Kings unter Druck - Mega-Party oder Depression?

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Aufgegeben wird bekanntlich nur ein Brief. In New Jersey ist das nicht anders.

Nach drei Niederlagen in den Stanley Cup Finals meldeten sich die Devils endgültig zurück. Mit einem 2:1-Triumph verlängerte man die „Best of seven“-Serie um Spiel sechs.

Im Staples Center zu Los Angeles stehen Kovalchuk und Co. abermals unter Zugzwang. Dennoch lastet der Druck auf Schultern der gastgebenden Cracks, zumindest ist dies von der Ostküste zu vernehmen.

„Viele Anhänger erwarten seit zwei Spielen die Entscheidung. Sie müssen gewinnen, daran besteht kein Zweifel“, erklärt Devils-Mastermind Peter DeBoer.

Nach der Playoff-Auswärtspleiten-Premiere bleibt den Kings noch ein vorzeitiger Matchpuck. Ein Erfolg fehlt zu erstmaligen Titel-Ehren.

Vor eigenem Publikum ist alles angerichtet für eine Mega-Party - oder kommt es doch zur Depression? LAOLA1 kennt die fünf Erkenntnisse im Vorfeld.

  • Die Zeit ist gekommen, um…

…Geschichte zu schreiben! 1942 – eine Jahreszahl, welche nur bisher „Eishockey-Rentner“ mit einem geschichtsträchtigen Ereignis zu verbinden wussten. Spätestens seit Endspiel fünf wissen die jüngeren Fans, was sich damals ereignete. Als erste und einzige Franchise gelang den Toronto Maple Leafs das historische Comeback nach 0:3-Rückstand.

„Wenn du hier stehst, wo wir stehen, ist Spezielles gefordert. Wir kämpften uns zurück in diese Serie, natürlich ist die Aufregung größer denn je. Sobald ein Team Geschichte schreiben kann, fasziniert das die Fans“, weiß Martin Brodeur. Er hatte mit 25 teils imposanten Saves maßgeblichen Anteil daran, dass nach den Detroit ’45 - die Red Wings machten ebenfalls ein 0:3 wett - ein Spiel sechs erzwungen wurde.

Während die Devils nun bei einer 10-1-Bilanz in Playoff-Spielen vier bis sieben halten, blieben die L.A. Kings erstmals in zwei aufeinanderfolgenden Partien ohne Erfolgserlebnis. Die mentale Belastung ob der in greifbarer Nähe befindlichen Krönung steigt zusehends – und ist nur schwer auszuklammern.

Mike Richards betont: „Wir sind Profis. Am Ende des Tages gilt es die Ablenkung zu ignorieren. Damit so umzugehen, wie es von uns erwartet wird.“ Montag-Nacht haben zuerst die Kings ihre Chance, ein unvergessliches Kapitel zu schreiben.

Die Härte der Devils zeigt ihre Wirkung

  • Der Glaube ist zurückgekehrt

Es ist eine alte Leier, jene vom fehlenden Glück. In den Finalspielen eins bis drei wollte die schwarze Scheibe nicht für die Devils springen. Nicht zuletzt deshalb resümierte man zufrieden, war doch die Leistung durchaus ansprechend. Während manch andere Franchise zu hadern beginnen würde, blieb man in New Jersey positiv. Erkannte die bedrohliche Lage, lief mit dem Rücken zur Wand heiß.

„Wir hatten noch immer eine Chance, das wussten wir. Natürlich war es schwer, aus diesem Loch zu klettern. Uns ist es geglückt“, gibt Adam Henrique zu verstehen. Nun bekommen die Cracks das, was sie ihrer Meinung nach, bereits in den Begegnungen zuvor verdient hätten. Die Kritik an den Offensiv-Reihen verpuffte ebenso aus heiterem Himmel, wie sie aufkam.

„Wir wussten, dass nicht vieles für uns spricht, ließen uns davon nicht beeinflussen“, so der vielerorts gescholtene Zach Parise. Er strafte seine Zweifler mit dem ersten Treffer der Serie Lügen: „Ich denke, wir leisteten gute Arbeit, konzentrierten uns auf jedes Drittel.“ Torhüter Brodeur ergänzt: „Im Roster befinden sich belastbare Persönlichkeiten, die um alles auf der Welt diesen Cup wollen.“

Jersey erzwang das Quäntchen Glück, welches den Mannen aus der Film-Metropole flöten ging.

  • Rückfall in alte Schemata?

Zehn Volltreffer landete Los Angeles in den erfolgreichen drei Kräftemessen, nur zwei folgten. „Marty spielte eine gute Serie. Er hatte großartige Paraden, vor allem in Finale vier und fünf. Wir müssen ihm mehr Schwierigkeiten bereiten“, gibt Kapitän Dustin Brown die Vorgabe für Montagnacht.

  • Die Nerven liegen blank

Untypisch verhielten sich Los Angeles‘ Cracks zuletzt. Sie brachten ihre Enttäuschung zum Ausdruck – und zwar in Form von Härteeinlagen. Goalie Jonathan Quick ließ nichts unversucht, um seine Gegner zu stören. Gegenüber Brodeur wurde ein ums andere Mal provoziert, legte sich jedoch nicht mit den „aggressiven“ Forwards an. Einzige Reaktion: Ein süffisantes Lächeln.

„Die Frustration ist nicht zu übersehen. Wir wollten sie in diese Situation manövrieren, nun heißt es, den Druck aufrecht zu erhalten“, verdeutlicht Peter DeBoer die Trendwende. Die königliche Aura der Unbesiegbarkeit musste Kratzer verkraften. Die Leichtigkeit des Seins ließ man schwerlich vermissen.

Plötzlich spürt man den Atem des Konkurrenten im Nacken. Der Weg in die Spiele führt nun über den Kampf. Nicht mehr über offensive Glanzlichter. „Natürlich, Angst ist nicht zu leugnen. Noch nie haben wir zwei Mal verloren“, so Justin Williams, der lakonisch feststellt: „Es geht um den Stanley Cup, damit war zu rechnen.“

Noch liegen die Kings in Führung. Somit kein Grund zur Panik, das hält Topscorer Anze Kopitar für ratsam: „Wir müssen unser Programm durchziehen – über 60 Minuten oder eben mehr. Nicht mehr und nicht weniger.“

Schon am Samstag hatten die Kings mehr vom Spiel. 26 zu 19 Schüsse sprechen für sich, nur fehlte im Slot oftmals der zuvor erwähnte Betrieb vor dem Kasten: „Wir sollten häufiger schießen. Jetzt müssen wir versuchen, mehr Verkehr zu erzeugen und im dann entscheidenden Moment die Schussbahn frei zu bekommen. Viele Riesen-Möglichkeiten wurden geblockt.“

Browns Kollege, Mike Richards, erklärt: „Es ist die Aufgabe von uns Angreifern, Brodeur das Leben so schwer als möglich zu gestalten.“ Dass nicht viel fehlt, um den Matchpuck zu verwandeln, belegt das Abschluss-Pech mit zwei Stangen-Krachern. „Eigentlich eine gute Sache. Wir bekommen die Chancen und es sind meist nicht die Hässlichen, welche den Weg ins Netz finden.“

Übrigens: In der Regular Season jubelte einzig Minnesota (177) seltener als L.A. (194). Erleidet man ausgerechnet in der heißen Phase einen Rückschlag?

  • „Teuflische“ Härte zeigt Wirkung

„Für mich ist die Serie körperlicher als die zuvor“, legt Brown offenkundig dar. Mit 17 Punkten ist der Right Wing zweitbester Kings-Scorer. In der Finalserie geriet er allerdings ins Stocken. Nur ein Assist steht zu Buche. Die „harten Hunde“ der Devils setzten ihm und seinen Kollegen zuletzt mächtig zu.

„Sie haben große, starke Defender in ihren Reihen, die sich in Position bringen, um den Hit zu fahren. Es ist definitiv weniger Raum vorhanden.“ Nicht zuletzt deshalb übte sich Head Coach Darryl Suter im sogenannten „Line-Matching“. Er forcierte die Punktelieferanten in verschiedensten Kombinationen, um sie zu gewohnter Produktion zu animieren.

„An diesem Punkt benötigt es einen Funken, damit es wieder klickt.“ In welcher Formation Brown am Montag aufläuft, bleibt abzuwarten. Die wichtigste Eigenschaft wird jedenfalls Entschlossenheit sein, das erläutert Richards: „Ein harter Kampf steht bevor. Wir kennen den Spielstil der Devils. Unserer ist ebenso beeindruckend. So macht Eishockey Spaß.“

Spaß wollen die Kings vor allem nach Finale sechs haben. Einer ausgelassenen Siegesfeier steht nichts im Wege. Außer diese „verflixten“ Devils.

Christoph Köckeis

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