Weber: Bange Tage des Wartens

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Weber und die bangen Tage des Wartens

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Sieben Tage banges Warten - für die Philadelphia Flyers. Für den Support der Nashville Predators. Besonders jedoch für Shea Weber.

Der 26-jährige zählt zum Besten, was die NHL punkto Defensiv-Spezialisten zu bieten hat. Und er ist Restricted Free Agent. Eine Konstellation, die selbstredend Begehrlichkeiten weckt.

Kaum eine prominente Franchise liebäugelte nicht damit, Weber ein millionenschweres Angebot zu unterbreiten.

Während die NY Rangers, Detroit Red Wings oder San Jose Sharks zögerten, machten die Flyers am Mittwoch schließlich Nägel mit Köpfen.

110 Millionen Dollar für 14 Jahre – das sind Medienberichten zufolge die Hard Facts zum Offer Sheet. Dem Kanadier ist ein Geldregen garantiert. Wo er jenen genießen darf, entscheiden andere.

Belastung für den Salary Cap

„Wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, haben die Möglichkeit gleichzuziehen. Eine Woche bleibt uns nun“, erklärt General Manager David Poile die neue Ausgangslage. Die „Preds“ können ihren All-Star-Verteidiger allerdings nur zu Kondition der Offerte aus Philadelphia verlängern.

„Aufgrund der Komplexität müssen wir die Zeit in Anspruch nehmen, alle Optionen abzuwägen, um das Beste für die Franchise zu beschließen - für den Moment und für die Zukunft.“ Denn der Konkurrent von der Ost-Küste, respektive GM Paul Holmgren, agierte bei den Verhandlungen ausgesprochen aggressiv.

Einen Großteil der vereinbarten Summe soll Weber nämlich in den ersten sechs Saisonen einstreifen.

Zwar sind keine Details bekannt, doch wird mit unglaublichen 80 Millionen spekuliert. In der Folgezeit würde er eine untypische Einbuße von knapp 10 Millionen (!) erleiden.

Indes wäre er zuvor eine erhebliche Belastung für den Salary Cap.

Kaum Alternativen für die „Preds“

Zu wenige Alternativen hat der Free-Agent-Markt parat. Zu groß scheint das Gedränge um die verbleibenden, freien Superstars Alexander Semin sowie Shane Doan. Zu wenig attraktive Trade-Objekte befinden sich im eigenen Roster.

Bis zur Gehaltsobergrenze (70,2 Mio.) verfügt das 1997 ins Leben gerufene Team derzeit noch über einen Spielraum von rund 29,4 Millionen (Quelle: CapGeek). Geld, welches wertvoller denn je sein könnte. Weber zu halten, scheint nämlich die einzig logische Konsequenz zu sein.

Falls sie sich wider erwarten anders ausrichten, würden die Predators vier Erstrunden-Draft-Picks erhalten. Wohl nur ein schwacher Trost, zumal die Flyers in den vergangenen vier Jahren stets an 20. Stelle oder höher wählten.

Das Objekt der Begierde lässt übrigens lieber seinen Agenten für sich sprechen.

„Das gehört zu unserem Beruf“

„Er würde gerne bei den Flyers spielen, möchte nicht neuerlich den Aufbau eines Teams miterleben. Philadelphia hat eine großartige Historie, er sieht dort die größte Chance, zu gewinnen“, so Jarrett Bousquet.

Aber bekanntlich hat man im amerikanischen System wenig, bis gar kein Mitsprache-Recht.

Die Mehrheit der Akteure werden bei den Transfers zu Marionetten der Klubs. Manch Kritiker mögen in Anbetracht dessen von Sklavenhandel sprechen, für die Spieler sind dies schlichtweg die Mechanismen des Eishockey-Business.

Michael Grabner erklärte einst im LAOLA1-Interview: „Das gehört zu unserem Beruf, du musst dich damit abfinden. Wo du hinkommst, kommst du hin. Die Franchise gibt dir Bescheid, wohin du wechselst oder ob du bleibst. Egal wer du bist oder woher du kommst, keiner ist davor gefeit.“

Selbst Aushängeschilder á la Weber nicht, das weiß Bousquet. Auf ihn und seinen Klienten warten deshalb sieben Tage des bangen Wartens.

Christoph Köckeis

Weber Abgang, Titel-Chance dahin?

„Ursprünglich wollten wir jedes Angebot matchen, Shea für einige Jahre an die Predators binden. Die Besitzer haben uns beauftragt, ein Team aufzubauen, das den Stanley Cup gewinnen kann“, so Poile. In solchen Planungen nahm der All-Star stets eine elementare Rolle ein.

Um Goalie Pekka Rinne, Weber und Ryan Suter sollte sich ein Titel-Aspirant entwickeln. Bis vor Wochen mit Letztgenanntem ein Eckpfeiler abhandenkam.

Der Unrestricted Free Agent unterschrieb bei den Minnesota Wild für 13 Saisonen und 98 Millionen Dollar. Damit wollten die Predators nicht konkurrieren, selbst wenn es das Gehaltsschema zugelassen hätte.

Womöglich erkannte Poile schon damals, dass ein weiteres Engagement der beiden Top-Verteidiger zu kostenintensiv wäre. Er setzte alles auf eine Karte. Nun droht das Worst-Case-Szenario. Nashvilles Führungsetage ist mächtig unter Zugzwang.

Mit Webers Abgang würde wohl die Hoffnung auf die baldige Stanley-Cup-Premiere flöten gehen.

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