. In New York erhielt jeder nur drei bis vier Chancen, um sich zu profilieren. Vor dieser Competition darfst du keine Angst haben, das musst du positiv sehen. Um mit den Besten mitspielen zu können, muss man eben gegen die Besten bestehen.

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